Wirtschaft

Flüchtlingseffekt: IfW hebt Wachstumsprognose an

Die zusätzlichen Aufwendungen für die Hunderttausenden Flüchtlinge in Deutschland wird die deutsche Wirtschaft noch etwas stärker wachsen lassen. Das Instituts für Weltwirtschaft (IfW) erwartet daraus aber nur einen kurzfristigen Effekt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Wirtschaft wird nach der Prognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) kommendes Jahr im Zuge der Flüchtlingswelle stärker wachsen als erwartet. Die Ökonomen sagten einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,2 Prozent im nächsten und um 2,3 Prozent im übernächsten Jahr voraus und hoben damit ihre Schätzung für 2016 um 0,1 Prozentpunkte an.

Grund für die Aufwärtsrevision ist laut IfW vor allem, dass die Forscher "die zusätzlichen Aufwendungen für die Flüchtlinge nun etwas höher einschätzen als noch vor drei Monaten". Der Effekt sei allerdings "nur kurzfristig". Für dieses Jahr wird ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent gesehen.

Insgesamt attestierten die Kieler Ökonomen der Wirtschaft einen anhaltenden Aufschwung. "Die deutsche Konjunktur gewinnt wieder an Fahrt", erklärten sie. Nachdem sich das Wachstum zuletzt etwas abgeschwächt habe, zeichne sich für die kommenden Quartale "ein merklich erhöhtes Expansionstempo" ab. Zwar sei die Industrieproduktion jüngst schwach gewesen, allerdings sei die Zuversicht der Unternehmen zuletzt wieder deutlich aufwärtsgerichtet und signalisiere eine hohe konjunkturelle Dynamik.

Privater Konsum ist weiter treibende Kraft

Getragen wird der Aufschwung nach der Analyse des IfW weiter vom privaten Konsum, dessen hohe Zuwächse sich aus den kräftigen realen Einkommensanstiegen der privaten Haushalte speisten. Die Ökonomen sagten hier Zuwächse von 2,3 Prozent im nächsten und 2,2 Prozent im übernächsten Jahr nach einem diesjährigen Plus von 2,0 Prozent voraus.

"Treibende Kraft hinter dem Aufschwung ist nach wie vor der starke private Konsum und eine anziehende Investitionstätigkeit", konstatierte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. "Hohe Einkommenszuwächse aufgrund der günstigen Arbeitsmarktentwicklung sorgen hier für die stärkste Zunahme seit 15 Jahren."

Hinzu komme, dass die Ausfuhren, gestützt durch die Abwertung des Euro, wohl bald wieder an die hohen Zuwachsraten der ersten Jahreshälfte anknüpfen könnten. Das IfW rechnet hier mit Zuwachsraten von 5,2 und 6,4 Prozent in den nächsten beiden Jahren nach 5,6 Prozent in diesem. Für die Importe sehen die Forscher ein Plus von 6,7 Prozent 2016 und 7,6 Prozent 2017 nach plus 6,0 Prozent im Jahr 2015.

Aufwendungen für Flüchtlinge schieben Wachstum an

Auch würden sich "die allgemein sehr investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen mehr und mehr in ein höheres Expansionstempo bei den Anlageinvestitionen übersetzen", die kommendes Jahr um 2,9 Prozent und übernächstes um 3,6 Prozent höher gesehen werden nach einem Zuwachs von 2,2 Prozent im laufenden Jahr. Die zusätzlichen Ausgaben für die Flüchtlingsmigration dürften das BIP "vor allem im Winterhalbjahr merklich anschieben", sagten die Ökonomen voraus.
Sie rechneten mit einem Anstieg der Zahl der Arbeitslosen von 2,767 Millionen im kommenden Jahr und auf 2,788 Millionen im übernächsten Jahr, was aber immer noch unter der für dieses Jahr angenommenen Zahl von 2,794 Millionen läge. Die Arbeitslosenquote soll 2015 noch bei 6,4 Prozent und in den beiden kommenden Jahren dann bei 6,3 Prozent liegen.

Die Flüchtlingskrise wird dem Arbeitsmarkt bis 2017 nach den Kieler Berechnungen 376.000 Arbeitslose mehr bringen, von denen aber viele wegen Fördermaßnahmen nicht in der Arbeitslosenstatistik erfasst werden.

Quelle: n-tv.de

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