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Hartmut Mehdorn vor Studenten in der Berliner Beuth-Hochschule für Technik.
Hartmut Mehdorn vor Studenten in der Berliner Beuth-Hochschule für Technik.(Foto: picture alliance / dpa)

Aufbruchstimmung am BER : König Hartmut macht jetzt fertig

Von Diana Dittmer

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat sein Reich im Griff, so scheint es jedenfalls. Im Sommer soll der Testbetrieb am BER beginnen und im nächsten Jahr soll - wenn alles gut geht - der Airport komplett an den Start gehen. Das Beste kommt aber vielleicht noch.

Fliegen am BER? Ab Juli soll der Ernstfall geprobt werden.
Fliegen am BER? Ab Juli soll der Ernstfall geprobt werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Am Hauptstadtflughafen BER weht passend zum neuen Jahr ein frischer Wind. Die guten Nachrichten überschlagen sich. Flughafenchef Hartmut Mehdorn scheint zu schaffen, was vor ihm keiner geschafft hat. Rückblickend war das ein hartes Stück Arbeit. "Unakzeptabel" lautet sein Zeugnis für das jahrelange erfolglose Rumdoktern am Airport, das er auf einer Veranstaltung vor Studenten in der Berliner Beuth-Hochschule ausstellt. Die ständigen Pannen, die Verschiebung der anvisierten Starttermine am BER, das alles hat dem Ansehen Deutschlands in der Welt geschadet. Ohne Frage. "Das hätte nicht sein müssen." Aber was soll's, ändern kann man das sowieso nicht mehr, sagt Mehdorn mit einem Schulterzucken. Die Laune hat es ihm nicht verhagelt, wie man sieht. "Wir hätten es anders gemacht", zwinkert er den Studenten zu. Der 71-Jährige ist sichtlich zufrieden mit sich und seinem Projekt. Wichtig ist allein, dass es vorangeht.

Das Herz schlägt am Nordpier

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Die Herausforderung am BER scheint Mehdorn ausgezeichnet zu bekommen. Vor allem, da es jetzt wirklich mit Siebenmeilenstiefeln voranzugehen scheint. Auf einen endgültigen Starttermin will sich Mehdorn zwar nicht festlegen lassen, aber im Juli könnte zumindest schon mal der Probebetrieb am sogenannten Nordpier starten und dann - vorausgesetzt, die nötigen Genehmigungen werden erteilt - im kommenden Jahr der ganze Flughafen an den Start gehen.

Der umtriebige Manager lebt für solche Mammutaufgaben. Er steht auf hoffnungslose Fälle und zieht gerne Karren aus dem Dreck. Wenn der Ex-Bahn- und Ex-Air-Berlin-Chef für seine Arbeit Kritik erntet oder als Choleriker verspottet wird, lässt ihn das kalt. Die jahrzehntelange Arbeit bei der Bahn hat ihn gestählt. Für ihn gibt es keine Probleme, nur Lösungen. "Wir wissen ziemlich genau, wo wir stehen und welche Probleme wir haben", fasst er den Stand der Dinge am BER zusammen. Dabei gibt er sich siegessicher: "5000 Mängel, das ist beherrschbar." Man ist versucht, es ihm zu glauben.

Mehdorn hat zurzeit einen guten Lauf. Die Nachricht, dass die Schadenersatzklage von Air Berlin gegen den BER schlechte Aussichten vor Gericht hat, dürfte seine Stimmung zusätzlich heben. "Kann man Ihnen gratulieren?", wird er gefragt. "Kann man immer", lautet die freudige Antwort, der aber vorsichtshalber noch die neugierige Gegenfrage hinterhergeschoben wird: "Wofür genau?"

