Wirtschaft
Fabrice Tourre im Jahr 2010 vor dem Untersuchungsausschuss des US-Senats: Der Ex-Goldman-Banker steht nun selbst vor Gericht.
Fabrice Tourre im Jahr 2010 vor dem Untersuchungsausschuss des US-Senats: Der Ex-Goldman-Banker steht nun selbst vor Gericht.(Foto: picture alliance / dpa)

"Faboulos Fab" Fabrice Tourre: Goldman-Banker steht vor Gericht

Schrottpapiere wie "Abacus" brachten vor fünf Jahren das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs. US-Bank Goldman Sachs hat wegen der Giftpapiere bereits 550 Millionen Dollar Strafe gezahlt. Nun steht auch ihr Erfinder vor Gericht: Er soll Investoren betrogen haben.

Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise hat in den USA der Prozess gegen den ehemaligen Goldman-Sachs-Manager Fabrice Tourre begonnen. Der auch unter seinem Spitznamen "Fabulous Fab" bekannte Ex-Banker steht im Zentrum eines Falls, den Wall-Street-Kritiker als exemplarisch für Fehlverhalten der Bankenbranche im Vorfeld der Krise betrachten. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft Tourre, der heute an einer US-Universität in Wirtschaft promoviert und die Vorwürfe zurückweist, Betrug vor. Am Montag wurden zunächst die Geschworenen ausgewählt.

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Tourre soll Investoren irreführende Informationen über strukturierte Immobilienpapiere gegeben haben, die Goldman Sachs kurz vor dem Crash aufgelegt hatte, um selbst auf den drohenden Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts zu wetten. Konkret geht es um die sogenannten "Abacus"-Papiere. Diese sogenannten Collateralized Debt Obligations (CDOs) wurden nur wenig später zum Auslöser der weltweiten Finanzkrise: Viele Investoren hatten sich über den Wert der  Dutzenden Schrotthypotheken, die in ihnen steckten, getäuscht und mussten milliardenschwere Verluste tragen.

Tourre war nach Ansicht der SEC dafür mitverantwortlich: Er soll Anlegern, die "Abacus"-Papiere von Goldman Sachs kauften, um auf eine positive Entwicklung des US-Immobilienmarktes zu setzen verschwiegen haben, dass die US-Großbank selbst gegen ihre eigenen Papiere wettete. Zudem hätte sie nach Ansicht der SEC offenlegen müssen, dass der Hedgefonds Paulson gemeinsam mit Goldman Sachs die Schrotthypothekenanleihen aussuchen durfte, die in die "Abacus"-Papiere wanderten: Auch der Hedgefonds wettete Goldman auf den Zusammenbruch des Marktes.

Nach Auffassung der SEC hätte Goldman diesen Interessenkonflikt den Käufern von "Abacus" offenlegen müssen. In einem Zivilverfahren, das die SEC gegen Goldman Sachs eingeleitet hatte, war zu einem Vergleich gekommen. Die Bank hatte 550 Mio. Dollar gezahlt, ohne eine Schuld anzuerkennen. In dem Verfahren waren Emails von Tourre an seine Freundin aufgetaucht, in denen er sich selbst als "faboulos Fab" – famoser Fabrice – bezeichnete.

Quelle: n-tv.de

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