Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Trauerfall bei der Deutschen Bank: Jain-Vertrauter Broeksmit ist tot

Die Deutsche Bank trauert um eine prominente Persönlichkeit. In London verliert Deutschlands größtes Geldhaus einer internen Mitteilung zufolge einen der "Gründer der Investmentbank". William Broeksmit - einst als Risikovorstand im Gespräch - stirbt im Alter von nur 58 Jahren.

Ein enger Vertrauter von Deutsche-Bank-Chef Jain ist tot. William Broeksmit ist am Wochenende im Alter von 58 Jahren in seiner Londoner Wohnung gestorben, wie ein Sprecher der Bank auf Anfrage bestätigte. Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen hatten zuvor in einer internen Mitteilung über den Todesfall informiert. In dem Schreiben würdigten die beiden Co-Chefs die Verdienste Broeksmits, der in den Jahren von 1996 bis 2001 sowie von 2008 bis zu seiner Pensionierung für das Haus tätig war. Zuletzt leitete er den Bereich Risiko- und Kapitalmanagement.

Zu den Hintergründen seines Todes wollte sich die Bank nicht weiter äußern. Broeksmit war im Februar 2013 in den Ruhestand gewechselt. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Bank-Manager durch eine eher ungewöhnliche Personalie bekannt: Im Jahr 2012 sollte er eigentlich Risikovorstand der Deutschen Bank werden, wurde aber wegen mangelnder Führungserfahrung von der Finanzaufsicht Bafin abgelehnt. Seine fachliche Eignung im Bereich Risikosteuerung stand dabei außer Zweifel, hieß es. Als unzureichend sei lediglich seine organisatorische Erfahrung mit Leitungsaufgaben auf Konzernebene bemängelt worden.

Seine Ablehnung durch die Aufseher galt dennoch als außergewöhnlich harsche Maßnahme. In Bankenkreisen war damals von einem Eklat zwischen Deutschlands größtem Kreditinstitut und den Bonner Aufsehern die Rede. Üblicherweise werden Personalentscheidungen von dieser Tragweite hinsichtlich ihrer Außenwirkung gegenüber Markt und Aufsichtsbehörden sorgsam abgeklopft. Der Einspruch der Bafin kam offensichtlich überraschend.

Eklat zwischen Bank und Bafin

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Unklar blieb, ob das damalige Broeksmit-Veto der Finanzaufsicht letztlich auf mangelnde Vorbereitung auf Seiten der Bank oder auf etwaige übergeordnete Beweggründe auf Seiten der Aufseher zurückging. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht galt lange Zeit als sprichwörtlich "zahnloser Tiger", der den Strömungen der Finanzbranche insbesondere im Vorfeld der großen Lehman-Krise zu wenig Widerstand und Aufsichtsmacht entgegengesetzt habe.

Ein solcher Rechtfertigungsdruck könnte das bemerkenswert undiplomatische Veto ausgelöst haben, hieß es aus Branchenkreisen. Die neue harte Linie der Aufseher habe die Bank im Jahr 2012 - also vier Jahre nach dem Ausbruch der bislang gefährlichsten Erschütterungen im Finanzmarkt - zu spüren bekommen. Womöglich, so mutmaßen Beobachter, wollte die Bafin gerade bei der mächtigen Deutsche Bank ein Exempel statuieren. Die Konzernführung habe auf die harte Tour lernen müssen, hieß es, dass mit der - oft als verspotteten - Bonner Behörde nicht zu spaßen ist.

Am Ende der Ära Ackermann

Noch vor dem Amtsantritt der Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen durchkreuzten die Bankenaufseher Pläne, den Jain-Vertrauten Broeksmit zum Risikovorstand zu machen. Nach dem Veto aus Bonn musste die Bank unter dem scheidenden Konzernchef Josef Ackermann einen neuen Kandidaten finden.

Hauptleidtragender der Entscheidung blieb in jedem Fall Broeksmit. Seine Karriereaussichten als außenwirksame Führungskraft einer Bank dürften durch diese Ereignisse nach Auffassung von Beobachtern erheblich Schaden genommen haben.

Broeksmit und Jain hatten bereits in den 1990er Jahren bei der US-Investmentbank Merrill Lynch zusammengearbeitet. 1996 wechselte Broeksmit zur Deutschen Bank, die damals unter Edson Mitchell ihr Investmentbanking auf- und ausbaute. Jain und Fitschen würdigten ihn in der internen Mitteilung als "einen der Gründer unserer Investmentbank". 2001 verließ Broeksmit die Bank kurz nach dem Tod Mitchells, um 2008 zurückzukehren.

Quelle: n-tv.de

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