Der Dampfmacher

Der Flughafenchef gefällt sich in der Rolle des Spaßvogels, er kann sich den Übermut zurzeit gut leisten. Wie es aussieht, wird er als Türöffner des BER in die Geschichte eingehen. Sein Versuchskaninchen wird die Fluggesellschaft Germania sein, wie Mehdorn bestätigt. Mit zwei bis drei Flugzeugen am Tag, maximal sechs Maschinen, soll im Sommer ein kleiner Bereich am BER auf seine Funktionstüchtigkeit getestet werden. Das Herz des neuen Hautpstadtflughafens wird dort beginnen zu schlagen, wo der Chef heute seine Kommandozentrale hat und wo seine allmorgendlichen Dienstbesprechungen mit den Mitarbeitern stattfinden: am Pier Nord.

Mehdorn schaut nach vorn. Er ist der Bulldozer, der alles plattzumachen versucht, was bremsen könnte. Was nicht taugt, gehört umgehend "in die Tonne getreten", sagt der Flughafenchef. Das gilt vor allem für das Bundesbaugesetz, das auf der Baustelle für einige Probleme gesorgt hat. Diese Entscheidung liegt nun aber leider nicht in seiner Macht. Aber deftige Ansagen sind ganz nach Mehdorns Geschmack. "Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich fragen, wer braucht das Gesetz. Keiner meldet sich, dann weg damit." Zurück geschaut wird bei ihm nicht. Die Suche nach Schuldigen, die das BER-Projekt verbockt haben, interessiert Mehdorn deshalb auch nicht. "Ich bin kein Ahnenforscher." Sein Mantra lautet: "Wir machen jetzt fertig."

Keine alten Rechnungen aufmachen

Ungewohnt kleinlaut gibt sich Mehdorn nur, wenn die Sprache auf seinen Aufsichtsrat kommt. Mit dem darf er es sich auch nicht verscherzen, weil er von ihm noch grünes Licht für die Teileröffnung braucht. Klaus Wowereit als Oberkontrolleur? "Das ist gut so", lautet die einsilbige Antwort. Wichtig ist für Mehdorn nur "das Gebot der Vernunft". Berlins Regierender Bürgermeister war von Anfang an dabei, warum sollte man dann von vorne beginnen? Außerdem lassen die ihn ja auch nicht bestimmen, ulkt er. Auch Mehdorn weiß, dass er nicht überall mit dem Kopf durch die Wand kann. "Der BER ist sehr kleinteilig", bei dieser vorsichtigen Kritik belässt er es.

Hinter die Kostenexplosion hat er auch schon längst einen Haken gemacht. Der Wettbewerb um die ausgeschriebenen Aufträge verleite die Unternehmen, sich gegenseitig zu unterbieten, was die tatsächlichen Kosten verzerre, sagt er. Außerdem werde der Flughafen doppelt so groß, wie er ursprünglich geplant war. Wenn man es so sehe, sei ein doppelter Preis angemessen.

Am Ende ein "billiger Airport"?

Wer Mehdorn live erlebt, weiß, was ein Hansdampf in allen Gassen ist. Wenn er es nicht schafft, den Hauptstadtflughafen zu eröffnen, wer dann? Er ist kein Träumer, er kann Tatsachen ins Auge sehen ohne zu blinzeln. "Schummeln zahlt sich nicht aus", irgendwann fliege einem das um die Ohren, sagt Mehdorn. Er versucht es mit Transparenz und Kommunikation. Deshalb fällt es ihm auch nicht schwer, auszusprechen, was eigentlich keiner hören will, dass der Flughafen nämlich genau genommen niemals fertig sein wird. Es wird immer gebaut werden müssen. Das ist am Londoner Flughafen Heathrow oder an anderen internationalen Drehkreuzen nicht anders.

Am Ende könnte es noch eine Überraschung der ganz anderen Art geben. Nimmt man die Worte Mehdorns für bare Münze, wird die Abrechung für den BER in einigen Jahren zeigen, dass der modernste Flughafen der Welt, wenn er denn mal am Start ist, im Vergleich zu anderen Großflughäfen gar nicht teuer gewesen ist, im Gegenteil: "Die Endabrechnung wird zeigen, dass das ein billiger Flughafen ist", ist sich Mehdorn sicher. Das wäre in der Tat - nach der Eröffnung des Pannenflughafens - eine noch größere Überraschung.

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Quelle: n-tv.de

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