Wirtschaft
RBS wird über Jahre eine Baustelle bleiben.
RBS wird über Jahre eine Baustelle bleiben.(Foto: REUTERS)

Hedgefonds greifen günstig zu: Großbritannien pokert mit Bank-Anteilen

Die Krise der Royal Bank of Scotland ist für den britischen Staat ein Schrecken ohne Ende. Anteile der verstaatlichten Bank werden mit Milliardenverlusten für den Steuerzahler verkauft. Ganz los wird die Regierung das Geldhaus so schnell aber nicht.

Mit dem Verkaufsstart von Anteilen an der krisengeschüttelten Großbank RBS versucht Großbritanniens Finanzminister George Osborne, die Reste den Scherbenhaufen aufzukehren, den die Finanzkrise von 2008 am Finanzplatz London verursacht hat. Der hochverschuldete britische Staat, nach wie vor weit jenseits der Maastricht-Kriterien, will damit 2,1 Milliarden Pfund (rund drei Milliarden Euro) einnehmen.

Wie schon häufiger geht die Regierung von Premierminister David Cameron aber auch mit diesem Coup ein hohes Risiko ein. Geht der Plan nicht auf, den Aktienkurs mit der Aktion zu beflügeln, muss der britische Steuerzahler Milliarden draufzahlen.

Die Royal Bank of Scotland war die größte Rettungsaktion einer einzelnen Bank in der Finanzkrise weltweit. Das Institut hatte sich an der Übernahme der ABN Amro verhoben, die Regulierungsbehörden attestierten dem Bankhaus später zudem katastrophale interne Prüfstrukturen und eine viel zu geringe Kernkapitalquote.

Über 45 Milliarden Pfund pumpte die Regierung des Labour-Premierministers Gordon Brown in das damals drittgrößte Finanzhaus Europas, um es vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Der Staat übernahm über seine Finanzholding UK Financial Investments Ltd. (UKFI) rund 80 Prozent der Anteile - de facto eine Verstaatlichung und viel mehr, als bei der ebenfalls staatlich gestützten Lloyds Banking Group.

Vorzeigebank war völlig marode

Im Laufe der vergangenen sieben Jahre im Staatsbesitz stellte sich heraus, wie marode die Bank und ihre Moral eigentlich war. Nicht nur, dass Königin Elizabeth II. dem früheren Vorstandschef Fred Goodwin die Ritterwürde aberkannte - die Bank musste auch Milliardenbeträge an Strafzahlungen berappen. Etwa für Kreditausfallversicherungen, die Kunden illegal aufgeschwatzt worden waren. Allein 670 Millionen Dollar wurden fällig, weil RBS-Händler den Libor-Zinssatz manipuliert hatten und damit für einen der größten Bankenskandale in der Geschichte der britischen Finanzindustrie sorgten.

Was der Royal Bank of Scotland blieb, waren der Abbau Zehntausender Arbeitsplätze, die Reduzierung der Bilanzsumme um fast eine Billion Pfund - und ein Berg von Schulden. Um diese abzubauen, übte der Staat in den vergangenen Jahren massiven Druck auf das Bankhaus aus. RBS wurde zur Gründung einer Badbank gedrängt, in der Giftpapiere im Wert von 36 Milliarden Pfund geparkt werden sollen, außerdem musste die Bank das hochspekulative Investmentbanking stark eindämmen.

"Stärker, einfacher, schlanker" soll die Bank werden, lautet nun das Motto des neuen Vorstandschefs Ross McEwan. Dazu sei der Köder eines 5,4-Prozent-Pakets der richtige Schritt. Ob die Richtung auch für den Steuerzahler passt, wird sich zeigen. Die Regierung verkaufte das erste Paket zu einem Preis, der mit 330 Pence pro Aktie einen Tiefstand für 2015 bedeutet und noch sieben Pence unter dem Schlusskurs von Montagabend liegt.

Eine Milliarde Pfund Verlust

Finanzminister Osborne muss sich damit nach dem sehr günstigen Verkauf von Anteilen am Postanbieter Royal Mail erneut den Vorwurf gefallen lassen, seine "Freunde" in der Finanzindustrie mit einem niedrigen Verkaufskurs bedient zu haben. 60 Prozent der Käufer sind nach Darstellung des "Guardian" Hedgefonds, die meisten davon aus den USA. Im Vergleich zum Kaufpreis von durchschnittlich 502 Pence pro RBS-Aktie im Jahr 2007 hat der Steuerzahler ein Minus von gut einer Milliarde Pfund gemacht.

Nach Meinung von Analysten scheint es die Taktik der Regierung zu sein, den Appetit der Märkte mit einem ersten günstigen Angebot zu steigern und so den Aktienkurs für spätere Verkäufe weiterer Tranchen zu treiben. Schließlich hält der Staat noch immer 73 Prozent und damit weit mehr als zwei Drittel an RBS.

Kritiker werfen Osborne schlechtes Timing und nicht zuletzt politische Motive für den Schritt zum jetzigen Zeitpunkt vor. Im Februar hatte der Aktienkurs noch bei 400 Pence gelegen - der Staat hätte deutlich mehr erlösen können. "Wir haben über Nacht eine Milliarde Pfund verloren - damit hätte man viele Sozialkosten bezahlen können", sagte die Labour-Finanzexpertin Barbara Keeley mit Blick auf die viel diskutierten Kürzungen der Cameron-Regierung im Sozialetat.

Beobachter sind sich einig: Die Reprivatisierung der RBS wird für viel mehr Diskussionen sorgen, als die vergleichsweise einfache Rückführung der Staatsanteile an der Lloyds Banking Group. Experten sprechen von bis zu zehn Jahren.

Quelle: n-tv.de

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