Wirtschaft
JAL heben künftig auch in Airbus-Maschinen ab
JAL heben künftig auch in Airbus-Maschinen ab(Foto: picture alliance / dpa)

Milliardenauftrag für Airbus: Japan Airlines wechselt Marke

Aufregung in der Luftfahrtbranche: Einer der treuesten Kunden von Boeing wechselt zu Airbus. Seit Jahrzehnten setzen japanische Fluggesellschaften fast ausschließlich auf Boeing-Maschinen. Jetzt wurde das konstante Buhlen von Airbus um Japan Airlines mit einem mehrere Milliarden Dollar schweren Auftrag belohnt.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat von Japan Airlines (JAL) einen Auftrag im Volumen von 9,5 Milliarden Dollar erhalten. Damit stößt Airbus auf ein Terrain vor, das bislang exklusiv von dem US-Konkurrenten Boeing gehalten wurde.

Bei den fest bestellten Flugzeugen handelt es sich um 18 Exemplare der Standardversion A350-900 und 13 der Langversion A350-1000. Die Auslieferung soll im Jahr 2019 anlaufen. Außerdem habe sich das japanische Unternehmen Optionen für weitere 25 Maschinen gesichert. Der Kaufpreis ist nur als Größenordnung zu verstehen: Bei Flugzeugbestellungen sind Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich.

Airbus-Chef Fabrice Bregier sagte, der Auftrag von JAL gebe seinem Unternehmen Schwung, bei der Entwicklung von Modellen mit anderen japanischen Firmen zusammenzuarbeiten. Es sei ihm ein Herzensanliegen gewesen, den Großauftrag auf dem traditionellen Boeing-Markt zu bekommen. "Das ist ein riesiger Gewinn für Airbus und ein großer Verlust für Boeing", sagte Luftfahrt-Analyst Scott Hamilton aus Seattle.

Bei dem US-Konzern kam der jüngste Airbus-Auftrag nicht gut an. Boeing zeigte sich auf Nachfrage "enttäuscht" von der Entscheidung der JAL. Allerdings erwarte Boeing, dass die Partnerschaft mit den Japanern weitergeht. JAL betreibt bislang 166 Boeing-Jets.

An dem Zuschlag für Airbus zeigt sich bislang am deutlichsten, wie sich die jahrelangen Verzögerungen bei dem Boeing-Hoffnungsträger Dreamliner längerfristig auf die Beziehungen zu treuen Boeing-Kunden wie JAL auswirken. Der 787 Dreamliner liegt dreieinhalb Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Die japanische Airline war der zweite Kunde.

Die Spannungen mit Boeing hatten sich Anfang des Jahres zugespitzt, als die Dreamliner wegen technischer Probleme am Boden bleiben mussten. JAL-Manager stellten daraufhin öffentlich die langjährige und exklusive Beziehung der Fluggesellschaft mit Boeing in Frage. Die EADS-Tochter Airbus hat sowohl Japan Airline als auch All Nippon Holdings jahrzehntelang aggressiv umworben, konnte von ihnen bislang aber nur Bestellungen für eine Handvoll A320-Kurzstreckenflieger erhalten.

Treue Kundschaft seit Jahrzehnten

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Boeings Partnerschaft mit den japanischen Fluggesellschaften besteht bereits mehr als ein halbes Jahrhundert. Seit den Anfangszeiten der Luftfahrt haben die Fluggesellschaften des Landes fast jedes Modell des US-Herstellers geflogen. Aus Sicht der Japaner positiv war dabei, dass Boeing bei den drei letzten neuen Langstreckenmaschinen mit japanischen Zulieferern zusammengearbeitet hat. Wertmäßig trugen japanische Unternehmen 35 Prozent zu dem 787 Dreamliner bei, unter anderen bei den Flügeln und mehreren Teilen des Rumpfes.

JAL ist eine der letzten Fluggesellschaften weltweit - neben dem heimischen Wettbewerber All Nippon Airlines (ANA) - der noch so stark von nur einem großen Flugzeughersteller abhängig ist. Die ANA-Flotte besteht zu 7 Prozent aus Airbus-Maschinen. Ihre Kreditgeber drängen die Fluggesellschaften immer mehr dazu, sich weniger abhängig zu machen.

Boeings starke Marktstellung in Japan geht auf die Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. In den 1970er und 1980er Jahren hatte die Regierung des Landes die Fluggesellschaften dazu gedrängt, in großem Stil Flugzeuge aus US-Produktion zu kaufen, teilweise auch, um ein damals riesiges Handelsungleichgewicht mit den USA auszugleichen.

Airbus dringt langsam ein

Seit einiger Zeit mehren sich aber die Zeichen, dass Airbus langsam in den japanischen Markt eindringt. So hat der europäische Hersteller kleine Aufträge von schnell wachsenden Fluggesellschaften gewonnen, unter anderem bei von ANA gegründeten Billigfluggesellschaften.

Zuvor in diesem Jahr hatte Airbus erklärt, 44 seiner Flugzeuge flögen in Japan. Und es kommen mehr dazu, darunter der Doppeldecker-Jumbo Airbus A380, den die Fluggesellschaft Skymark Airlines 2014 in Betrieb nehmen will.

Kurz vor Beginn des Schlussquartals hat Airbus bei den Nettoaufträgen für neue Maschinen gegenüber Boeing die Nase vorn. Der europäische Hersteller hat netto 1062 Aufträge ergattert, bei dem US-Erzrivalen waren es bis Ende September 890. Boeing hatte Airbus 2012 die Top-Position abgejagt und erstmals seit über zehn Jahren mehr Aufträge und Auslieferungen verzeichnet als Airbus.

Quelle: n-tv.de

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