Wirtschaft
Die Japaner halten ihr Geld zusammen.
Die Japaner halten ihr Geld zusammen.(Foto: AP)

Druck auf Regierung wächst: Japans BIP bricht ein

Die Japaner reagieren auf die Mehrwertsteuererhöhung und konsumieren im zweiten Quartal deutlich weniger. Das hat Auswirkungen auf das Wachstum. Von der Regierung Abe werden nun weitere Stimulierungsschritte erwartet.

Die japanische Wirtschaftsleistung ist im zweiten Quartal als Folge der Mehrwertsteuererhöhung von April wie erwartet kräftig geschrumpft. Vor allem die Zurückhaltung der Verbraucher sorgte für den aufs Jahr hochgerechneten Rückgang von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Nach Meinung von Volkswirten wird dies den Druck auf die Regierung erhöhen, neue Stimulierungsmaßnahmen aufzulegen.

Analysten hatten eine mit 7,1 Prozent noch etwas stärkere Kontraktion vorhergesagt. Allerdings zeigten die veröffentlichten Daten einen über Erwarten kräftigen Einbruch des privaten Verbrauchs. Da auch die Lagerbestände zunahmen, hat dies bei Beobachtern Sorgen über die für das laufende Quartal erwartete Erholung der japanischen Konjunktur genährt.

Nach der Anhebung der Umsatzsteuer auf 8 von 5 Prozent zum 1. April war ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) allgemein erwartet worden. Ministerpräsident Shinzo Abe und andere führende Politiker hatten den Einbruch bereits im Vorwege als vorübergehend klassifiziert.

Sollten sie mit dieser Einschätzung allerdings falsch liegen, wird sich die Regierung mit Forderungen nach weiteren Konjunkturprogrammen konfrontiert sehen. Dann stehe auch die zweite Stufe der Mehrwertsteuererhöhung auf 10 Prozent, die für Oktober 2015 geplant ist, auf dem Prüfstand, sagen Volkswirte.
Investoren sollten sich darauf einstellen, dass die japanische Wirtschaft länger als bislang gedacht schwächeln wird, sagt Yasunari Ueno, Volkswirt bei Mizuho Securities. "Die entscheidende Frage ist, wie stark sich die Wirtschaft im dritten Quartal erholen wird. Ist die Belebung schwach, wird dies die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Abe im Dezember die nächste Steueranhebung verschieben wird."

Regierung beruhigt

In den ersten drei Monaten des Jahres war die Wirtschaft noch mit annualisiert 6,1 Prozent gewachsen. Vor allem die vorgezogenen Großeinkäufe der Verbraucher von teureren Produkten wie Autos oder Haushaltsgeräten hatten ihr einen Schub gegeben.

Kabinettsmitglieder reagierten mit beruhigenden Worten auf die Daten. Diese änderten nichts an der grundsätzlichen Auffassung der Regierung, dass sich die Konjunkturlage stetig verbessern werde, sagte Wirtschaftsminister Akira Amari. Er sehe derzeit keine Notwendigkeit für zusätzliche Staatsausgaben.

Volkswirte zeigten sich vor allem von dem 5-prozentigen Rückgang im privaten Verbrauch alarmiert. Die höhere Umsatzsteuer belaste die Haushalte spürbar, da sie nun bei ihren täglichen Einkäufen stärker zur Kasse gebeten werden, ohne dass ihnen höhere Einkommen zur Verfügung stünden.

Geringeres Exportvolumen

Weiterer Sorgenpunkt sind die Exporte, die hinter den Erwartungen zurückblieben, obwohl der Yen seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Abe abgewertet hat. Sie sanken um real 0,4 Prozent im Quartalsvergleich. Dass der Außenbeitrag mit 1,1 Prozentpunkten dennoch positiv auf das BIP wirkte, lag nur an dem gleichzeitigen Importrückgang.

Viele japanische Unternehmen produzieren inzwischen verstärkt im Ausland. Das erklärt, warum die Firmen auf der einen Seite zuletzt gute Ergebnisse präsentiert haben, andererseits die inländische Nachfrage flau war.

Allerdings gibt es erste Signale, dass die Effekte der Mehrwertsteuererhöhung abflauen. So legte der Index des Verbrauchervertrauens im Juli auf 41,5 von 41,1 im Vormonat zu, zugleich der dritte Anstieg in Folge. Dazu gibt es beruhigende Worte aus der Wirtschaft. "Der Rücksetzer durch die höhere Umsatzsteuer", so der Präsident von Sharp Corp, Kozo Takahashi, "war geringer als wir befürchtet haben."

Quelle: n-tv.de

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