Katar investiert drei Milliarden: Geldspritze für Spanien
Spanien erhält ein Investitionspaket von drei Milliarden Euro aus Katar. Der Wüstenstaat will in die Bereiche Telekommunikation und Energiewirtschaft investieren. Katar habe Vertrauen in die wirtschaftliche Reformen der spanischen Regierung, sagt Ministerpräsident Zapatero.
Der Wüstenstaat Katar will in Spanien drei Mrd. Euroinvestieren. Wie am Montag aus spanischen Regierungskreisen verlautete, gab derÖlstaat dem Madrider Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero bei einemBesuch in Doha entsprechende Zusagen. Die Investitionen sollen nach spanischenMedienberichten vor allem in die Bereiche der Telekommunikation und derEnergiewirtschaft fließen. In welche Unternehmen die Anleger aus Katarinvestieren wollen, war zunächst nicht bekannt.
Zapatero und der katarische Regierungschef Hamad binDschassim Al Thani hatten zuvor bekanntgegeben, dass der Wüstenstaat denkriselnden Sparkassen in Spanien zu einer Kapitalspritze von 300 Mio. Euroverhilft. Ein großer Teil der spanischen Geldinstitute steckt aufgrund desabrupten Endes des Baubooms in einer Krise und benötigt dringend neueFinanzmittel.
Zapatero wertete das Investitionsprogramm des Ölstaates alsein Zeichen dafür, dass Katar Vertrauen in die wirtschaftlichen Reformen derspanischen Regierung habe. Er reiste am Montagabend von Doha in die VereinigtenArabischen Emirate. Dort wollte er ebenfalls für Investitionen in Spanienwerben. Am Mittwoch will der spanische Ministerpräsident Tunesien als ersterwestlicher Regierungschef nach dem Sturz des Regimes von Zine el Abidine BenAli besuchen.
Inflation auf Zweijahreshoch
Das mit hohen Defiziten und Wachstumsproblemen kämpfendeSpanien steht unter Druck. Insbesondere der gestiegene Ölpreis, aber auch diehöheren Kosten für Lebensmittel machen den Verbrauchern zu schaffen. Denn dieBürger verlieren Kaufkraft, zumal sich in dem Land mit der höchstenArbeitslosenquote im Euroraum kaum größere Lohnsteigerungen durchsetzen lassen.
Die zum europaweiten Vergleich berechnete Inflationsratekletterte im Februar auf 3,4 Prozent, wie das Nationale Statistikinstitut mitteilte.So hoch war sie zuletzt im Oktober 2008. Zum Vergleich: In Deutschland liegtdie Teuerung bei 2,2 Prozent.
Auch die Regierung von Zapatero hat durch Steuererhöhungenmit zum Preisauftrieb beigetragen. Die Sparpolitik gilt im Kampf gegen diehohen Defizite jedoch als unverzichtbar für ein Land, das zeitweise alsKandidat für den EU-Rettungsschirm gehandelt wurde. Die kräftige Teuerung istnach Ansicht von Ökonomen Gift für die Wirtschaft, die in früheren Boomzeitenvon der Ausgabefreudigkeit der Verbraucher profitierte. "Die Inflation istschlecht für die Haushalte und frisst einen Teil der Einkommen auf", meintÖkonom Ben May von Capital Economics.
Spanien konnte sich vor dem Platzen einer Immobilienblaseals schnell wachsende Volkswirtschaft höhere Inflationsraten als Deutschlandleisten. Nun belastet der Ölpreisschock die ohnehin fragile Erholungzusätzlich: Die Regierung rechnet dieses Jahr mit einem Wachstum von 1,3Prozent, nachdem die Wirtschaftsleistung 2010 leicht geschrumpft war. Expertenhalten die Regierungsprognose jedoch für zu optimistisch. "Der spanischenWirtschaft steht ein weiteres heikles Jahr bevor", warnt Ökonom May.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB), die am Donnerstag zuihrer nächsten Zinssitzung zusammenkommt, könnte die Sorgen Spaniens diesesJahr noch vergrößern. Im Kampf gegen die Inflation dürfte die EZB nach Ansichtvon Finanzexperten im Herbst die Zinsen erhöhen und damit der Erholung inSpanien einen Dämpfer versetzen. Die Währungshüter haben bereits klar gemacht,dass sie den Preisauftrieb genau im Auge behalten. Sie sehen stabile Preisemittelfristig bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozentgewährleistet.
Quelle: n-tv.de

