Wirtschaft
Wie geht es den US-Banken?
Wie geht es den US-Banken?(Foto: AP)

1000 Investmentbanker müssen gehen: JP Morgan "trickst" in Bilanz

Es ist ein erster Hinweis auf die Widerstandskraft der Geldhäuser in den USA: Als erste unter den großen Wall-Street-Banken legt JP Morgan Chase ein Zwischenergebnis zum dritten Quartal vor. Eilig suchen Analysten nach Hinweisen auf drohende Probleme - und werden fündig.

Die Schatten der Euro-Schuldenkrise reichen über den Atlantik: Die US-Großbank JP Morgan Chase bekommt die Flaute im Investmentbanking deutlich zu spüren. Die Erlöse im Kapitalmarkt-Geschäft schrumpften im dritten Quartal um fast ein Drittel, obwohl die Bank sich weltweit auf Platz eins der größten Investmentbanken behauptete. Unternehmen zögern wegen der Unsicherheit mit Übernahmen oder Kapitalerhöhungen. Im Handel mit Aktien und Anleihen büßte die Bank 14 Prozent ein. In den nächsten eineinhalb Jahren sollen nun 1000 Investmentbanker gehen, wie Vorstandschef Jamie Dimon ankündigte. Bei Banken stehen wegen der Krise zehntausende Stellen auf der Kippe.

"Unser Privatkundengeschäft hat eine gute Leistung gezeigt."
"Unser Privatkundengeschäft hat eine gute Leistung gezeigt."(Foto: dapd)

Nur ein technischer Bilanzeffekt hielt den Gewinnrückgang in Grenzen: Das Nettoergebnis sank nur um 4 Prozent auf 4,3 Mrd. Dollar. Ohne Sondereffekte hätte JP Morgan rund ein Viertel weniger verdient als ein Jahr zuvor. Dimon gab sich bescheiden: "Alles in allem glauben wir, dass die Rendite im gegenwärtigen Umfeld annehmbar war." Die Anleger gaben ihm die Quittung: Die JP-Morgan-Aktie rutschte um 3,5 Prozent ab und riss die Papiere anderer Investmentbanken mit nach unten.

Ackermann rudert zurück

Die Zahlen sind schlechte Vorzeichen für die Konkurrenten, die nächste Woche über das dritte Quartal berichten wollen. "Der zugrundeliegende Trend ist ziemlich gedämpft für JP Morgan, und ich sehe keinen Grund, warum das bei Goldman oder Morgan Stanley anders sein sollte", sagte Analystin Nancy Bush von SNL Financial.

Auch die Deutsche Bank hatte sich der Zurückhaltung der Investoren nicht entziehen können. Vorstandschef Josef Ackermann sprach von einem enttäuschenden Kapitalmarktgeschäft und nahm Abstand von seinem großen Ziel, mit dem Branchenprimus im Jahr vor seinem Abschied 10 Mrd. Euro vor Steuern zu verdienen. Bei der Deutschen Bank müssen 500 Investmentbanker gehen.

Aktienrückkauf und noch etwas mehr

Ein paradoxer Bilanzeffekt hübschte die Bilanz von JP Morgan allein um 1,9 Mird. Dollar auf. Die Bank darf ihre eigenen Verbindlichkeiten - etwa Derivate - in ihren Büchern geringer bewerten, weil die Anleger im Vergleich zu US-Staatspapieren höhere Risikoaufschläge dafür zahlen. Ähnliche Entwicklungen bei ihren Kunden kosteten die Bank fast 700 Mio. Dollar Abschreibungen. Ohne Sondereffekte wäre der Gewinn um rund ein Viertel gesunken, im Investmentbanking wäre weniger als eine Milliarde Dollar übrig geblieben. Im Private-Equity-Geschäft verlor JP Morgan durch Wertverluste ihrer Investments mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Ein milliardenschwerer Aktienrückkauf besänftigte die Investoren etwas: Im dritten Quartal kaufte JP Morgan eigene Papiere für 4,4 Mrd. Dollar - mehr als sie verdient hatte. "Das zeigt ein gewisses Selbstvertrauen. Sie erwarten keine Liquiditätsklemme", sagte Chefstratege David Dietze von Point View Wealth Management. "Wir haben riesige Mengen an Kapital", sagte Dimon vor Analysten.

Eine Milliarde für Rückstellungen

Mut macht Dimon ein Kreditwachstum von einem Prozent. Die US-Konjunktur entwickle sich besser als gedacht: "Die Erholung ist noch da", sagte er. Die vor der Finanzkrise vergebenen Hypothekenkredite, die die Häuslebauer nicht mehr zurückzahlen können, belasten die Bank aber weiter. Rechtsstreitigkeiten kosteten JP Morgan allein im dritten Quartal 1 Mrd Dollar. Und Dimon rechnet nicht mit einem deutlichen Rückgang der Ausfallraten.

Konzilianter als zuletzt gab sich der JP-Morgan-Chef zu den künftigen Kapitalregeln. Die Bank arbeite hart daran, alle Anforderungen des komplexen Regelwerks zu erfüllen, sagte er. Vor kurzem hatte Dimon noch gewettert, Basel III sei "unamerikanisch" und sollte nicht eingeführt werden. Nach den ab 2013 geltenden Regeln wäre JP Morgan im dritten Quartal auf eine Kernkapitalquote von 7,7 Prozent gekommen - nach dem in den USA noch geltenden Basel I waren es 9,9 Prozent.

Ihre Zwischenbilanz veröffentlicht hat. Wegen ihrer breiten Aufstellung gilt sie als Barometer für die gesamte Branche. In der kommenden Woche legen unter anderem die Citigroup, die Bank of America und Goldman Sachs ihre Zahlen vor. Die Deutsche Bank hat ihre Zwischenbilanz für den 25. Oktober angekündigt.

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Quelle: n-tv.de

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