Wirtschaft
Ein ICE verlässt den Bahnhof unter dem Geschäfts- und Bürogebäude "The Squaire" am Frankfurter Flughafen.
Ein ICE verlässt den Bahnhof unter dem Geschäfts- und Bürogebäude "The Squaire" am Frankfurter Flughafen.(Foto: picture alliance / dpa)

Gläubiger verweigern freiwilligen Schuldenerlass: IVG droht Mega-Pleite

An der Börse ist IVG bereits ein Penny Stock. Aber für die Immobiliengesellschaft könnte es noch dicker kommen. Das hochverschuldete Unternehmen kann seine Gläubiger bisher nicht von einem Schuldenschnitt überzeugen. Damit rückt "Plan B" in den Vordergrund.

Die Krise beim hoch verschuldeten Immobilienkonzern IVG nimmt existenzielle Züge an. Das börsennotierte Unternehmen musste einräumen, dass es seinen Geldgebern keinen freiwilligen Schuldenerlass abringen kann. Die Gespräche seien vorerst gescheitert, und es liege kein umfassender Restrukturierungsvorschlag der verschiedenen Gläubigergruppen vor, erklärte der Vorstand. Jetzt werde geprüft, ob es für den Konzern überhaupt eine positive Fortführungsprognose gebe. Sollte dies nicht der Fall sein, würde die IVG nach früheren Angaben die Sanierung über den "Plan B" wählen - das Schutzschirmverfahren. Dafür darf die Gesellschaft aber nicht überschuldet sein.

An der Börse verloren die IVG-Titel am Dienstag rund 1,5 Prozent und kosteten noch etwa 0,25 Euro. Zu Hochzeiten lag der Kurs bei mehr als 30 Euro.

Die IVG hat allerdings über 4 Mrd. Euro Schulden angehäuft, rund 3,8 Mrd. Euro entfallen auf Bankverbindlichkeiten. Die Verschuldungsquote lag zuletzt nach Konzernangaben bei mehr als 70 Prozent. In diesem Jahr müssten Bankschulden von 734 Mio. Euro, 2014 weitere 1,87 Mrd. Euro refinanziert werden.

Die IVG wollte deshalb einen Erlass von rund 1,75 Mrd. Euro durchsetzen, um wieder auf die Beine zu kommen. Im Grundsatz war geplant, dass die Geldgeber - inzwischen zum Großteil Hedgefonds - auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und dafür im Gegenzug IVG-Aktien erhalten. Bis Dienstag sollten die Gläubiger dazu einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen, damit die IVG-Hauptversammlung über den Plan am 12. September abstimmen kann. Doch vor allem die Gläubiger einer der syndizierten Kredite und der Wandelanleihe kamen wohl nicht auf einen Nenner. Die Differenzen hatten sich vor wenigen Tagen mit der Kritik des US-Hedgefonds Aurelius Capital Management bereits angedeutet.

Erst Schutzschirm und dann Planinsolvenz

In der vergangenen Woche brachte IVG-Chef Wolfgang Schäfers erstmals eine Sanierung über ein Insolvenzverfahren ins Spiel - mit Hilfe des neuen Schutzschirmverfahrens. In diesem Fall würde der operative Geschäftsbetrieb weiterlaufen, während die AG mit einem Sachwalter saniert würde. Der Konzern wäre für drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Danach mündet der Schutzschirm in der Regel in ein Insolvenzplanverfahren. Es wäre eine der größten Pleiten in Deutschland seit Jahren. Bei der IVG sind seit längerem mehrere Sanierer am Werk, unter anderem der vorher beim Holzverarbeiter Pfleiderer tätige Hans-Joachim Ziems als Vorstand.

Der Büroimmobilienkonzern hatte sich in der Finanzkrise mit teuren Projekten verhoben, etwa dem Geschäftskomplex "The Squaire" am Frankfurter Flughafen. Sie wurden mit Schulden finanziert und haben die Erwartungen nie erfüllt. Bis heute schreibt das Unternehmen wegen immer neuer Abwertungen Verluste. Im 1. Quartal waren es 45,1 Mio. Euro. Auch das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel mit 20,2 Mio. Euro negativ aus. Der Umsatz betrug 2012 noch rund 437,5 Mio. Euro nach etwa 839 Mio. Euro 2009. Ende März dieses Jahres lag die Mitarbeiterzahl bei rund 540.

Quelle: n-tv.de

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