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Große Supermarkt-Ketten wie Netto, Rewe und Edeka bieten bereits heute mobiles Bezahlen an.
Große Supermarkt-Ketten wie Netto, Rewe und Edeka bieten bereits heute mobiles Bezahlen an.(Foto: REUTERS)

Zurückhaltung bei Verbrauchern: Handel setzt auf Ende der Geldbörsen-Ära

Von Kai Stoppel

Das Portemonnaie hat ausgedient - bald sollen Millionen Verbraucher mit ihrem Mobiltelefon bezahlen. Wirtschaftskenner sind da zuversichtlich, nur die Kunden spielen noch nicht mit. Eine Studie bringt die Gründe ans Licht.

Displays statt Geldmünzen: In Zukunft wird an der Supermarktkasse oder beim Mode-Discounter fast nur noch mit dem Smartphone gezahlt - da jedenfalls sind sich viele Handelsexperten sicher. Mobile Payment heißt das Ganze. Obwohl bereits seit Jahren prophezeit wird, dass Smartphones bald die Brieftasche ersetzen, kommt die mobile Zahlmethode nicht so richtig in Schwung.

Eine aktuelle Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln und den Wirtschaftsprüfern der KPMG zeigt: Geht es ums Bezahlen per Mobiltelefon, sind die Verbraucher sehr zurückhaltend. Dabei existieren bereits viele Angebote. Größere Einzelhändler wie Netto, Rewe und Edeka bieten bereits das Bezahlen per Smartphone an. Auch in Aral-Tankstellen, McDonald's-Filialen oder an Haltestellen von regionalen Nahverkehrsunternehmen gibt es bereits Terminals für das digitale Bezahlen.

Es gibt auch praktische Gründe. Mit dem Smartphone als Geldbörse erspart sich der Verbraucher etwa den Gang zum Geldautomaten. Das lästige Kramen nach Kleingeld bleibt ihm ebenfalls erspart. Er würde an der Kasse das machen, was viele sowieso schon den ganzen Tag am liebsten machen: das Smartphone zücken.

Mobiles Bezahlen ist vielen noch zu unsicher

Ein so genanntes PayPass-Gerät zur elektronischen Zahlungsabwicklung.
Ein so genanntes PayPass-Gerät zur elektronischen Zahlungsabwicklung.(Foto: picture alliance / dpa)

Dennoch: Bei einer Umfrage unter 500 Bundesbürgern fanden die Kölner Handelsforscher heraus, dass nur etwa jeder Sechste schon einmal via SMS oder Smartphone-App gezahlt hat. Eine Trendwende zeichnet sich ebenfalls nicht ab. Die große Mehrheit der befragten Nicht-Nutzer will mit Mobile Payment nichts zu tun haben oder ist diesbezüglich noch unentschlossen.

Was sind also die Gründe für die Zurückhaltung? Zum einen fühlen sich die Menschen laut der Studie nicht ausreichend über das Mobile Payment informiert. Zum anderen gibt es noch Bedenken wegen der Sicherheit. Mehr als zwei Drittel der Befragten ist das Bezahlen per Mobiltelefon schlicht und einfach zu riskant.

Und zu guter Letzt: Nach Meinung der Verbraucher gibt es derzeit einfach noch genügend alternative Zahlungsarten - die ebenso gut wenn nicht sogar besser funktionieren. "Der mobile Bezahlvorgang muss genau so schnell und einfach wie die Zahlung mit Bargeld oder EC-Karte sein", betont Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln. Bisher stünden dem jedoch noch "umständliche Registrierungen und komplizierte Verfahren an den Kassen" im Weg.

Dem Erfolg des Mobile Payments ebenfalls nicht dienlich sein dürfte die bisher noch unübersichtliche Anzahl der verschiedenen Varianten: Via SMS, per App durch Scannen eines QR-Codes oder mittels sogenannter Near Field Communication (NFC) - das Platzieren eines Mobiltelefons in die Nähe eines Lesegerätes -, um nur einige zu nennen. "Momentan gibt es enorm viel Bewegung und Spekulationen darüber, welche Lösungen sich durchsetzen werden", sagt Mark Sievers von KPMG. Rund 80 Unternehmen sind derzeit mit Apps und anderen Techniken auf dem Mobile-Payment-Markt aktiv.

Gigantisches Wachstum prognostiziert

Dennoch ist die Handelsbranche zuversichtlich: Die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) geht davon aus, dass sich bis 2020 die Zahl der Technik-Anbieter auf drei bis fünf reduzieren wird. Der Umsatz mit mobilem Bezahlen werde sich in der Folge von derzeit mageren 7,4 Millionen Euro im Jahr auf mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr steigern. Statt zurzeit gerade mal 176.000 Kunden sollen dann rund 11 Millionen das Mobile Payment nutzen.

Manager aus verschiedenen Branchen loten bereits weitergehende Möglichkeiten des Smartphones aus: Unterwegs soll man künftig in ein Hotel einchecken und zugleich den Code für die Zimmertür aufs Smartphone laden können. Fußball-Fans des HSV sollen künftig ihre Dauerkarte digital beziehen können - und per Smartphone gibt es dann Zugang am Drehkreuz im Stadion. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind digitale Rabattmarken, Treuepunkteheftchen oder Flugtickets.

Aber auch da sind sich die Experten einig: Bis die neue Bezahlart bein den Verbrauchern endgültig angekommen ist, liegt noch viel Überzeugungsarbeit vor den Unternehmen. Allerdings ergab die Studie des IFH auch: Den meisten Kunden, die das Mobile Payment einmal ausprobiert hat, scheint es zu gefallen. Rund drei Viertel von ihnen wollen künftig genau so oft oder sogar häufiger mobil bezahlen.

Quelle: n-tv.de

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