Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Ex-Sowjetrepubliken kaufen weniger: Gazprom fürchtet um Europageschäft

Der staatlich kontrollierte Gas-Konzern Gazprom verdient weniger. Auch das Absatzplus in Europa kann die gesunkenen Einnahmen aus den früheren UdSSR-Staaten nicht auffangen. Zudem sieht das Unternehmen den wichtigsten Markt in Gefahr.

Der russische Staatskonzern Gazprom fürchtet vor dem Hintergrund der Krise um die Ukraine um seine europäischen Gasexporte und damit um einen wesentlichen Teil seiner Geschäftsaussichten. Bereits im vergangenen Jahr hatten die auf den höchsten Stand seit 2008 gekletterten Lieferungen nach Europa die Bilanz einigermaßen gerettet. Denn die Länder der ehemaligen Sowjetunion kauften weniger beim vom Kreml kontrollierten Konzern ein. Nun aber hieß es, die neue Regierung in Kiew könnte im Zuge des Streits um Gaspreise die durch die Ukraine führenden Pipelines zudrehen. Und auch die Sanktionen zeigen Wirkung: "Eine Ausweitung der Sanktionen der USA, der EU und anderer könnte Betrieb und Finanzierung der Gazprom-Gruppe beeinträchtigen."

Im vergangenen Jahr verdiente Gazprom unter dem Strich mit 1,14 Billionen Rubel (22,9 Milliarden Euro) sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Rückgang trug auch der schwache Rubel bei. Die Verkäufe in die Ex-UdSSR-Staaten brachen um gut ein Fünftel auf 420 Milliarden Rubel ein. Vor allem in die Ukraine wurde deutlich weniger geliefert. Die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine sind nach der Annexion der Krim durch Russland extrem angespannt. Der Konflikt wird inzwischen auch auf der Ebene der Gaslieferungen ausgetragen.

Europa bezieht mehr Gas

Der russische Präsident Wladimir Putin und Gazprom hatten jüngst angekündigt, der Ukraine wegen offener Rechnungen ab Juni nur noch im Voraus bezahltes Gas zu liefern. Laut Gazprom schuldet Kiew dem Konzern zufolge rund zwei Milliarden US-Dollar.

Nach Europa lieferte Gazprom im vergangenen Jahr 174,3 Milliarden Kubikmeter Gas, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf diesem ihrem lukrativsten Markt konkurriert der Konzern mit LNG-Lieferungen, verflüssigtem Erdgas. Derzeit deckt Gazprom rund 30 Prozent der Gas-Nachfrage in Europa. Nach Unternehmensangaben wurden durch die Gas-Verkäufe ins Ausland im vergangenen Jahr 34 Milliarden Euro eingenommen. Dies habe 57 Prozent der gesamten Gas-Verkäufe entsprochen.

Im laufenden Jahr indes könnte weniger Gas nach Europa gelangen. Einmal mehr warnte der Konzern angesichts der Ukraine-Krise vor Störungen der Gaslieferungen nach Europa. Diese könnten auftreten, wenn es zu weiteren Streitigkeiten mit der Ukraine komme, durch die die Pipelines nach Westen führen, teilte der größte russische Gasproduzent weiter mit. Gazprom hatte der Ukraine vorige Woche zusätzliche Kosten in Höhe von 11,4 Milliarden Dollar in Rechnung gestellt.

Nachbarn springen Ukraine bei

Am Vorabend hatten sich Russland und die Europäische Union (EU) laut der Moskauer Regierung auf Verhandlungen über ausstehende Gasrechnungen der Ukraine verständigt. Die Dreier-Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und der EU seien vorläufig für Freitag in Warschau geplant, teilte das russische Energieministerium mit.

Die Ukraine hatte sich ihrerseits kurz zuvor mit der Slowakei auf begrenzte Gaslieferungen aus der EU verständigt. Die Vereinbarung sieht die Lieferung von acht Milliarden bis neun Milliarden Kubikmetern pro Jahr vor. Ab Herbst könnte die Ukraine dann Erdgas aus dem Nachbarland erhalten. Zusätzlich könnten Polen und Ungarn liefern. Insgesamt könne die Ukraine aus ihren EU-Nachbarländern knapp ein Drittel des Jahresbedarfs erhalten.

Die Regierung in Kiew erklärte sich zudem bereit, unter bestimmten Bedingungen ihre Schulden von 2,2 Milliarden Dollar beim russischen Lieferanten Gazprom rasch zu begleichen. Bedingung sei, dass das staatlich kontrollierte Unternehmen weiter den alten Vorzugspreis von 268 Dollar je 1000 Kubikmeter ansetze, erklärte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk. Sollte es binnen 30 Tagen keine Vereinbarung darüber geben, werde sein Land Gazprom wegen überhöhter Preise vor dem Stockholmer Schiedsgerichtshof verklagen.

Quelle: n-tv.de

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