Wirtschaft

Deutsche Banknoten aus dem AuslandGelddrucker gehen auf die Straße

17.08.2010, 15:48 Uhr

Weil die Bundesbank neue Euro-Noten wohl in Frankreich und den Niederlanden drucken lässt, laufen die Mitarbeiter heimischer Gelddruckereien Sturm. Sie sehen ihre Arbeitsplätze in Gefahr und wollen deshalb bei der Vergabe des Auftrags bevorzugt werden.

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(Foto: dpa)

Hunderte Drucker haben vor der Deutschen Bundesbank in Frankfurt gegen die europaweite Vergabe von Druckaufträgen für Euro-Geldscheine demonstriert. Die Gewerkschaft Verdi sprach von etwa 250 Teilnehmern aus der Bundesdruckerei in Berlin sowie Giesecke & Devrient in München und Leipzig. Die Demonstranten sehen 400 Arbeitsplätze gefährdet. Über die Vergabe des Auftrags von im Jahr 2011 benötigten neuen Geldscheinen ist noch nicht endgültig entschieden, weil die deutschen Betriebe Widerspruch gegen die Auftragsvergabe nach Frankreich und in die Niederlande eingelegt haben.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass Deutschland bislang das einzige Euroland von Gewicht sei, das seine Druckaufträge international ausschreibt. Diesem Beispiel folgten in Europa bislang nur kleinere Länder, nicht aber die übrigen Euro-Länder mit großen Bargeldmengen. Diese gäben die Aufträge bislang ausschließlich an ihre nationalen Drucker - oder die Zentralbanken haben wie in Frankreich und Italien ihre eigenen Druckereien.

Die Bundesbank hat die Kritik bislang zurückgewiesen. Zur Ausschreibung sei man nach deutschem und europäischen Recht verpflichtet. Deutschland vergibt die Druckaufträge für rund 30 Prozent des Euro-Bargelds. An den Ausschreibungen beteiligen dürfen sich 14 von der Europäischen Zentralbank zertifizierte Druckereien.

Man stelle sich gerne jedem fairen Wettbewerb, erklärte ein Sprecher des Unternehmens Giesecke & Devrient in München. Chancengleichheit sei in Europa aber nicht gegeben, solange nur 37 Prozent der Euro-Menge ausgeschrieben würden. In diesem Jahr habe allein die Bundesbank einen Auftrag ausgeschrieben, alle übrigen Notenbanken nicht.

Quelle: rts