Wirtschaft
Einer der beliebtesten Stadtteile Londons: Notting Hill.
Einer der beliebtesten Stadtteile Londons: Notting Hill.(Foto: REUTERS)

Preisexplosion auf der Insel: Großbritannien fürchtet Immobilienblase

Von Jan Gänger

In Großbritannien scheinen Mieten und Immobilienpreise kein Limit zu kennen. In London werden für Absteigen horrende Preise verlangt - und bezahlt. Die Notenbank wird langsam nervös.

Das nennt man wohl Understatement. "Der Häusermarkt ist ein altes und sehr bekanntes Problem für die britische Wirtschaft", sagt Schatzkanzler George Osborne. "Ich möchte sicherstellen, dass die Bank of England alle Werkzeuge hat, die sie benötigt, um Gefahren auf dem Häusermarkt zu bannen."

Währenddessen schrillen die Alarmglocken. Die Immobilienpreise steigen unaufhaltsam. Im vergangenen Jahr legten sie landesweit im Schnitt um mehr als elf Prozent zu. Neuesten Zahlen zufolge kletterten sie im April auf Jahressicht um knapp zehn Prozent und damit so stark wie seit Juni 2010 nicht mehr. In London stiegen sie um fast 19 Prozent.

Damit wächst die Angst vor einem schuldenfinanzierten Boom und einer Preisblase, die irgendwann platzen wird - mit unabsehbaren Folgen. Böse Erinnerungen werden wach: Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und das Bankenbeben begannen damit, dass in den USA der kreditfinanzierte Häusermarkt plötzlich einbrach. Als der spanische Immobilienboom endete, rutschte das Land in Richtung Pleite.

So weit ist es in Großbritannien nicht. Doch die Notenbank fürchtet, dass sich die Briten zu große Schulden aufladen. Sollten die Hypothekenzinsen ansteigen oder die Preise einbrechen, könnten erst die Kreditnehmer und dann ihre Banken unter die Räder geraten. Das Problem sind nicht die Häuser, sondern die Kredite, die dahinterstehen. Oder wie es Notenbankchef Mark Carney formuliert: "Der Häusermarkt stellt das größte inländische Risiko für die Stabilität der britischen Wirtschaft und des Finanzsystems dar."

Die Wahlen im Blick

Abhilfe sollen schärfere Auflagen bei der Vergabe von Hypothekendarlehen schaffen. Die haben am kräftigen Preisanstieg bisher allerdings nichts geändert. Auch die Bautätigkeit boomt auf der Insel munter weiter. Die Bank of England erwägt, weitere Schritte zu unternehmen, um eine Überhitzung des Immobilienmarktes zu verhindern. So kann sie etwa Grenzen festlegen, wie hoch sie Hauskäufer verschulden dürfen. Mit der Lloyds Banking Group hat ein Geldinstitut bereits erklärt, dass sie Käufern in London Kredite nur noch bis zum Vierfachen des Jahresgehalt gewähren wird, wenn diese mehr als 500.000 Pfund (umgerechnet 624.000 Euro) für den Hauskauf leihen wollen. Im Mai lag der durchschnittliche Häuserpreis bei knapp 185.000 Pfund, in London bei 460.000 Pfund.

Die EU-Kommission drängt die britische Regierung zu einem radikalerem Schritt. Sie empfiehlt, dass das "Help-to-Buy"-Programm reduziert wird. Damit wird Hauskäufern ermöglicht, mit wenig Eigenkapital große Hypotheken aufzunehmen. Premier David Cameron will das Programm aber keinesfalls stutzen. Er bezeichnet es als wichtigen Teil seiner Wirtschaftspolitik. Außerdem wird in Großbritannien nächstes Jahr gewählt. Zerplatzte Immobilienträume kommen Cameron deshalb äußerst ungelegen.

Quelle: n-tv.de

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