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2106 Bankkunden aus Deutschland: HSBC half Kriminellen bei Steuerhinterziehung

Ob Blutdiamanten oder 9/11 - der Schweizer Ableger der HSBC-Bank unterstützte Kriminelle und Terrorismus-Finanzierer offenbar dabei, ihre Vermögen zu verstecken. Die Dokumente führen auch Tausende deutsche Kunden und deren Geschäfte auf. "Ein Jahrhundertfund", sagt ein Ex-Steuerfahnder.

Der internationale Rechercheverband ICIJ hat erneut Daten zur Steuerhinterziehung veröffentlicht und diesmal den Schweizer Ableger der britischen Großbank HSBC ins Visier genommen. Demnach half der Schweizer HSBC-Ableger zahlreichen internationalen Persönlichkeiten und Politikern dabei, mehrere Millionen Euro vor dem Fiskus zu verstecken. Über die "Swissleaks" berichteten deutsche und internationale Medien, darunter die "Süddeutsche Zeitung" und die ARD.

Wie das Recherchenetzwerk mitteilte, legten internationale Kunden bei der Bank Milliardenbeträge an, davon offenbar vielfach als Schwarzgeld. Den ausgewerteten Kontendaten nach lagerten 2007 dort mehr als 75 Milliarden Euro. In den Daten sind mehr als 100.000 Kunden aus über 200 Ländern gelistet.

HSBC habe unter anderem von "Geschäften mit Waffenhändlern profitiert", die Mörserbomben an Kindersoldaten in Afrika geschickt hätten, erklärte das Netzwerk. Andere kriminelle Partner seien "Schmuggler von Blutdiamanten" und Terrorismus-Finanzierer gewesen, die auch in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt waren.

Aus Deutschland tauchen der ARD zufolge 2106 Kunden mit einem Gesamtguthaben von rund drei Milliarden Euro in den Dokumenten auf. Zu den deutschen Kontobesitzern zählen demnach Industriellen-Familien, Geschäftsleute und Adelsfamilien ebenso wie Profisportler und Politiker. Bei vielen gebe es starke Indizien dafür, dass die Konten den Finanzämtern nicht bekannt gewesen sind.

Briefkastenfirmen und Nummernkonten

Ein Spitzenmanager habe etwa kurz vor Weihnachten 2005 eine große Bargeldsumme in Genf abgeholt und bei der Bank veranlasst, dass seine Post nicht nach Deutschland geschickt wird. Auch eine Adelige, die zum damaligen Zeitpunkt einer gemeinnützigen Stiftung vorstand, habe die Post zu ihrem Millionen-Guthaben nicht nach Hause bekommen wollen. Eine Reitsportlerin verwaltete den Angaben zufolge ein Guthaben von fast zehn Millionen US-Dollar über eine Briefkastenfirma in den Bahamas.

229 Offshore-Briefkastenfirmen, die aus Deutschland gesteuert werden, seien in den Daten verzeichnet, heißt es bei der ARD, dazu 740 sogenannte Nummernkonten, die ohne Namen geführt würden. Viele Indizien für Steuerhinterziehung finden sich demzufolge auch bei den deutschen Kunden wieder. Dokumente in dieser Qualität seien "ein "Jahrhundertfund", wie die ARD einen ehemaligen deutschen Steuerfahnder zitiert.

Die Dokumente stammen vom früheren HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani. Er hatte sie entwendet und 2009 an die französischen Steuerbehörden übergeben. Andere Länder, darunter auch Deutschland, bekamen Unterlagen, um ebenfalls zu ermitteln. Der Datensatz umfasst die Jahre 1988 bis 2007 und stammt aus der Genfer Filiale der HSBC. Zunächst erhielt die französische Zeitung "Le Monde" die Angaben, die sie wiederum dem Recherchenetzwerk zur Verfügung stellte.

HSBC sieht "Kontrollversagen"

Involviert in die dubiosen Geschäfte ist den Enthüllungen zufolge auch eine Reihe von amtierenden und früheren Politikern aus Großbritannien, Russland, Indien und aus afrikanischen Ländern sowie von Königshäusern arabischer Staaten. Zu den betroffenen Persönlichkeiten gehören den Angaben zufolge unter anderem ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sowie Verwandte des früheren ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak und des ehemaligen chinesischen Ministerpräsidenten Li Peng.

Die HSBC räumte dem Netzwerk zufolge ein, dass sie "verantwortlich" sei für das "Kontrollversagen in der Vergangenheit". Die Schweizer HSBC habe "zu viele Hochrisiko-Konten" geführt. Das Privatkundengeschäft sei neu geordnet worden, die Bank habe sich seit 2007 von rund 70 Prozent ihrer Kunden getrennt.

Quelle: n-tv.de

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