Wirtschaft

S&P sorgt für helle Aufregung: Griechenland auf Ramschniveau

Die hochverschuldeten Euro-Staaten geraten immer mehr in Bedrängnis. Standard & Poor's (S&P) senkt das Rating für Griechenland von "BBB+" auf "BB+". Auch das Portugal-Rating sinkt; S&P geht von "A+" auf "A-" runter. In Griechenland bricht daraufhin Panik aus; die Athener Börse rutscht auf Jahrestief. Auch Europas Börsen verzeichnen Kursverluste.

"Es ist eine Attacke gegen das Land."
"Es ist eine Attacke gegen das Land."(Foto: dpa)

Die Sorgen um die hoch verschuldeten Länder der Euro-Zone wachsen. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat ihr Rating für griechische Staatsanleihen auf ein Ramschniveau gesenkt. Das Rating werde von bisher "BBB+" auf "BB+" reduziert, teilte S&P mit. Der Ausblick bleibe negativ.

Die Herabstufung reflektiere die politischen, wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Herausforderungen für die griechische Regierung, sagte der zuständige Analyst Marko Mrsnik. Diese erschwerten es, die Schuldenlast wieder auf ein tragbares Niveau zu bringen. Der Schuldenstand des Landes im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte von 124 Prozent im Jahr 2010 auf 131 Prozent im Jahr 2011 steigen.

Auch Portugal ist von einer Herabstufung betroffen. S&P geht mit dem Kreditrating für das südwesteuropäische Land von "A+" auf "A-" runter. Auch hier bleibt der Ausblick für das Rating negativ.

Zu schwaches Wachstum

Bei Griechenland geht S&P nach eigenen Angaben zwar davon aus, das das Land seine Defizitziele im laufenden Jahr erreichen kann. Das hohe Tempo des Vertrauensverlustes habe jedoch Zweifel daran aufkommen lassen, ob die Regierung tatsächlich die geplanten Reformen umsetzen könne, hieß es. Zudem verwies S&P auf das schwache Wirtschaftswachstum. Das reale BIP Griechenlands dürfte bis 2016 nahezu stagnieren. Das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei 13,6 Prozent und soll im laufenden Jahr um vier Prozentpunkte gesenkt werden.

Sollten die beiden anderen Ratingagenturen (Moody's und Fitch) ihre Bewertung für Griechenland auf ein ähnliches Niveau senken, dann würden griechische Anleihen nicht mehr von der Europäischen Zentralbank (EZB) als Sicherheiten akzeptiert. Die EZB hatte auf ihrer Sitzung Anfang Mai beschlossen, Papiere mit mindestens einem "BBB-"-Rating über das Jahr 2010 hinaus zu akzeptieren. Vor der Krise hatte die EZB lediglich Papiere mit einem Rating von mindestens "A-" akzeptiert.

Sender unterbrechen ihr Programm

Unterdessen brach in Griechenland nach dem S&P-Schritt eine regelrechte Panik aus. "Es ist eine Attacke gegen das Land. Etwas muss jetzt dringend geschehen", hieß es in einem Kommentar im staatlichen Fernsehen. Viele Sender unterbrachen sofort ihr Programm und berichteten vom "neuen Schlag gegen die Wirtschaft" des Landes. Die Athener Börse war bereits um sechs Prozent auf ein Jahrestief gefallen (1696,68 Punkte).

Die weitere Abwertung auf Ramsch-Niveau wurde als "unerklärlich" bezeichnet. "Es ist nunmehr ein klar europäisches Thema", sagte der griechische Regierungssprecher Giorgos Petalotis wenige Minuten nach der Abwertung. Es ist das erste Mal, dass der Regierungssprecher in Athen so schnell auf eine Abwertung der griechischen Finanzen reagiert.

"Die Geldeinlagen in Griechenland sind sicher", sagte er. "Die Verhandlungen mit dem IWF und die EU gehen bald zu Ende wir werden bald Unterstützung bekommen, hieß es. "Die Moral in der Regierung ist sehr gut. Wir tun was richtig ist", fügte Petalotis hinzu.

Portugals Regierung muss noch mehr sparen

In Portugal reflektiere "die Herabstufung um zwei Noten die vergrößerten haushaltspolitischen Risiken", sagte der zuständige Länderanalyst Kai Stukenbrock. Der negative Ausblick signalisiere weitere Herabstufungen, falls die Konsolidierung nicht gelinge. Trotz der Reformen der portugiesischen Regierung im öffentlichen Sektor bleibe der Haushalt schwach, schrieb S&P. Die portugiesische Regierung müsse daher Sparmaßnahmen ergreifen, die über die bisher getroffenen Maßnahmen hinausgingen.

Unter starkem Druck: Regierungschef Jose Socrates.
Unter starkem Druck: Regierungschef Jose Socrates.(Foto: REUTERS)

Zudem blieben die Aussichten für das Wirtschaftswachstum düster. Die portugiesische Wirtschaft werde im laufenden Jahr trotz der weltweiten Konjunkturerholung stagnieren. Auch das Wachstumspotenzial werde gering bleiben. Die Minderheitsregierung könnte zudem Schwierigkeiten haben, die angestrebten Reformen umzusetzen.

Portugal will sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Jahr 2009 auf 8,5 Prozent im laufenden Jahr vermindern. Das Defizit liegt damit niedriger als im krisengeschüttelten Griechenland. Dort hatte es 2009 bei 13,6 Prozent gelegen. Die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen sind nach Griechenland die höchsten im Euroraum. Die Rendite für portugiesische Anleihen lag bei 5,519 Prozent. Entsprechende deutsche Anleihen rentierten mit lediglich 2,957 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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