Wirtschaft
Goodyear-Werk in Amiens: Die Reifenfabrik gerät immer wieder in die Schlagzeilen.
Goodyear-Werk in Amiens: Die Reifenfabrik gerät immer wieder in die Schlagzeilen.(Foto: picture alliance / dpa)

Protest gegen Werksschließung: Arbeiter kidnappen mehrere Manager

Eine Goodyear-Reifenfabrik soll geschlossen werden. In der Heimat des US-Konzerns vielleicht kein Problem, in Frankreich dagegen schon: Die Arbeiter nehmen dort ihr Schicksal selbst in die Hand - stundenlang.

Aus Protest gegen die geplante Schließung einer Goodyear-Reifenfabrik in Nordfrankreich haben Arbeiter zwei Manager des Werks knapp 30 Stunden lang fest gehalten. Am Nachmittag kamen der Produktionsleiter und der Personalleiter des Werks in der Stadt Amiens wieder frei. Die Gewerkschaft CGT kündigte aber an, das Werk zu besetzen, um Abschiedsprämien für entlassene Arbeiter zu erzwingen.

Die beiden Manager verließen begleitet von Polizisten die Fabrik, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Von der Entlassung bedrohte Arbeiter hatten die Männer am Montagvormittag festgesetzt. Sie protestierten damit gegen die geplante Schließung der Fabrik, die 1173 Arbeiter ihren Job kosten könnte, und wollten für die Belegschaft bessere Bedingungen erreichen.

Die Leitung von Goodyear Frankreich hatte betont, keine Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern zu führen, solange die beiden Manager in der Gewalt der Arbeiter seien. Ein Vertreter der Gewerkschaft CGT, welche die Proteste in Amiens anführt, sagte daraufhin, die beiden Männer würden erst nach der Wiederaufnahme von Gesprächen freigelassen. Später kündigte die CGT aber an, einen der beiden Festgehaltenen gehen zu lassen, wenn es "Gewissheit" über ein Treffen zwischen Arbeitnehmervertretern und Unternehmensleitung gebe.

"Kein Drama"

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In Frankreich kommt es immer wieder vor, dass die Belegschaft bei Arbeitskämpfen Manager für mehrere Stunden oder sogar Tage gefangenhält. Mit Blick auf die Festsetzung der beiden Goodyear-Manager sprach der Unternehmerverband Medef von "inakzeptablen Praktiken".

Der Chef der Gewerkschaft Force Ouvrière, Jean-Claude Mailly, sagte im Sender Radio Classique, es sei "nicht die richtige Methode". Der Vorfall in Amiens sei aber "auch kein Drama".

"Kidnapping"?

Es war das erste Mal seit einer Serie von Vorfällen 2009, dass in Frankreich Manager auf diese Weise festgehalten wurden. Damals gab es so viele ähnliche Fälle, dass Präsident Nicolas Sarkozy die Polizei mit besonderen Befugnissen ausstattete. Sein Nachfolger Francois Hollande zeigt sich weniger bereit, hart gegen protestierende Arbeiter vorzugehen, eine wichtige Wählergruppe für seine sozialistische Regierung. Goodyear hat wegen Freiheitsberaubung geklagt.

Der Konzern hatte 2009 angekündigt, das Werk in Amiens zu schließen und dies mit einer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit begründet. Die Belegschaft lehnte Vorschläge zur Kostensenkung ab. Die CGT fordert nun unter anderem Abfindungen von bis zu 180.000 Euro. Das Angebot von Goodyear ist nicht öffentlich gemacht worden. 

Über die Grenzen Frankreichs wurde das Werk unter anderem deswegen bekannt, weil der Chef des US-Reifenkonzerns Titan, Maurice Taylor, ein Angebot der französischen Regierung zur Übernahme der Fabrik zu einer hämischen Kritik am Wirtschaftsstandort Frankreich nutzte. Taylor sprach in einem Brief von den "sogenannten Arbeitern" in dem Werk, die höchstens "drei Stunden" am Tag arbeiten würden.

Die Äußerungen sorgten in Frankreich für Empörung, Industrieminister Arnaud Montebourg kritisierte Taylor scharf. Nun goss Taylor weiter Öl ins Feuer: Im Sender Europe 1 auf das Festsetzen der Goodyear-Manager angesprochen, sagte er: "In den  USA würden wir das Kidnapping nennen. Diese Leute würden festgenommen und vor Gericht gestellt. Das ist ein schweres Verbrechen, dafür gibt es lebenslange Haft. Aber ihre Regierung in Frankreich macht nichts, das erscheint verrückt."

Quelle: n-tv.de

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