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Auch im brandenburgischen Jänschwalde fördert Vattenfall Kohle.
Auch im brandenburgischen Jänschwalde fördert Vattenfall Kohle.(Foto: picture alliance / dpa)

Welches Kaufangebot? : Greenpeace will Kohle nicht einmal geschenkt

Von Jan Gänger

"Wir haben Interesse, Vattenfalls Braunkohle-Aktivitäten in Deutschland zu kaufen", tönt Greenpeace vollmundig. Kleiner Schönheitsfehler: Es stimmt nicht.

Wie gewinnt man Aufmerksamkeit? Indem man Erstaunliches behauptet und es dabei mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Der Zweck heiligt die Mittel, mag sich auch Greenpeace gedacht haben, als die Umweltschützer vor zwei Wochen die Öffentlichkeit mit einer bemerkenswerten Idee verblüfften. Man erwäge, die von Vattenfall in Sachsen und Brandenburg betriebenen Gruben und der Braunkohle-Kraftwerke zu kaufen, teilte Greenpeace mit. Warum? Um die Braunkohle-Kraftwerke bis 2030 sukzessive abzuschalten und – im Gegensatz zu einem anderen Käufer - keine neuen Tagebaue mehr zu eröffnen.

Zweifel an dieser ambitionierten Idee – schließlich dürfte Übernahme und Abwicklung sehr viel Geld kosten - wischte Greenpeace beiseite. "Wir wollen die Braunkohle kaufen und lassen sie da, wo sie hingehört – in der Erde", versprach die Organisation. Ein nicht unwesentlicher Aspekt wurde allerdings nicht erwähnt: Geld wollen die Umweltschützer für den Deal nicht ausgeben. Und Risiken übernehmen schon gar nicht.

Bei einer in Berlin veranstalteten Pressekonferenz wurde das erst im Verlauf langsam deutlich. Zunächst versicherte Annika Jacobson von Greenpeace Schweden, die Organisation sei in dem Verkaufsprozess "der einzige seriöse Teilnehmer". Doch als auf wiederholte Nachfragen verdutzten Journalisten dämmerte, dass Greenpeace keineswegs vorhat, Geld auszugeben, wuchsen Zweifel an dieser Aussage.

Im Kern sieht der Plan von Greenpeace so aus: Der schwedische Staatskonzern Vattenfall überträgt die deutschen Braunkohleaktivitäten an Greenpeace und verkauft sie nicht an einen Energieanbieter, der kommerzielle Interessen verfolgt. Die Umweltschützer überführen den Firmenzweig in eine Stiftung. Diese wickelt den Tagebau bis 2030 ab und kommt für die Folgekosten auf. Finanziert werden soll das durch einen nicht näher bezifferten Kapitalgrundstock, für den Vattenfall sorgt.

"Steuergeld muss bezahlt werden"

"Wir wollen kein Geld dafür bezahlen, es ist nichts wert", sagte der Chef der Greenpeace-Strom- und Gassparte, Nils Müller. Der Organisation zufolge ist der "wahre Wert" der Vattenfall-Sparte negativ. Greenpeace zieht bei der Bewertung die früher oder später fälligen Folgekosten, wie beispielsweise Renaturierung, Rückbau der Kraftwerke und die Qualifizierung gekündigter Vattenfall-Mitarbeiter, mit ein. Damit liegt der von Greenpeace berechnete Preis bei mehr als minus zwei Milliarden Euro. Dazu komme, dass die Energiegewinnung durch Braunkohle in der Lausitz soziale und ökologische Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe verursache.

Für Vattenfall wäre der vorgeschlagene Deal ein reines Verlustgeschäft. Geld will Greenpeace auch von den Regierungen in Schweden, Deutschland und den beiden Bundesländern Brandenburg und Sachsen. "Steuergeld wird auf jeden Fall bezahlt werden müssen", sagte Jacobson. Ihr Argument: Die Tage des Braunkohleabbaus in der Region seien gezählt, der notwendige Strukturwandel sei unvermeidlich. Es biete sich jetzt eine große Chance, "aus dem schmutzigen Braunkohlegeschäft eine erneuerbare Zukunft für die Lausitz und die Menschen dort zu machen."

Dass diese Vorschläge bei Vattenfall wohl auf wenig Gegenliebe stoßen, weiß auch sie: "Wir brauchen dazu den politischen Willen der schwedischen und der deutschen Regierung", sagte die Präsidentin von Greenpeace Schweden. Vattenfall hatte am 22. September den Verkauf seines deutschen Braunkohlegeschäfts gestartet. Der Energiekonzern ist zu 100 Prozent im Staatsbesitz und soll nach dem Regierungswechsel in Schweden vor rund einem Jahr neu ausgerichtet werden. Dort bilden nun Sozialdemokraten und Grüne eine Minderheitsregierung.

Greenpeace hat einen Plan

Greenpeace wünscht sich, dass die jetzige Vattenfall-Sparte in ein Erneuerbare-Energien-Unternehmen umgewandelt wird. Dazu habe Greenpeace einen transparenten Ausstiegsplan ausgearbeitet und zudem ein Konzept, wie der ohnehin über kurz oder lang notwendige Braunkohle-Ausstieg zu bewältigen wäre.

Das unterscheide Greenpeace von anderen potenziellen Interessenten, versicherte Jacobson. Für Vattenfall wird die Offerte damit nicht unbedingt attraktiver.

Quelle: n-tv.de

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