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Aderlass dauert an: Google hält das Wachstumstempo hoch

Der US-Konzern Google hat im zweiten Quartal mehr verdient und umgesetzt. Anders als Yahoo kann das Unternehmen seine Werbung kundengenauer platzieren. Allerdings muss der Internet-Gigant erneut einen Top-Manager ziehen lassen.

Bei Google hält der Exodus von Top-Managern an: Mit Chief Business Officer Nikesh Arora verlässt ein enger Vertrauter von Unternehmenschef Larry Page den Internet-Konzern. Zuvor hatten bereits mehrere Spitzenmanager dem Branchenführer unter den Suchmaschinen-Betreibern den Rücken gekehrt.

Google-Chef Page veröffentlichte die Nachricht von Aroras Weggang überraschend über einen Eintrag auf seiner Profilseite im Netzwerk Google Plus. Demnach wird Arora, der vor knapp zehn Jahren beim US-Konzern angeheuert hatte, als Vize-Chef des Kontrollgremiums zur japanischen SoftBank wechseln. Der für den Verkauf zuständige Omid Kordestani werde vorübergehend seine Aufgaben übernehmen.

Arora galt nicht nur als enger Vertrauter von Page, sondern auch als dessen wichtigster Verbindungsmann zu den Anlegern und der Wall Street. In den vergangenen Monaten haben bereits mehrere Spitzenmanager Google verlas Suchmaschine im Kaufrausch sen. So nahm der Chef für das Betriebssystem Android, Andy Rubin, im vergangenen Jahr seinen Hut. Im Februar ging der Leiter des Tochterunternehmens YouTube, Salar Kamangar. Zwei Monate später kündigte dann der Chef des Bereichs Soziale Netzwerke, Vic Gundotra.

Mehr Gewinn, mehr Umsatz

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Ungeachtet der Managerabgänge konnte der Konkurrent von Yahoo und Facebook Umsatz und Gewinn im vergangenen Quartal steigern. Der Gewinn legte von April bis Juni um sechs Prozent auf 3,42 Milliarden Dollar zu Dollar, wie Google mitteilte. Der Umsatz des Suchmaschinen-Betreibers erhöhte sich um mehr als ein Fünftel auf 15,96 Milliarden Dollar. Hierin ist der Bereich Motorola Mobility nicht enthalten, den Google an die chinesische Lenovo Group verkaufen will. Analysten hatten lediglich mit 15,61 Milliarden Dollar gerechnet. Der Durchschnittspreis für Werbeanzeigen sei um sechs Prozent gesunken, teilte Google weiter mit. Im nachbörslichen Handel stiegen die Google-Aktien um rund ein Prozent.

Google wächst schon seit etlichen Quartalen jeweils zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent. Im Auftaktquartal dieses Jahres allerdings war das Umsatzwachstum auf 19 Prozent gesunken. Höher als erwartete Kosten drückten zudem den Gewinn unter die Schätzungen der Analysten.

Experten: Höhere Werbeeinnahmen als Facebook

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Laut den Marktforschern von eMarketer dürfte in diesem Jahr mehr als ein Drittel aller Ausgaben für digitale Werbung auf Google entfallen, und damit mehr als auf den Wettbewerber Facebook. Das soziale Netzwerk dürfte demnach auf einen Anteil von fast acht Prozent an dem 140 Milliarden Dollar schweren Markt kommen. Allerdings hat Google im schneller wachsenden Geschäft mit Mobilfunkwerbung eine weniger dominante Stellung. Facebook und Twitter wachsen hier schneller, wie die Schätzungen von eMarketer zeigen.

Da immer mehr Verbraucher von PCs zu Smartphones und Tablets wechseln, geht die Nachfrage nach webbasierter Displaywerbung zurück und die Preise sinken. Die kleineren Bildschirme von Smartphones bieten zudem weniger Platz als PCs für Displaywerbung und die Nutzer schließen seltener einen Verkauf ab, nachdem sie auf ihrem Telefon auf eine digitale Werbung geklickt haben. Deshalb sind Werbekunden immer weniger bereit, dafür hohe Preise zu zahlen. Darunter leidet auch Yahoo. Der Internetkonzern hatte am Vortag Zahlen vorgelegt und die und die Anleger mit einem geringeren Umsatz und Gewinn enttäuscht.

Kunden verzichten auf Werbebanner

Die Kunden lassen die teuren Werbebanner - eine Spezialität von Yahoo - zunehmend links liegen und investieren dafür in billigere gezielte Werbung, die sich an individuelle Nutzer richtet. In diesem Bereich glänzt neben Google vor allem Facebook. Das soziale Netzwerk hat sich inzwischen zum größten Google-Konkurrenten entwickelt.

Google weist keine separaten Zahlen für die Einnahmen aus Mobilfunkwerbung und Werbung auf PC-Bildschirmen aus. Deshalb ist es schwer zu sagen, wie das Unternehmen mit der schwierigen Verschiebung der Kundennachfrage zu Smartphones und Tablets zurechtkommt.

Der Konzern investiert zudem stark in seine bestehenden Geschäfte - und in die Entwicklung neuer Felder, die das Umsatz- und Gewinnwachstum in den kommenden zehn Jahren treiben könnten. Darunter leidet derzeit der Gewinn, aber Analysten hoffen darauf, dass sich die Investitionen später auszahlen. Bislang sehen sie es dem Konzern nach, dass er riskante Projekte verfolgt, wie etwa selbst fahrende Autos, das Angebot von Internetdiensten in großen Flughöhen und smarte Kontaktlinsen.

Quelle: n-tv.de

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