Wirtschaft
Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin kündigt eine eigene Klage gegen den Firmengründer an.
Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin kündigt eine eigene Klage gegen den Firmengründer an.(Foto: picture alliance / dpa)

Finanziert per Schneeballsystem?: Insolvenzverwalter attackiert Prokon-Gründer

Bislang ist nur wenig über die Ermittlungen im Fall Prokon bekannt: Mehr Details liefert nun der Insolvenzverwalter. Und auch er selbst ist mit dem früheren Chef des Unternehmens längst nicht fertig - eine umfangreiche Klage soll folgen.

Die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen den Ex-Chef des in die Pleite gerutschten Windpark-Errichters Prokon, Carsten Rodbertus, werden laut Insolvenzverwalter auch wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue in besonders schweren Fällen geführt. Das habe ihm die zuständige Anklagebehörde in Lübeck auf Nachfrage bestätigt, erklärte Dietmar Penzlin. Zugleich griff er den Prokon-Gründer ungewöhnlich scharf an.

Die Aufarbeitung der wirtschaftlichen Verhältnisse bei Prokon habe "eine Vielzahl an Anhaltspunkten für pflichtwidriges Verhalten von Carsten Rodbertus ergeben, insbesondere aus der ungeprüften Vergabe unbesicherter Kredite in Millionenhöhe", teilte Penzlin mit. Er gehe davon aus, dass er noch in diesem Jahr eine "umfangreiche Schadenersatzklage" gegen den Prokon-Gründer einreiche. Zudem verdichteten sich die Anhaltspunkte, dass Rodbertus bereits Monate vor dem Insolvenzantrag von der drohenden Pleite gewusst habe.

"Fehlendes Rechtsverständnis"

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Darüber hinaus ermittle die Staatsanwaltschaft aber auch, weil die grundlegende Finanzierungsstruktur von Prokon ein betrügerisches "Schneeballsystem" gewesen sein könnte und noch kurz vor dem Insolvenzverfahren neue Genussrechte an Anleger verkauft worden seien. Sie gehe im Zusammenhang mit der Vergabe unbesicherter Kredite in Millionenhöhe zudem dem Verdacht der besonders schweren Untreue nach. Penzlin warf Rodbertus "fehlendes Rechtsverständnis" vor.

Prokon hatte sich unter der Leitung des inzwischen von seinen Aufgaben entbundenen Gründungsgesellschafters Carsten Rodbertus durch den Verkauf von Genussrechten im Wert von 1,4 Milliarden Euro an rund 75.000 Anleger am sogenannten grauen Kapitalmarkt finanziert. Nach der Insolvenz des Unternehmens aus Itzehoe müssen die Anleger nun aber um den Wert ihrer Investitionen bangen.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hatte bislang nur wenige Details zu ihren Ermittlungen bekanntgegeben. Eine Sprecherin hatte lediglich mitgeteilt, es werde wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und weiterer Wirtschaftsdelikte gegen Ex-Verantwortliche ermittelt. Auch die Namen der Beschuldigten nannte sie nicht.

Sanierungsplan am Dienstag

Am kommenden Dienstag soll auf einer Gläubigerversammlung ein von Insolvenzverwalter Penzlin erarbeiteter und mit drei großen Anlegerschutzvereinigungen abgestimmter Sanierungsplan für das Unternehmen verabschiedet werden. Zugleich versucht Rodbertus, Vollmachten von Privatinvestoren einzuwerben, um bei der Versammlung in Hamburg einen Gegenentwurf durchzusetzen. Dabei argumentiert er, der offizielle Sanierungsplan solle Prokon zerschlagen und führe zu Vermögensverlusten.

Penzlin und die an der Erarbeitung des Sanierungsplans beteiligten namhaften Anlegerschutzvereinigungen kritisierten Rodbertus Vorgehen als in hohem Maße unseriös und warnten Anleger eindringlich davor, auf die Offerte einzugehen. Penzlin sprach am Mittwoch von "wiederholten und aggressiven Falschdarstellungen" und nannte die von Rodbertus aufgestellten Behauptungen zur angeblichen Ertragsfähigkeit von Prokon "reine Phantasiezahlen ohne Bezug zur Realität". Anleger, die auf dessen "Vereinfachungen" hereinfielen und den Sanierungsplan ablehnten, gefährdeten ihr Vermögen.

Quelle: n-tv.de

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