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Rückkehr an den Kapitalmarkt: Griechenland will Geld einsammeln

Nach Jahren am Tropf internationaler Hilfen kehrt Griechenland auf die mittelfristigen Kapitalmärkte zurück und gibt eine über fünf Jahre laufende Staatsanleihe aus. Wieviel Geld eingenommen werden soll, verrät Athen nicht. Trotzdem steigt die Aufregung am Markt.

Vier Jahre nach dem ersten Hilferuf an die Europartner kehrt Griechenland mit längerfristigen Staatsanleihen an den Kapitalmarkt zurück. Wie das Athener Finanzministerium mitteilte, wurden internationale Banken beauftragt, die Ausgabe einer Staatsanleihe mit fünfjähriger Laufzeit vorzubereiten. Eine Summe wurde aber zunächst nicht genannt. Die Emission stehe unmittelbar bevor, hieß es lediglich. Die Anleihe solle "in Euro und unter britischem Recht" ausgegeben werden.

Griechenland wagt sich wieder ein Stück weiter vor auf dem Parkett.
Griechenland wagt sich wieder ein Stück weiter vor auf dem Parkett.(Foto: dpa)

Aus Finanzkreisen verlautete, Athen strebt ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro an. Das Interesse der Anleger sei sehr groß, die Nachfrage liege bereits bei über elf Milliarden Euro, sagte ein Manager aus dem Kreise der Konsortialbanken, die die Emission begleiten. Zudem hoffe die Regierung, die Investoren nicht mit einer höheren Rendite als 5,0 bis 5,25 Prozent ködern zu müssen.

Die Zeichnung der mit Spannung erwarteten Anleihe solle ab Donnerstag erfolgen. Kreisen zufolge wird die Aufnahme am Markt wohl nur Frage von Stunden sein. Als Konsortialführer sollen neben der Deutschen Bank und JP Morgan Chase die Bank of America-Merrill Lynch, Goldman Sachs, HSBC und Morgan Stanley fungieren. Es ist der erste Verkauf einer länger laufenden Staatsanleihe, seitdem das Euro-Krisenland 2010 mit milliardenschweren Krediten vor der Pleite bewahrt wurde.

Günstige Gelegenheit

Die Entspannung in der Euro-Schuldenkrise und an den Finanzmärkten spielt Athen in die Hände, sich wieder eigenständig an die Finanzmärkte zu wagen. Die Investoren reißen sich derzeit um bereits vor Jahren ausgegebene griechische Staatsanleihen. Die Rendite für richtungsweisende zehnjährige Staatstitel fiel in den vergangenen Tagen auf etwas mehr als sechs Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit 2010, was die hohe Nachfrage widerspiegelt. Damals war Athen immer tiefer in die Schuldenkrise gerutscht, die Finanzmärkte verloren das Vertrauen, die Zinsen für die Schuldenaufnahme stiegen zeitweise auf mehr als 30 Prozent und waren damit für das Land nicht mehr zu stemmen.

"Die Rückkehr des Landes an den Primärmarkt ist kein Wunder angesichts des günstigen Umfelds für Schuldenpapiere aus der Peripherie der Eurozone", sagt Annalisa Piazza von Newedge. Die Kreditmärkte dürften aber dennoch zunächst vorsichtig bleiben. So habe die OECD erst jüngst gewarnt, dass das Wirtschaftswachstum Griechenlands noch nicht ausreichend stark sei.

Das zweite internationale Milliardenhilfsprogramm für Griechenland läuft noch bis Jahresende. Erst Anfang des Monats hatte die Eurogruppe eine weitere Kreditrate freigegeben. Zuvor waren die Hilfsmilliarden aufgrund schleppender Reformanstrengungen der Regierung in Athen monatelang blockiert gewesen.

Proteste halten an

Griechenland profitiert davon, dass Anleger im Zuge der strafferen US-Geldpolitik Geld im großen Stil aus Schwellenländern abziehen. Allein Russland verlor im ersten Quartal mehr als 50 Milliarden Dollar. Da Anleihen mit erstklassiger Bonität - wie etwa von Deutschland - nur sehr niedrige Zinsen abwerfen, haben Investoren die Euro-Krisenländer wiederentdeckt - zumal diese auch konjunkturell Fortschritte machen. So wuchs die griechische Produktion im Februar mit 1,7 Prozent bereits den dritten Monat in Folge. Einen so langen Aufwärtstrend gab es seit 2007 nicht mehr. Auch der erfolgreiche Umbau des Bankensystems bahne den Weg zur einer erfolgreichen Rückkehr an den Kapitalmarkt, sagte Zentralbankchef Giorgos Provopoulos der Agentur Bloomberg

Allerdings bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Griechen schwierig. Mit einem landesweiten Streik stemmten sich am Mittwoch viele Arbeitnehmer gegen das harte Sparprogramm. Schulen und Apotheken blieben geschlossen, Schiffe in den Häfen. In Athen kam der Nahverkehr zum Erliegen. In den Krankenhäusern gab es nur eine Notbesetzung. "Wir streiken und kämpfen, um die Sparmaßnahmen zu beenden", erklärte die Gewerkschaft GSEE. Der Streik richte sich auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die von Ministerpräsident Antonis Samaras am Freitag empfangen wird. Mehr als 20.000 Menschen zogen friedlich durch Athen. "EU, IWF - nehmt die Hilfen und verschwindet von hier", riefen sie. Griechenland wird seit 2010 mit zwei Hilfspaketen über rund 240 Milliarden Euro über Wasser gehalten.

Italien, Spanien profitieren mit

Vom unmittelbar bevorstehenden Bond-Comeback Griechenlands profitierten auch italienische und spanische Anleihen, deren Renditen im zehnjährigen Bereich weiter nachgaben, der Hauptrichtwert gilt. So rentierten die Staatspapiere aus Rom mit 3,19 Prozent etwas niedriger als am Dienstagabend. Die Rendite des spanischen Pendants lag bei 3,19 nach 3,21 Prozent am Vorabend. Auch die griechischen Papiere waren gesucht, so dass der Zins auf 6,16 von 6,18 Prozent sank. Zum Vergleich: Die deutsche Bundesanleihe liegt bei knapp 1,6 Prozent.

Das ebenfalls von der Finanzkrise gebeutelte Zypern plant Präsident Nikos Anastasiades zufolge Ende 2015 eine Rückkehr an die internationalen Kapitalmärkte. Dies sei ein sehr zügiger Schritt verglichen mit anderen Ländern, die Finanzhilfen erhalten hätten, sagte Anastasiades. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass bereits zuvor die Marktchancen ausgelotet würden. Noch vor einem Jahr stand das Euro-Land kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Seit Mai 2011 hat es massive Probleme an den Kapitalmärkten, weil die Renditen für seine Staatsanleihen schnell anstiegen. Im März 2013 lagen sie bei fast 15 Prozent. Nach Reuters-Eikon-Daten fielen sie zuletzt jedoch auf gut fünf Prozent.

Hier geht es zur neuen Telebörse-Übersicht über den Anleihenmarkt, inklusive Benchmark-Anleihen (unten)

Quelle: n-tv.de

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