Wirtschaft
Volle Stellflächen, viel Bewegung: Am Container Terminal Burchardkai (CTB) in Hamburg lässt sich erahnen, wie es um die deutsche Wirtschaft steht.
Volle Stellflächen, viel Bewegung: Am Container Terminal Burchardkai (CTB) in Hamburg lässt sich erahnen, wie es um die deutsche Wirtschaft steht.(Foto: dpa)

"Europa braucht mehr Schwung": Ifo-Index weckt neue Sorgen

Die Stimmung in den deutschen Geschäftsetagen stellt sich im Juni schwächer dar als erwartet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex deutet den zweiten Monat in Folge nach unten. Was heißt das für die deutsche Wirtschaft?

Die Konflikte im Irak und in der Ukraine wirken sich offenbar stärker auf die deutschen Geschäftsaussichten aus als bislang bekannt: Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni weiter eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gab wie bereits im Vormonat leicht nach und steht aktuell nun bei 109,7 Punkten, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte.

Der Ifo-Index erreicht damit den tiefsten Wert seit Dezember 2013. Fachleute hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, allerdings ein etwas kleineres Minus auf 110,2 Zähler erwartet. Im Mai war das Stimmungsbarometer auf 110,4 Punkte gefallen.

"Die deutsche Wirtschaft befürchtet mögliche Auswirkungen der Krisen in der Ukraine und im Irak", kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die Entwicklung. Die Unternehmen beurteilten dabei vor allem ihre Geschäftsaussichten schlechter. Ihre aktuelle Geschäftslage schätzen die befragten Manager allerdings unverändert gut ein.

Noch ist der Trend kein Trend

Der Ifo-Index hält sich bereits seit März 2010 über der Marke von 100 Punkten. Erst im Mai hatte der wichtige Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft einen kleinen Rückgang verbucht. Davor gab es im April ein leichtes Plus. Volkswirte sprechen erst nach drei Änderungen in Folge von einer möglichen Trendwende. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

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Unter Ökonomen rief der Ifo-Index für Juni gemischte Reaktionen hervor. "Das Ifo-Geschäftsklima ist zum zweiten Mal in Folge gefallen", erklärte Dekabank-Analyst Andreas Scheuerle.

"Zusammen mit dem merklichen Rückgang der Geschäftserwartungen ist auch dritter Rückgang wahrscheinlich. Immer mehr verdichten sich die Anzeichen, dass das durch Sonderfaktoren begünstigte erste Quartal das stärkste in diesem Jahr sein wird. Das ist aber kein Grund zur Sorge, denn die Drehzahl des deutschen Konjunkturmotors kommt lediglich aus dem roten in den immer noch flotten Tourenbereich zurück."

Rückgang Nummer Zwei

Ähnlich vorsichtig äußerte sich Jörg Zeuner von der KfW: "Die Unternehmen stellen sich zurecht auf eine langsamere Gangart ein. Das sehr starke erste Quartal lässt sich so schnell nicht wiederholen. Zwei Prozent Wachstum in diesem Jahr sind dennoch drin. 2015 wird es allerdings schwer, dieses Tempo zu halten. Die Partner in Europa brauchen mehr Schwung. Alle warten dafür auf den Konsumenten und die Investitionen."

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Helaba-Ökonom Ralf Umlauf verwies auf den wachsenden Handlungsdruck bei den Währungshütern. "Der Rückgang enttäuscht - vor allem auch deswegen, weil die Geschäftserwartungen deutlich rückläufig sind", sagte Umlauf.

"Ein Rezessionssignal ist dies bei weitem noch nicht, aber die konjunkturelle Dynamik scheint sich abzuschwächen. Die EZB dürfte sich bestätigt sehen und Kritiker der jüngsten Lockerungsmaßnahmen werden wohl leiser werden."

Wird die EZB nun handeln?

Nordea-Volkswirt Holger Sandte lenkte die Aufmerksamkeit der Anleger dagegen auf die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten und die Wirkung der Kraftstoffkosten. Der aktuelle Ifo-Index sei ein "Warnsignal in Sachen Ölpreis", sagte Sandte.

"Für den Rückgang der Erwartungen dürfte der gestiegene Ölpreis eine Rolle gespielt haben, und er bleibt mit Blick nach vorne ein wichtiger Faktor. Der Ifo-Index ist aber immer noch auf einem Niveau, das vor Start der Währungsunion nie erreicht wurde."

Schon angesichts der tiefen Zinsen sei "weiteres Wachstum", so Sandte, "kaum zu umgehen, selbst wenn wichtige Handelspartner wie Frankreich schwächeln." In vergleichbaren Konjunkturphasen habe der kurzfristige Realzins in früheren Jahren mindestens bei zwei Prozent gelegen. "Derzeit ist er negativ", wie der Nordea-Ökonom ausführte. "Ich erwarte rund zwei Prozent Wirtschaftswachstum in diesem und im kommenden Jahr."

Quelle: n-tv.de

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