Wirtschaft
Hoffnungsträger: Das HTC One M9.
Hoffnungsträger: Das HTC One M9.(Foto: REUTERS)

Kurssturz nach trübem Ausblick: HTC ist weniger wert als eigenes Bargeld

Glaubt man der Einschätzung der Börse, ist der Smartphone-Hersteller HTC nichts wert. So hart dieses Urteil der Investoren auch ist: HTC steckt offensichtlich in ganz großen Schwierigkeiten.

Beim Smartphone-Hersteller HTC laufen die Geschäfte mies. Der Aktienkurs ist deshalb mittlerweile so niedrig, dass das gesamte Unternehmen an der Börse weniger wert ist als die Bargeldreserven. In Zahlen ausgedrückt: Nachdem die Aktie zum Wochenstart erneut um knapp neun Prozent einbrach, betrug die Marktkapitalisierung (Börsenkurs multipliziert mit der Anzahl der Aktien) Bloomberg zufolge lediglich 47 Milliarden Taiwan-Dollar - das sind umgerechnet 1,5 Milliarden US-Dollar. Die Cash-Reserven liegen demnach knapp darüber.

Das heißt im Grunde: Die Fabriken, die Patente, die Marke sind in den Augen der Börse nichts wert. Das erscheint bizarr, schließlich kommt HTC bei Smartphones alleine in den USA auf einen Marktanteil von immerhin 3,4 Prozent. Das Modell One M8 erhielt gute Kritiken. Auch das Nachfolgemodell M9 wurde in Tests gelobt, riss die Fach-Journalisten aber nicht vom Hocker.

Warum diese überaus niedrige Bewertung? Am Freitag hatte HTC die Börse mit einem pessimistischen Ausblick überrascht und angekündigt, auch im laufenden dritten Quartal rote Zahlen zu schreiben. Außerdem präsentierte das Unternehmen einen schwachen Umsatzausblick: Lag er im zweiten Quartal noch bei umgerechnet 33 Milliarden Dollar, werden es im dritten Quartal höchstens 22 Milliarden sein. Die Aktie stürzte daraufhin um rund zehn Prozent ab. Und dieser Kurssturz setzte sich am Montag fort.

Das größte Problem: HTC verdient mit seinen Smartphones kaum Geld. Der "Business Insider" schätzt, dass bei jedem verkauften Gerät in etwa so viel erwirtschaftet wird wie beim Konkurrenten LG aus Südkorea – und das ist außerordentlich wenig. Nur 1,2 US-Cent verdiente LG pro Smartphone im zweiten Quartal.

Das liegt am harten Wettbewerb bei Smartphones mit Googles Betriebssystem Android. Vor einigen Jahren war HTC noch einer der Top-Bieter, doch die Zeiten haben sich geändert. Die chinesische Konkurrenz wie Huawei und Xiaomi und Südkoreas Samsung setzten HTC zu, auf dem Markt herrscht ein erbitterter Preiskampf. Außerdem gibt es eine schier unüberschaubare Anzahl von Android-Smartphones zu kaufen, alleine HTC bietet mehr als zwei Dutzend verschiedene Modelle an.

In den Worten des Managements hat HTC mit einem "schwierigen und gesättigten Markt" zu tun. Es deutet wenig darauf hin, dass sich daran in Kürze etwas ändert.

Quelle: n-tv.de

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