Wirtschaft
Credit Suisse will im Gegensatz zur UBS am Investmentbanking festhalten.
Credit Suisse will im Gegensatz zur UBS am Investmentbanking festhalten.(Foto: picture alliance / dpa)

Einbruch von mehr als 50 Prozent: Investmentbanking belastet Credit Suisse

Die Credit Suisse kämpft mit den Folgen der US-Geldpolitik, die vor allem das Anleihegeschäft belasten. Das Quartalsergebnis der Schweizer Großbank liegt zwar über den Vorjahreszahlen, kommt aber bei weitem nicht an die Analystenprognosen heran.

Mit einem drastischen Gewinnrückgang ist die Schweizer Großbank Credit Suisse aus dem dritten Quartal gegangen. Verantwortlich dafür war den Angaben zufolge das Investmentbanking des Instituts. Diese Sparte hatte bereits bei der US-Konkurrenz für Kopfzerbrechen gesorgt. Und wie bei Goldman und Co. war es vor allem das wegen der Unsicherheit über die US-Geldpolitik volatile Anleihegeschäft, das belastete. Zudem trat der Geschäftsbereich Private Banking & Wealth Management ertragsmäßig weitgehend auf der Stelle.

Neben höheren Rückstellungen für Kreditrisiken litten die Schweizer zudem darunter, dass sie abermals Geld für Rechtsstreitigkeiten auf die Seite legen mussten. Die Bank gehört zu den Finanzinstituten, die im laufenden Steuerstreit mit den USA einzeln verhandeln. Es ist so gut wie sicher, dass die Schweizer hier noch eine hohe Geldstrafe berappen müssen. Nun wollen die Schweitzer etwas stärker sparen als gedacht und den Konzern weiter umbauen.

Analystenprognose verfehlt

Trotz höherer Nettoneugelder und Fortschritten beim Sparprogramm verdiente Credit Suisse im dritten Quartal lediglich 454 Millionen Schweizer Franken, nach 254 Millionen Franken im Vorjahr. Das Vorsteuerergebnis lag bei 685 Millionen Franken, bereinigt bei 930 Millionen Franken. Analysten hatten den Schweizern bereinigt einen Vorsteuergewinn von 998 Millionen Franken zugetraut. Ein Händler nannte die Ergebnisse der Bank "enttäuschend".

Im Bereich Investmentbanking fiel das Vorsteuerergebnis sowohl zum Vorjahr als auch zum Vorquartal. Während im Vorquartal noch ein Ergebnis vor Steuern von 754 Millionen Franken und im dritten Quartal 2012 von 483 Millionen Franken erwirtschaftet wurde, brach der Gewinn nun auf 229 Millionen Franken ein. Das anhaltend gute Aktiengeschäft und eine hohe Emissionstätigkeit im Anleihengeschäft habe die Auswirkungen der schwierigen Marktbedingungen, insbesondere am Anleihenmarkt, nicht wettmachen können, erklärten die Schweizer diese Entwicklung. Ohne die Fortschritte beim Sparen wäre das Ergebnis in der Sparte wohl noch mickriger ausgefallen. Die Personalkosten gingen hier um 24 Prozent zum Vorjahr zurück, der Geschäftsaufwand verringerte um 14 Prozent.

CS hält an Investmentbanking fest

Credit Suisse hat zwar wie die Wettbewerber auch einen Teil des Investmentbankings zurückgefahren, will aber anders als zum Beispiel die UBS an dem Geschäft festhalten. In einem Interview mit einer schweizerischen Zeitung zeigte sich der Credit-Suisse-Chef Urs Rohner fest davon überzeugt, dass die Investmentbank wieder hohe Gewinne einfahren werde. "Ich bin überzeugt, dass wir eine Investmentbank haben, die in guten Jahren 3 bis 4 Milliarden Franken Vorsteuergewinn erzielen kann", sagte er der Neue Luzerner Zeitung Online. Weiter voran gekommen sind die Schweizer bei ihrem Ziel, die risikogewichteten Aktiva im Investmentbanking zu reduzieren. Diese wurden um 31 Milliarden US-Dollar auf nun 169 Milliarden Dollar gesenkt.

Mit Veröffentlichung der Drittquartalszahlen kündigte die Bank neben anderen Maßnahmen auch strukturelle Veränderungen im Zinsgeschäft an. Die Restrukturierung und eine Vereinfachung in dem Bereich sollen die Profitabilität steigern. "Angesichts der jüngsten Entwicklungen, insbesondere der strengeren regulatorischen Auflagen in Bezug auf die Leverage Ratio und der zunehmenden Bedeutung des elektronischen Handels im Markt, halten wir eine Anpassung des Geschäftsmodells im Zinsgeschäft für sinnvoll", so die Bank.

Vermögensverwaltung mit Hochs und Tiefs

Im Bereich Private Banking & Wealth Management erreichte der Nettoertrag wie im Vorjahr 3,3 Milliarden und das Ergebnis vor Steuern 1,02 Milliarden Franken. Im Vorjahr berichteten die Schweizer ein Ergebnis vor Steuern von 936 Millionen Franken. Die Credit Suisse erklärte, die Erlöse aus strategischen Verkäufen seien durch den schlechteren Zinserfolg geschmälert worden.

Bei den Nettoneugeldern, einer wichtigen Kennziffer im Vermögensmanagement, ging es allerdings aufwärts. In dem Dreimonatszeitraum erreichten diese 8,1 Milliarden Franken. Im Vorjahr waren der Credit Suisse nur 5,3 Milliarden Franken und im Vorquartal 7,6 Milliarden Franken zugeflossen. Das bedeutet, dass Kunden ihr Geld wieder verstärkt bei der Bank neu anlegen.

Im grenzüberschreitenden Geschäft in Westeuropa zogen die Kunden allerdings ihre Gelder ab. Hohe Geldzuflüsse berichteten die Schweizer in der Vermögensverwaltung bei Produkten mit hohen Margen und aus den Wachstumsmärkten. Auch die Superreichen (Ultra-High-Net-Worth-Individuals) brachten ihr Vermögen wieder verstärkt zur Credit Suisse.

Zum Stand des Sparprogramms hieß es von der Credit Suisse, bis zum Ende des dritten Quartals seien bereits 3 Milliarden Franken eingespart worden. Die Credit Suisse wollte ursprünglich bis Ende 2015 Einsparungen von 4,4 Milliarden Franken schaffen und hat dieses Ziel am Donnerstag auf 4,5 Milliarden Franken erhöht. Die neue Restrukturierung soll diese weitere Einsparung ermöglichen.

Quelle: n-tv.de

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