Wirtschaft

Rennen um Nortel-PatentschatzGoogle verliert

01.07.2011, 11:16 Uhr
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Begehrter Patentschatz gehoben. (Foto: REUTERS)

Google verliert das Rennen um den Patentschatz des Telekom-Ausrüsters Nortel. Sechs Gegenspieler um Apple, Microsoft und Sony setzen sich mit einem Milliarden-Gebot durch. Google wollte mit den Patenten sein Mobilfunk-System Android vor Klagen schützen.

Das kostbare Patent-Arsenal des gescheiterten

Telekom-Ausrüsters Nortel geht an eine Gruppe von sechs Schwergewichten der

IT-Branche um Apple, Microsoft und Sony. Der frühe Interessent Google ging

damit leer aus. Das Konsortium sicherte sich den Zuschlag bei einer Auktion mit

einem Gebot von 4,5 Mrd. US-Dollar (3,1 Mrd. Euro), wie das insolvente

kanadische Unternehmen mitteilte. Weitere Mitglieder sind der schwedische

Netzwerk-Ausrüster Ericsson, der Blackberry-Anbieter Research in Motion (RIM)

und der Speicherspezialist EMC.

Das Nortel-Paket gilt als eine Schatztruhe. Bei den rund 6.000

Patenten und Patentanträgen geht es um wichtige Technologien für Mobilfunk und

WLAN, aber auch für die Internet-Suche oder Online-Netzwerke. Einige Patente betreffen

auch den nächsten schnellen Datenfunk-Standard LTE. Dem Deal muss noch der für

Nortel zuständige Insolvenzrichter zustimmen. Ein Abschluss wird für das dritte

Quartal erwartet.

Das wird teuer

Google war außerordentlich an den Patenten interessiert.

Sein Mobilfunk-Betriebssystem Android steht aktuell im Visier vieler

Patentklagen. Und mit dem Nortel-Paket hätte Google Verhandlungsmasse aufbauen

können. Der Internet-Konzern hatte schon frühzeitig ein Gebot von 900 Mio.

Dollar abgegeben. Die US-Wettbewerbshüter hatten Google auch bereits grünes

Licht für den Kauf der Patente gegeben.

"Kein anderer großer Player der Branche benötigt

Patente so dringend wie Google", betonte der deutsche Patentexperte

Florian Müller, der die Streitigkeiten in der Mobilfunk-Industrie beobachtet. "Um

Android gibt es bereits 45 Patentklagen und Hersteller von Geräten auf Basis

des Betriebssystems müssen an dutzende Rechteinhaber zahlen."

Google hätte zwar auch mit den Nortel-Patenten das Problem

nicht auf einen Schlag lösen können - aber eine viel bessere

Verhandlungsposition bekommen, sagte Müller. Der Preis bei der Auktion schoss

nach seiner Einschätzung in die Höhe, weil es den Bietern nicht nur darum ging,

die Patente zu bekommen, sondern auch darum, sie von anderen fernzuhalten.

Kampf um Patente

Informationen über eine Branchenfront gegen Google waren in

US-Medien schon vor einiger Zeit aufgetaucht. Microsoft, Nokia, Hewlett-Packard

sowie die amerikanischen Telekom-Konzerne AT&T und Verizon hatten demnach

Einwände gegen einen Verkauf an Google vorgebracht. Zugleich mussten

Technologiekonzerne befürchten, dass Finanzinvestoren sich die Patente greifen,

um sie dann zur Kasse zu bitten.

Die Konkurrenten im hart umkämpften Smartphone-Markt

überziehen sich immer häufiger mit Patentklagen. So werfen sich aktuell Apple

und Samsung gegenseitig Ideenklau vor. Erst kürzlich beendeten Apple und Nokia

einen jahrelangen Streit. Besonders häufig wird aber Android angegriffen - und

Google kann als Neueinsteiger im Mobilfunk-Geschäft nicht auf ein eigenes

großes Patentarsenal bauen, um einen Deal auszuhandeln oder zurückzuklagen.

Quelle: dpa