Untersuchungen eingeleitetHändler treibt Ölpreis hoch
Mit unerlaubten Transaktionen hat ein einzelner Händler an der Londoner Börse den Ölpreis auf den höchsten Stand seit acht Monaten getrieben und damit die Anfälligkeit der Börse für Preismanipulationen deutlich gemacht.
Mit unerlaubten Transaktionen hat ein einzelner Händler an der Londoner Börse den Ölpreis auf den höchsten Stand seit acht Monaten getrieben und damit die Anfälligkeit der Börse für Preismanipulationen deutlich gemacht. Der Londoner Ölmarkt ICE Futures Europe teilte mit, er habe eine Untersuchung wegen unerlaubter Transaktionen in der Nacht zu Dienstag eingeleitet. Diese hatten den Preis pro Barrel Öl um gut zwei Dollar auf 73,50 Dollar steigen lassen.
Ungewöhnliche Preisentwicklungen zögen automatisch eine solche Untersuchung nach sich, erklärte der Chef der Ölbörse, David Peniket. Das Londoner Börsenmaklerbüro PVM Oil hatte erklärt, am Dienstag "Opfer nicht genehmigter Transaktionen" geworden zu sein.
Der Chef von PVM Oil, Robin Bieber, erklärte, durch die unerlaubten Geschäfte seien große Mengen Öl in den Besitz seiner Firma übergegangen. Die Transaktionen seien gestoppt worden, dennoch habe sein Unternehmen einen Verlust von etwas weniger als zehn Mio. Dollar erlitten. Auch PVM Oil selbst leitete wegen des Vorfalls eine Untersuchung ein.
Eigenmächtiges Handeln
Laut "Financial Times" waren in der Nacht zu Dienstag in einer Zeit, in der es sonst ruhig an der Londoner Öl-Börse ist, 16 Mio. Barrel Öl gekauft worden. Dies entspricht der doppelten Tagesfördermenge Saudi-Arabiens. Die Kaufmenge kam zustande, weil zunächst der eigenmächtig agierende PVM-Händler große Mengen Öl kaufte und dann andere Händler seiner Vorgabe folgten. Die Identität des PVM-Händlers ist laut "FT" bekannt. Welche Absichten er mit seinem Alleingang verfolgte, blieb jedoch unklar.
Die britische Finanzaufsicht FSA wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, ob auch sie den Fall untersuche. Einige Fachleute sehen in dem Vorfall einen Beweis dafür, dass der Börsenhandel stärker reguliert werden muss. "Diese illegale Transaktion zeigt gut, wie leicht es ist, den Markt zu beeinflussen, wenn das Handelsvolumen insgesamt gering ist", sagte Manoj Ladwa, Analyst von ETX Capital. Der Preisabsturz nach dem Acht-Monats-Hoch sei dadurch verursacht worden, dass PVM die unerlaubten Geschäfte gestoppt habe.
Vergleich mit Kerviel hinkt
Auch der Börsenspezialist John Hall bescheinigte der Börse, "anfällig für Manipulationen" zu sein. Der Petromatrix-Analyst Olivier Jakob widersprach jedoch der Einschätzung, dass die Börsenregulierung versagt habe. Die unerlaubten Transaktionen seien "sehr schnell" unterbunden worden, sagte er.
Nach möglichen Parallelen zum Fall des französischen Börsenmaklers Jérome Kerviel befragt, der bei der französischen Großbank Société Générale mit eigenmächtigen Geschäften 4,91 Milliarden Euro verspekuliert hatte, sagte Jakob, der Vorfall an der Londoner Börse habe nur ein paar Stunden gedauert. Kerviel habe hingegen über Monate Verluste angehäuft.