Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

EZB tastet Leitzins nicht an: Geld bleibt billig

Der Leitzins im Euroraum verharrt auf seinem Rekordtief. Banken können sich im gemeinsamen Währungsraum weiter günstig Geld leihen. Zudem schieben die Notenbanker die Konjunktur mit Anleihenkäufen an - inzwischen für fast 300 Milliarden Euro.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer Politik der extrem niedrigen Zinsen fest. Wie erwartet beschloss der EZB-Rat, den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen. Das teilte die Notenbank mit. Damit bleibt Zentralbankgeld für Geschäftsbanken extrem günstig.

Seit März versuchen die Währungshüter, die Konjunktur und den Preisauftrieb zusätzlich mit einem gewaltigen Kaufprogramm anzuschieben: Monatlich 60 Milliarden Euro sollen in Staatsanleihen und andere Vermögenswerte investiert werden, insgesamt 1,1 Billionen Euro bis September 2016. Bis zum 28. August hat die EZB in diesem Rahmen allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 289,5 Milliarden Euro erworben.

Präsident Mario Draghi hat sich bisher stets zufrieden mit den Ergebnissen des Ankaufprogramms geäußert. In jüngster Zeit allerdings hat der anhaltende Rückgang des Ölpreises die Inflationsraten und auch die längerfristigen Inflationserwartungen wieder sinken lassen. Außerdem verringerte sich an den Märkten die Erwartung einer US-Leitzinserhöhung im September, was den Außenwert des Euro steigen ließ. Zudem haben sich die Wachstumserwartungen für die Schwellenländer, allen voran China, eingetrübt.

Das frische Geld kommt im Idealfall über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an. Das soll Investitionen und Konsum anschieben und so die Konjunktur in Schwung bringen und die Inflation anheizen.

Neue Wachstumsprognosen erwartet

Die Teuerung im Euroraum ist jedoch weiterhin weit vom EZB-Ziel von knapp unter 2,0 Prozent entfernt. Im August verharrte die jährliche Inflationsrate im Euroraum nach Zahlen von Eurostat bei 0,2 Prozent. Deshalb erwarten einige Experten bereits, dass die EZB ihr Kaufprogramm aufstocken könnte.

In der gegen 14.30 Uhr beginnenden Pressekonferenz wird sich der EZB-Präsident zu diesen veränderten Rahmenbedingungen äußern. Beobachter rechnen überwiegend damit, dass Draghi noch keine konkreten Schritte zur Ausweitung des Ankaufprogramms ankündigen, aber die grundsätzliche Bereitschaft, mehr zu tun, bekräftigen wird.

Der EZB-Präsident wird in der Pressekonferenz die neuen Prognosen des volkswirtschaftlichen Stabs zu Wachstum und Inflation vorstellen. Im Juni prognostizierten die Experten für 2015, 2016 und 2017 Inflationsraten von 0,3, 1,5 und 1,8 Prozent. Vor allem die längerfristigen Prognosen wird der Stab kaum deutlich senken wollen, da die EZB andernfalls umgehend neue Maßnahmen ergreifen müsste.

Quelle: n-tv.de

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