Wirtschaft
Politiker und Aktivisten in Griechenland fordern vehement einen massiven Schuldenerlass. Tatsächlich wirken die Kreditbedingungen schon wie ein Erlass um mehr als 50 Prozent.
Politiker und Aktivisten in Griechenland fordern vehement einen massiven Schuldenerlass. Tatsächlich wirken die Kreditbedingungen schon wie ein Erlass um mehr als 50 Prozent.(Foto: picture alliance / dpa)

Schuldenerlass findet längst statt: Günstige Kreditbedingungen für Athen

Griechenlands Schulden werden bald mehr als das Doppelte der Wirtschaftsleistung betragen. Untragbar, heißt es immer wieder. Tatsächlich ist die Last für Athen aber viel geringer, als die hohen Zahlen vermuten lassen, errechnen Wissenschaftler.

Die günstigen Kreditbedingungen für Griechenland wirken wirtschaftlich wie ein Schuldenschnitt um mehr als die Hälfte. Das haben zwei Forscher vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel ausgerechnet. "Der Schuldenerlass, über den in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wird, findet daher längst statt", heißt es in einem Aufsatz der Wissenschaftler Salomon Fiedler und Stefan Kooths, der  in der Fachzeitschrift "Wirtschaftsdienst" veröffentlicht wurde. 

Die beiden größten Kreditpositionen Griechenlands sind die Kredite des europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus EFSM und die Kredite der Eurostaaten. Beide zusammen haben Griechenland nominal 184 Milliarden Euro geliehen. Weil dieses Geld aber teilweise erst bis 2054 zurückgezahlt werden muss, schwach verzinst wird und in dieser Zeit nicht für andere Investitionen zur Verfügung steht, ist es aus heutiger Sicht nur 87 Milliarden Euro wert.

"Bei gängigen Annahmen beträgt der Gegenwartswert der Schuldenrückzahlungen weniger als die Hälfte der gewährten Kredite", erklärten die Ökonomen des IfW in ihrer Analyse, für die sie einen durchschnittlichen Kreditzins von 1,5 Prozent und eine Diskontrate von 5 Prozent für den entgangenen Nutzen durch eine alternative Verwendung des Kapitals unterstellen. Sollte die Zahlung noch weiter aufgeschoben werden, wie es der IWF ins Spiel gebracht hat, würde sich der Gegenwartswert der Schulden auf 64 oder sogar 55 Milliarden Euro verringern, so die Ökonomen.

Kooths erklärte, die Entscheidung zwischen einem sofortigen Schuldenschnitt und einer weiteren Lockerung der Konditionen möge "aus der fiskalischen Warte der Geberländer als ökonomisch äquivalent erscheinen". Denn damit könnten die Geberländer den Reformdruck aufrechterhalten. "Eine Garantie für den Erfolg der Reformpolitik ist dies indes nicht", hob der Ökonom aber hervor. Der deutsche Anteil an den griechischen Schulden beträgt 27 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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