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Euphorie sieht anders aus: Anleger trauen Solarworld-Rettung nicht

Von Thomas Badtke

Als "Quasi-Enteignung" bezeichnen Aktionärsschützer den Solarworld-Rettungsplan. Sie sagen aber auch, dass er "alternativlos" sei. Während Firmengründer und Unternehmenschef Asbeck bereits von einer erfolgreichen Zukunft träumt, halten sich die Aktionäre spürbar zurück.

Den ersten Tag nach der abgewendeten Pleite und dem proklamierten "Neuanfang" haben die Aktien von Solarworld mit einem Minus abgeschlossen. Zum Handelsende lagen die Papiere in einem positiven Marktumfeld rund 1,8 Prozent tiefer. Das lässt darauf schließen, dass die Skepsis am Markt überwiegt, dass das Unternehmen mehr braucht als nur einen Schuldenschnitt und einen Neuanfang unter alter Führung.

Die Aktionäre hatten bei einer außerordentlichen Hauptversammlung mit 99,1 Prozent dem von Asbeck vorgeschlagenen Rettungsplan zu. Den Großteil der Aktien sollen künftig Banken und andere Geldgeber halten. Sie verzichten im Gegenzug auf rund 55 Prozent ihrer Forderungen.

Die Restrukturierung sieht auch eine Kapitalerhöhung vor, bei der Solarworld-Gründer Frank Asbeck den Gläubigern rund 10 Mio. Euro zahlt, um nach dem Umbau des Unternehmens über 20,9 Prozent der Aktienanteile zu verfügen. Das katarische Partner-Unternehmen Qatar Solar will rund 36 Mio. Euro für 29 Prozent der Anteile zahlen.

Kritik an Asbeck

Die Umsetzung des Konzepts für das hoch verschuldete Unternehmen soll im Februar 2014 abgeschlossen sein. Nunmehr kann der Schuldenberg von 900 Mio. Euro um mehr als die Hälfte gedrückt werden. Unzufriedene Anleger Aktionäre könnten allerdings eine Gefahr für den Sanierungsplan darstellen. Mehrere Anteilseigner hatten bereits während der außerordentlichen Hauptversammlung Widersprüche eingelegt.

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Asbeck selbst sprach dennoch von einem "neuen Geburtstag" für das von ihm vor 15 Jahren gegründete Unternehmen, noch immer Deutschlands größter Solarkonzern. Asbeck, einst als Deutschlands "Sonnenkönig" gefeiert, musste auf der zwölfstündigen Marathonsitzung viel Kritik einstecken. Er soll dennoch das Unternehmen bis 2019 führen.

Skepsis überwiegt

Experten sagen Solarworld auch nach der Rettung eine schwierige Zukunft voraus. Die Gründe dafür sind nicht neu: Preisverfall und Überkapazitäten sowie Förderkürzungen und die chinesische Konkurrenz machen Solarworld seit längerem zu schaffen. Die Verluste nagten immer mehr am Grundkapital: Zum Ende der ersten Jahreshälfte hatte der Solarkonzern noch rund 162 Mio. Euro in der Kasse. Ende 2012 lagen die liquiden Mittel noch bei 224 Mio. Euro. Das Unternehmen habe mit guter Qualität eine Zukunft und sei wettbewerbsfähig, versicherte Asbeck aber den Aktionären.

Die Aktionäre müssen für die Sanierung einen drastischen Kapitalschnitt von unterm Strich 95 Prozent schlucken und fast sämtliche Anteile abgeben. Nach Ansicht von Aktionärsschützern war die Entscheidung der Aktionäre "alternativlos", da den Anteilseignern im Falle einer Insolvenz ein Totalverlust gedroht hätten. Von einer "Quasi-Enteignung" sprach die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sogar.

Jobs vorerst sicher

Warnende Beispiele gab es am deutschen Solarmarkt zuletzt genug: So mussten Konkurrenten wie Conergy und Q-Cells etwa Insolvenz anmelden. Bosch steigt nach Milliardeninvestitionen und -wertberichtigungen aus dem Solargeschäft aus. Tausende Jobs wurden in der Branche abgebaut.

Solarworld beschäftigt am Hauptproduktionsstandort im sächsischen Freiberg, einem weiteren Werk in den USA und in der Bonner Zentrale noch rund 2600 Mitarbeiter. In Spitzenzeiten waren es insgesamt einmal 3500. Der Aktienkurs lag zu Hochzeiten weit über 45 Euro. Am Ende von Tag des Neuanfangs waren es gerade einmal 0,51 Cent.

Quelle: n-tv.de

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