Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

DIW: Wirtschaftsstärke trügt: Ifo-Index sinkt überraschend kräftig

Deutschlands Unternehmen blicken erneut mit weniger Zuversicht in die Zukunft. Die Konjunkturforscher des Ifo-Instituts sprechen von gedämpften Erwartungen. Dabei hatten andere Indikatoren zuletzt Grund zur Zuversicht geliefert.

In den deutschen Chefetagen hat sich die Stimmung im Juni erneut eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel von 108,5 auf 107,4 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Es ist der zweite Rückgang in Folge. Ökonomen hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet - allerdings mit einem geringeren. Belastend wirkt vor allem die Griechen-Krise. Pessimismus kommt auch vom DIW. Die deutsche Wirtschaft erscheine stärker als sie eigentlich ist, hieß es.

"Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind gedämpft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte beurteilten sowohl ihre Lage als auch ihre Geschäftsaussichten schlechter als im Vormonat. Dabei trübten sich die Erwartungen zum dritten Mal nacheinander ein und waren mehrheitlich nur noch leicht optimistisch.

Video

Der Rückgang dürfte vor allem mit den unklaren Aussichten zur Entwicklung der griechischen Schuldenkrise zusammen. Zwar schlage sich das Drama "noch nicht in den Auftragsbüchern nieder, verunsichert aber", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Die Belastungen durch das sich zuspitzende Griechenland-Drama wogen im Juni schwerer als die guten Rahmenbedingungen für die Konjunktur", sagte auch DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.  "Befreit vom Ballast der Griechenland-Krise könnte die deutsche Volkswirtschaft in den kommenden Monaten wieder kräftiger wachsen."

"Befreit vom Ballast der Griechenland-Krise könnte die deutsche Volkswirtschaft in den kommenden Monaten wieder kräftiger wachsen", sagte Scheuerle.

DIW: "Die Risiken sind hingegen enorm"

Derweil blickt jedoch das Berliner DIW-Institut blickt deutlich skeptischer als zuletzt auf die deutsche Konjunktur und warnt vor vielen Risiken. Die Forscher senkten ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 1,8 von 2,2 Prozent und begründeten dies mit dem schwachen Start ins Jahr. "Die deutsche Wirtschaft erscheint derzeit stärker, als sie tatsächlich ist", warnte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Denn für Schwung sorgten vor allem Sonderfaktoren wie der niedrige Ölpreis oder der für die Exporteure günstige Euro-Kurs.

"Die Risiken sind hingegen enorm", betonte Fratzscher. So hätte ein Scheitern der Verhandlungen mit Griechenland und ein Austritt des Landes aus dem Euro fatale Folgen für Europa und würde somit auch der deutschen Wirtschaft schaden.

Man dürfe das Risiko von Ansteckungseffekten der Griechenlandkrise nicht unterschätzen. "Auch wegen dieser Unsicherheiten investieren die Unternehmen noch immer viel zu wenig und haben bisher nicht einmal das Vorkrisenniveau erreicht", sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Als Stütze für die Konjunktur sehen die Forscher vor allem die gute Kauflaune der Konsumenten. Grund hierfür seien die steigende Beschäftigung, die sinkende Arbeitslosigkeit und die  niedrige Inflation. Das DIW erwartet für 2016 wie bisher einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,9 Prozent.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen