Wirtschaft
Unkonventionell ist nicht nur, wie der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis sich fortbewegt.
Unkonventionell ist nicht nur, wie der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis sich fortbewegt.(Foto: picture alliance / dpa)

Athen schiebt Pleite kurzfristig auf: Griechenland zahlte IWF-Rate mit IWF-Geld

Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands wurde bereits mehrfach prophezeit. Doch bisher begleicht Athen alle fälligen Kreditraten pünktlich. Jetzt berichten Insider: Mit normalen Mitteln ist dies längst nicht mehr möglich.

Die Anstrengungen Griechenlands, den Bankrott abzuwenden, werden immer abenteuerlicher. Für die jüngste Überweisung einer Kreditrate von 750 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) griff die Athener Regierung einem Bericht zufolge auf die Reserven des Landes eben dort zurück. Das sagten zwei Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Da diese Reserven innerhalb kurzer Zeit wieder eingezahlt werden müssen, handelt es sich lediglich um einen kurzfristigen Aufschub der Zahlungsverpflichtung.

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Am Montag hatte die Regierung 750 Millionen Euro an den IWF zurückgezahlt. Den Angaben zufolge kamen 650 Millionen Euro davon von einem Konto des Landes beim IWF. Ein Regierungsvertreter sagte, das IWF-Konto müsse "binnen einiger Wochen" wieder aufgefüllt werden. Ein Zugriff auf dieses Konto ist nur mit Zustimmung des Fonds möglich, die offenbar gegeben wurde.

Vor der Zahlung waren Zweifel aufgekommen, ob die Regierung genug Geld aufbringen kann. IWF-Mitgliedsländer unterhalten bei dem Fonds zwei Konten: Auf einem sind die Anteile des Landes am IWF geparkt, das zweite ist für Notfälle gedacht. "Wir haben auf das Notfallkonto zugegriffen", sagte ein Regierungsvertreter. Zudem habe die Regierung 100 Millionen Euro aus ihren Barreserven mobilisiert.

600 Millionen aus Zwangseinlagen

Auch Barmittel für laufende Ausgaben kann Athen nicht mehr durch Einnahmen oder Schuldenaufnahmen am Kapitalmarkt decken. Ein Sprecher erklärte jetzt, die Regierung habe bei verschiedenen staatlichen Verwaltungsstellen und Behörden rund 600 Millionen Euro zur Finanzierung der laufenden Verpflichtungen eingetrieben. Bis Montag hätten etwa Regionalregierungen 64,5 Millionen Euro überwiesen und andere staatlichen Einrichtungen weitere 535,8 Millionen Euro, erklärte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis.

Erst vor kurzem hatte die Regierung die Kommunen, Behörden und etwa auch die Kassen der Sozialversicherung aufgefordert, Barreserven an die griechische Zentralbank weiterzuleiten. Die Zentralbank überlässt dieses Geld kurzfristig der Regierung.

Dieses Anzapfen unter anderem der Sozialkassen ist auch in Griechenland selbst heftig umstritten. Die Vorstände einiger Rentenkassen und staatlich kontrollierter Unternehmen weigerten sich zunächst, ihre Geldeinlagen für sogenannte Rückkaufvereinbarungen an den Staat zu überweisen.

Quelle: n-tv.de

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