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Gerhard Gribkowsky, ehemaliger Risikovorstand der BayernLB, hat im Prozess um dubiose Millionenzahlungen von Formel-1-Chef Ecclestone Bestechlichkeit zugegeben.
Gerhard Gribkowsky, ehemaliger Risikovorstand der BayernLB, hat im Prozess um dubiose Millionenzahlungen von Formel-1-Chef Ecclestone Bestechlichkeit zugegeben.(Foto: picture alliance / dpa)

"Gier-Banker" bricht sein Schweigen: Gribkowsky legt Geständnis ab

Dramatische Wende in München: Gerhard Gribkowsky, ehemaliger Vorstand der BayernLB, legt im Prozess um dubiose Millionenzahlungen beim Verkauf von Formel-1-Anteilen ein Geständnis ab. Gribkowsky hatte von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar kassiert – der gefallene Topmanager muss nun lange Zeit hinter Gitter.

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Der frühere Risikochef der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, hat im Prozess um dubiose Millionenzahlungen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone überraschend ein Geständnis abgelegt. Auf die Frage des Richters Peter Noll, ob die Anklage richtig liege, gab Gribkowsky zu: "Es stimmt im Wesentlichen." Das Landgericht München kündigte an, eine Strafe von sieben Jahren und zehn Monaten bis zu neun Jahren verhängen zu wollen.

Gribkowsky muss sich wegen  Bestechlichkeit, Veruntreuung von Bankvermögen und  Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten, weil er beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB vom Chef der  Rennserie, Bernie Ecclestone, 44 Mio. US-Dollar Schmiergeld kassiert haben soll. Der Ex-Top-Manager war von 2003 bis 2008 im Vorstand der Landesbank und als Risikovorstand für die Formel-1-Beteilung zuständig, die der BayernLB nach der Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch als Sicherheit für einen Milliardenkredit zugefallen war.

Der Motorsport-Fan verkaufte das Paket schließlich 2006 an den britischen Investor CVC. Im Zuge des Deals soll er vom langjährigen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Schmiergelder in Millionenhöhe erhalten haben. Das Geld soll in Form von hochdotierten Beraterverträgen geflossen sein, die Gribkowsky der BayernLB verheimlichte. CVC als Miteigentümer war Formel-1-Boss Ecclestone genehm: Er hatte sich zuvor mit Gribkowsky und der BayernLB einen hartnäckigen Kampf um die Kontrolle der Formel 1 geliefert.

Der frühere Top-Banker sagte, er habe sich auf das Ecclestone-Angebot eingelassen, die Beteiligung schnell zu verkaufen und dafür von ihm einen neuen Job als Berater zu bekommen. "Ich mache das. Ich komme zu dir, aber erstmal verkaufen wir", zitierte sich Gribkowsky, der in den Jahren zuvor aus seiner Sicht alle größeren Probleme der BayernLB bis auf die Formel-1-Beteiligung gelöst hatte. Erst später habe er bemerkt, dass er so zwischen die Fronten gerate und mit jeweils einem Bein in beiden Lagern stehe. Zunächst habe er noch gedacht, er könne die Lage im Griff behalten. Es sei aber doch sehr dünnes Eis gewesen. "Das Problem war: Ich kam da nicht mehr raus. Der Deal lief schon."

Millionen für Beraterverträge

Durch die Nebenabsprachen bei dem Verkauf wurden aus den einst erbitterten Feinden Ecclestone und Gribkowsky offenbar Verbündete. Gribkowsky soll das Angebot von CVC in der BayernLB durchgeboxt haben, ohne Alternativen zu prüfen. Dabei soll der Bank ein Schaden von gut 66 Millionen Dollar entstanden sein. Gribkowsky hatte bislang seit Prozessbeginn geschwiegen, die Vorwürfe aber über seine Anwälte zurückgewiesen. Gribkowsky sitzt wegen der Vorwürfe schon seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Weil er vor Gericht so lange zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, haben die Richter bisher mehr als 40 Zeugen vernommen, darunter auch Ecclestone.

Erst nach Ende der Beweisaufnahme suchten Gribkowskys Verteidiger das  Gespräch mit Gericht und Staatsanwaltschaft und verhandelten nochmals im Hinterzimmer über das mögliche Strafmaß. Laut Richter Peter Noll kam es aber zu  keiner Verständigung, weil die Strafvorstellungen der  Verfahrensbeteiligten "sehr weit" auseinander gelegen hätten.

Nach  der gescheiterten Verständigung bot das Gericht dann für das Geständnis die Begrenzung der Strafe auf höchstens neun Jahre an. Gribkowksy habe auch im Fall eines Geständnisses mit einer Haftstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten bis neun Jahren zu rechnen. Gribkowsky gab trotzdem die Erklärung ab. Als Höchststrafe hätten Gribkowsky für die angeklagten Vergehen fünfzehn Jahre Haft gedroht. Bei der letzten Sitzung am vergangenen Freitag hatte die Verteidigung um eine Unterbrechung gebeten, um mit der Staatsanwaltschaft zu sprechen.

Quelle: n-tv.de

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