Wirtschaft
Der Nikkei legte zu, nachdem die BOJ den Strafzins einführte hatte.
Der Nikkei legte zu, nachdem die BOJ den Strafzins einführte hatte.(Foto: imago/AFLO)

Geld verleihen statt parken: Japans Zentralbank führt Strafzinsen ein

Die japanische Wirtschaft steckt seit fast zwei Jahrzehnten in der Deflation. Um die Preise zu steigern und damit die Wirtschaft anzukurbeln, führt die Zentralbank jetzt negative Zinsen für Banken ein.

In Japan führt die Zentralbank zur Ankurbelung der Wirtschaft negative Zinsen ein. Nach zweitägigen Beratungen gab die Bank of Japan (BOJ) bekannt, dass künftig ein Negativzins von 0,1 Prozent erhoben wird. Bei einem negativen Einlagezins müssen Banken eine Gebühr bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der Zentralbank parken, statt es an Unternehmen oder private Haushalte zu verleihen. An den Finanzmärkten führte die BOJ-Entscheidung vorübergehend zu einem deutlichen Anstieg des Nikkei, später rutschte er allerdings wieder ins Minus. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen sank zugleich auf das Rekordtief von 0,185 Prozent.

Die japanische Zentralbank kämpft darum, nach fast zwei Jahrzehnten der Deflation mit stetig fallenden Preisen eine Inflation von zwei Prozent zu erreichen. Dies gestaltet sich jedoch nicht zuletzt wegen des fallenden Ölpreises als schwierig. Nun verschob die BOJ das Ziel erneut nach hinten und peilt es für die erste Hälfte des Fiskaljahres 2017/2018 an, das am 1. April beginnt. Die japanische Zentralbank hatte zuvor bereits aggressiv Staatsanleihen eingekauft, um die Deflation dauerhaft zu überwinden und die Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

In Marktkreisen war der Druck auf die Notenbank der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt zuletzt gewachsen, die Geldpolitik zu lockern. Hintergrund sind der geringe Preisanstieg im Inland und die Flaute beim größten Handelspartner China. Sinkende Preise gelten als problematisch, weil Unternehmen daraus ebenso sinkende Umsätze folgern und als Konsequenz darauf verzichten könnten, zu investieren.

Um der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen, hat bereits eine Reihe von Zentralbanken Strafzinsen eingeführt, darunter die EZB. Sie verlangt 0,3 Prozent für Geld, das Banken über Nacht bei ihr parken. Umstritten sind negative Zinsen vor allem, weil Schuldenstaaten für ihre Schulden dann keine Zinsen mehr zahlen, sondern im Gegenteil noch Schulden abbauen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen