Wirtschaft

Binnenkonjunktur stärken!: IWF ermahnt Deutschland

Deutschland muss seine Wirtschaft nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds unhabhängiger von den Exporten machen. Die derzeit "beachtliche" ökonomische Lage stütze sich zu sehr auf die Ausfuhren.

Der IWF empfiehlt Deutschland, mehr auf die Binnenkonjunktur zu setzen.
Der IWF empfiehlt Deutschland, mehr auf die Binnenkonjunktur zu setzen.(Foto: dpa)

Eine Verschärfung der Euro-Schuldenkrise könnte Deutschlands Aussichten auf anhaltendes Wachstum nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds jäh zunichte machen. "Deutschland ist eine der offensten großen Volkswirtschaften weltweit", schrieben die Fonds-Experten in einem Länder-Bericht. Das mache Deutschland aber extrem anfällig für negative Entwicklungen von außen, sowohl in der Euro-Zone als auch in der Weltwirtschaft. Der IWF mahnte strukturelle Reformen in der Bundesrepublik an, die "einen Übergang zum inländisch angetriebenen Wachstum" ermöglichten. Dafür müsse der Arbeitsmarkt weiter gestärkt werden, Investitionen erleichtert und generell der Konsum noch mehr angekurbelt werden - auch durch Stimulusmaßnahmen.

Der Fonds nannte es "bemerkenswert", wie Deutschland bislang durch alle Widrigkeiten gesteuert sei. Er erhöhte denn auch seine Prognose für das deutsche Wachstum im laufenden Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Die Schätzung für das kommende Jahr nahm der Fonds aber um 0,1 Prozentpunkte auf 1,4 Prozent zurück.

"Deutschland kann eine Schlüsselrolle spielen ... um die Stabilität der Euro-Zone zu sichern und das Wachstumspotenzial zu erhöhen", schrieben die IWF-Experten. Das Land sollte in dieser Rolle stärker die gemeinsame europäische Vision für eine stabile Architektur des Währungsraumes nach der aktuellen Krise nach außen vertreten. Damit könne Deutschland etwas für die Rückgewinnung von Vertrauen an den Märkten tun. Zudem könnten die Strukturreformen in einigen Euro-Problemländern ergänzt werden mit gesamteuropäischen Bemühungen, wie etwa einem flexibleren Einsatz von EU-Mitteln in den Strukturfonds.

Das hohe Maß an Offenheit der deutschen Wirtschaft im Handel und im Finanzbereich, gepaart mit nach wie vor relativ hohen Außenständen deutscher Banken im benachbarten Ausland, birgt laut IWF Risiken. Komme es zu tiefen Erschütterungen im Euro-Raum, könnte das für Deutschland einen "massiven Einbruch" auslösen, warnte der Fonds.

Finanzbranche im Visier

"Das Abschneiden der deutschen Wirtschaft trotz starken Gegenwindes ist beachtlich", urteilten die Fachleute des IWF aber mit Blick auf die deutsche Wachstums-, Finanz- und Arbeitsmarktentwicklung. Allerdings deute einiges darauf hin, dass insbesondere die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt langsam auslaufe. Aufgabe der Politik sei es, die deutsche Wirtschaft stärker gegen Abwärtsrisiken abzusichern. Dabei gehe es neben der Stabilisierung der Euro-Zone auf mittlere Sicht vor allem um eine Stärkung des Wachstumspotenzials.

Die deutsche Finanzentwicklung beurteilte der Fonds positiv. Die Defizitquote des Staates werde von einem Prozent der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr auf 0,7 Prozent in diesem und auf 0,4 Prozent im nächsten Jahr fallen. Insgesamt befinde sich die Entwicklung der öffentlichen Finanzen auf einem guten Weg, auch wenn die Gesamtverschuldung des deu  tschen Staates im nächsten Jahr oberhalb von 80 Prozent bleiben werde. Inflationsgefahren sieht der IWF kaum. Zwar könne die deutsche Teuerung zeitweise oberhalb der im Euro-Raum-Durchschnitt liegen, werde aber nicht deutlich über zwei Prozent steigen.

Noch unzufrieden ist der Fonds mit der Stabilität der deutschen Finanzbranche. "Die Stärke der deutschen Banken hat zwar zugenommen, doch bleiben Verwundbarkeiten", hieß es in dem Bericht. Die Kapitalbasis der Banken, wie auch die Qualität ihres Kapitals und ihre Profitabilität, seien relativ niedrig. Zudem seien einige deutsche Banken anfällig für Probleme aus den Randländern der Euro-Zone. Die Reformen im deutschen Finanzsektor müssten daher weiter vorangetrieben werden. Es gehe etwa um eine schärfere Aufsicht über grenzüberschreitende Bankengeschäfte, um Verbesserungen bei der Einlagensicherung sowie um weitere Schritte zur Landesbanken-Restrukturierung.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen