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Warnstreik am Morgen: Die Behinderungen hielten sich in Grenzen.
Warnstreik am Morgen: Die Behinderungen hielten sich in Grenzen.(Foto: dpa)

"Niemand hat etwas zu verteilen": Hamburg droht neuer Airport-Streik

Ein kurzfristig anberaumter Warnstreik löst an Deutschlands nördlichstem Großflughafen Behinderungen aus: In Hamburg legt ein Teil des Service-Personals am Morgen die Arbeit nieder. Flüge fallen nicht aus, doch die Fronten sind verhärtet. Falls es keine Einigung gibt, müssen Flugreisende mit neuen Streikaktionen rechnen.

Die Gewerkschaft Verdi hat am Morgen Beschäftigte der Abfertigungsgesellschaft AHS am Hamburger Flughafen ohne Vorankündigung zum Warnstreik aufgerufen. Reisende, die einen Flug ab oder nach Hamburg geplant hatten, mussten sich auf Verzögerungen und Flugausfälle einstellen. Gestreikt werden sollte im Zeitraum von 4.00 bis 8.00 Uhr. Die Gewerkschaft wollte damit den Forderungen nach höheren Stundenlöhnen Nachdruck verleihen. An dem Warnstreik beteiligten sich der Gewerkschaft zufolge rund 50 Beschäftigte.

Wegen des Streiks sei es in Einzelfällen zu Verspätungen von bis zu eineinhalb Stunden gekommen, teilte eine Sprecherin des Flughafens auf Anfrage mit. Der Warnstreik habe vor allem die morgendlichen Vorbereitungen betroffen. Am Hamburger Airport startet der Flugbetrieb erst ab 6.00 Uhr. Insgesamt blieben die Folgen überschaubar: Zu den befürchteten streikbedingte Flugausfällen kam es nicht. Allerdings blieben am Morgen zahlreiche Schalter zunächst geschlossen. Bei der Passagierabfertigung bildeten sich daraufhin lange Schlangen.

Von den 38 Abflügen bis 8.30 Uhr starteten 15 mit Verspätung, hieß es. Am späten Vormittag hatte sich die Lage weitgehend normalisiert. Bis in die Mittagsstunden verzögerten sich einzelne Abflüge. Der Flughafen war in diesem Jahr bereits an fünf Tagen von Streiks betroffen.

Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1,50 Euro. Die Firma Aviation Handling Service (AHS) ist das größte Abfertigungsunternehmen am Hamburger Flughafen und betreut etwa 60 Prozent aller Passagiere und Flüge. Nach Angaben von Irene Hatzidimou von der Gewerkschaft Verdi bekommen die Mitarbeiter bei der Abfertigung einen Einstiegslohn von 8,25 Euro pro Stunde. Viele seien auch mit 9,23 Euro pro Stunde eingestuft.

Die AHS-Mitarbeiter sind unter anderem für den Check-in und die Ticket-Vergabe zuständig. Neben Hamburg betreut das Unternehmen den Betrieb an 13 weiteren deutschen Flughäfen, darunter auch Frankfurt am Main, München, Köln/Bonn, Düsseldorf und Berlin (Schönefeld und Tegel).

Das Unternehmen wies die Verdi-Forderung zurück. "Im Markt für Flugzeugabfertigungen herrscht ein immenser Preisdruck", hieß es in einer Mitteilung. "AHS Hamburg hat keinen Spielraum für Gehaltserhöhungen; in der gesamten Branche hat niemand etwas zu verteilen." Das liege auch daran, dass sich die Fluggesellschaften rigide Sparprogramme auferlegt hätten, die sie an ihre Vertragspartner weiterreichten.

Neue Streiks möglich

Der Flughafenbetreiber rief Reisende am Morgen dazu auf, sich sicherheitshalber bereits vor Reiseantritt "bei ihren Fluggesellschaften über den Status ihres Fluges zu erkundigen". Eine Übersicht der am Hamburger Flughafen vertretenen Airlines bietet der Hamburger Flughafen im Internet an. Die AHS Hamburg sei bemüht, die durch den Streik verursachten Verzögerungen für Passagiere "so gering wie möglich" zu halten, hieß es.

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den kommenden Mittwoch geplant. Bis dahin will die Gewerkschaft zu keinen weiteren Streiks aufrufen. Falls die Arbeitgeberseite kein verhandlungsfähiges Angebot vorlege, sei jedoch mit neuen Arbeitskampfmaßnahmen zu rechnen.

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Quelle: n-tv.de

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