Wirtschaft
Vor der griechischen Nationalbank.
Vor der griechischen Nationalbank.(Foto: dapd)

Anleihetausch kommt voran: Griechen erreichen Zielmarke

Lichtblick für das finanziell arg gebeutelte Griechenland: Beim geplanten Anleihetausch sind mittlerweile 90 Prozent der Gläubiger dabei. Das entspricht der Zielsetzung der Athener Regierung. IG-Metall-Chef Huber fordert einen Marshallplan für Griechenland. In Athen gibt es weitere Proteste gegen die Sparpolitik des Kabinetts Papandreou.

Griechenland bekommt bei seiner Umschuldung offenbar immer mehr private Gläubiger ins Boot. Die griechische Zeitung "Naftemporiki" berichtete, die Annahmequote für den geplanten Anleihetausch liege inzwischen bei den von der Regierung gewünschten 90 Prozent.

Die Spekulationen über eine Pleite Griechenlands hätten die institutionellen Investoren in den vergangenen Tagen immer mehr verunsichert. Daher sei die Bereitschaft gestiegen, dem Anleihetausch doch zuzustimmen, um nicht noch mehr zu verlieren. Das Blatt berief sich auf einen Vertreter des griechischen Finanzministeriums. Das Ministerium selbst lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.        

Derzeit wird in vielen europäischen Hauptstädten über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF abgestimmt. Um die im Juli vereinbarte Beteiligung privater Gläubiger in Griechenland wird seit Wochen gerungen. Die Gespräche darüber dauern noch an.    

Erst wenn feststeht, wie viele Banken, Versicherer und Fonds sich an dem Anleihetausch beteiligen, will die Regierung in Athen ihr konkretes Umtauschangebot unterbreiten. Ziel ist, von privater Seite die immense Schuldenlast Griechenlands um 37 Milliarden Euro zu senken. Für die Privatwirtschaft geht der Anleihetausch mit Abschreibungen von 21 Prozent einher. In der Branche wird inzwischen allerdings bezweifelt, dass das ausreicht.        

Huber fordert Marshallplan

Berthold Huber fordert einen Schuldenerlass.
Berthold Huber fordert einen Schuldenerlass.(Foto: dapd)

Arbeitgeber und Gewerkschaften warnten vor einem Zögern Deutschlands bei der Euro-Rettung. Die Debatte über Alternativen zum Euro sei "Unfug", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit habe es nur dank des Marshallplans mit internationaler Unterstützung für den Wiederaufbau und eines Schuldenschnitts gegeben. Diese Solidarität sollte nun auch für das von der Pleite bedrohte Griechenland gezeigt werden. "Wir brauchen auch eine Art Marshallplan für Griechenland", forderte Huber. Ebenso notwendig sei ein Schuldenerlass für Athen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte die Politik vor einem "historischen Versagen" in der Euro-Schuldenkrise. Ein Scheitern der Gemeinschaftswährung wäre "brandgefährlich" für Deutschland, sagte Hundt der "Augsburger Allgemeinen". Die Rückkehr zur D-Mark wäre politisch, sozial und wirtschaftlich ein Riesenunglück. Die Wechselkursrisiken wären für die exportorientierten Unternehmen gewaltig. Die deutsche Wirtschaft würde ähnlich stark unter Druck geraten wie die Schweizer Unternehmen durch den Höhenflug des Franken.

Weitere Streiks in Griechenland

In Griechenland gingen unterdessen die Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou weiter. Angestellte öffentlicher Verkehrsbetriebe legten in Athen die Arbeit nieder. Zudem streikten die Mitarbeiter der Kommunen und Beamte des Finanzministeriums. Auch die Taxibetriebe traten in einen 48-stündigen landesweiten Streik. In der griechischen Hauptstadt kam es zu einem Verkehrschaos. Tausende versuchten, mit dem eigenen Wagen zur Arbeit zu kommen.

Es bleibt unruhig in Athen.
Es bleibt unruhig in Athen.(Foto: dpa)

Die Streiks wenden sich gegen drohende Entlassungen im öffentlichen Dienst. Die Beamten des Finanzministeriums protestieren gegen drohende Gehaltskürzungen. Bislang verdienen sie fast doppelt so viel wie Kollegen in anderen Ministerien. Auch die Finanzämter blieben geschlossen.

Die Taxiunternehmer protestierten gegen die Öffnung der Branche. Bislang sind die Taxi-Lizenzen auf etwa 14.000 für Athen und insgesamt etwa 30.000 für ganz Griechenland begrenzt. Eine Lizenz kostete noch vor kurzer Zeit bis zu 150.000 Euro. Mit der von der EU geforderten Öffnung des Berufsstandes kann jeder, der beruflich fahren darf, eine Taxilizenz für etwa 3000 Euro erwerben.

Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen