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Schlagstöcke, Festnahmen, Flugausfälle: Iberia-Streik eskaliert

British Airways und Iberia fusionieren 2011. Mit drastischen Sparmaßnahmen soll die dauerdefizitäre spanische Airline wieder auf Kurs gebracht werden. Tausende Entlassungen drohen - und provozieren einen Arbeitskampf, der sich immer weiter verschärft. In Madrid stürmen Iberia-Mitarbeiter mit anti-britischen Parolen den Flughafen. Die Polizei reagiert und prügelt los. Die Streiks gehen dennoch weiter.

Der Streik der spanischen Fluggesellschaft Iberia dauert an. Erneut sind mehr als 200 Flüge gestrichen worden. Nach Angaben des Unternehmens wurden insgesamt 232 Verbindungen abgesagt. Dazu gehörten nicht nur Flüge von Iberia selbst, sondern auch der Tochtergesellschaften Vueling, Air Nostrum und Iberia Express.

Die Gewerkschaften hatten die Beschäftigten des Boden- und Kabinenpersonals von Iberia aufgerufen, aus Protest gegen einen Sanierungsplan bis einschließlich Freitag die Arbeit niederzulegen. Der Streik ist der größte in der Geschichte des Unternehmens.

Nach Angaben des Unternehmens war es gelungen, 86 Prozent der vom Streik betroffenen Passagiere auf andere Maschinen umzubuchen. Der Ausstand richtet sich gegen einen Sanierungsplan, der den Abbau von 3800 der insgesamt 20.000 Arbeitsplätze vorsieht. Im März soll an zehn weiteren Tagen gestreikt werden. Dann will sich auch die Pilotengewerkschaft Sepla dem Ausstand anschließen.

Streik eskaliert

Am Montag war der Arbeitskampf in Gewalt umgeschlagen. In Madrid setzten Polizisten Schlagstöcke gegen Streikende ein, die in das Gebäude des größten Flughafens des Landes gelangen wollten. Einige wurden mit Gewalt aus dem Terminal geworfen. Mindestens fünf Streikende wurden verhaftet. Die Mitarbeiter der angeschlagenen Airline wehren sich mit einem fünftägigen Ausstand gegen Lohnkürzungen und den Abbau Tausender Stellen.

Von den bis Freitag geplanten Arbeitsniederlegungen sind nach Angaben der Airline 70.000 Passagiere betroffen. Iberia sagte bereits 415 Flüge ab. Insgesamt sollen rund 1200 Flüge ausfallen, da an den spanischen Flughäfen wegen des Streiks nicht genügend Servicepersonal zur Verfügung steht. Am Montag wurden mehr als 80 Flüge gestrichen. Zudem kam es beim Betrieb des Airports zu Einschränkungen, da die Gepäckabfertiger von Iberia auch für andere Fluggesellschaften arbeiten.

Briten am Pranger

Hunderte Iberia-Mitarbeiter waren Parolen skandierend in den Terminal 4 des Madrider Flughafens Barajas gestürmt. Etwa 2000 demonstrierten vo den Toren des Airports. Sie schwenkten spanische Fahnen und Banner mit der Aufschrift "Briten geht heim". Die seit langem in der Krise steckende und rote Zahlen schreibende Iberia fusionierte 2011 mit der profitablen British Airways zur International Airlines Group.

Viele machten britische Manager für den Sparkurs der Airline verantwortlich. Es sollen 3800 Arbeitsplätze gestrichen werden. Nach diesem ersten fünftägigen Streik sind im März zwei weitere Streikwochen geplant. Dem krisengeschüttelten Land drohen dadurch schmerzhafte Einbußen im Tourismus. "Jeder hat seine Probleme. Aber sie sollten nicht diejenigen belästigen, die Geld ins Land bringen. Das ist auch Geschäft", sagte ein französischer Tourist.

Tourismus gefährdet

Verkehrsministerin Ana Pastor hat bereits vor einem großen Schaden für die Wirtschaft des Landes gewarnt, das von einer tiefen Rezession und rekordhoher Arbeitslosigkeit geplagt ist. Sie forderte das Management und die Gewerkschaften deshalb zur Einigung auf. "Wir können es  nicht zulassen, dass Spanien mehr als 10 Mio. Euro am Tag verliert, denn diese Art von Schlag trifft uns alle", sagte Pastor. Der Tourismus macht rund elf Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung aus und ist einer der wenigen Bereiche, die noch wachsen. Diese Streikwoche fällt auf Schulferien in Großbritannien und Frankreich, von wo die meisten Touristen nach Spanien kommen.

Während fast die Hälfte der Inlandsflüge in den fünf Tagen ausfallen würden, seien Langstreckenflüge kaum betroffen, erklärte Iberia. Für rund 60.000 Passagiere seien Alternativ-Flüge gefunden worden, zum Teil auch bei Konkurrenz-Airlines.

Experten rechnen damit, dass die 15 Streiktage Iberia bis zu 100 Mio. Euro kosten können. Iberia machte in den ersten neun Monaten 2012 einen Verlust von 262 Mio. Euro.

Quelle: n-tv.de

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