Wirtschaft
Mit seiner Luftwaffe hat Saudi-Arabien die jemenitische Hauptstadt Sanaa angegriffen.
Mit seiner Luftwaffe hat Saudi-Arabien die jemenitische Hauptstadt Sanaa angegriffen.(Foto: REUTERS)

Sorge um das "Tor der Tränen": Jemen-Konflikt treibt die Ölpreise

Von Kai Stoppel

Der Konflikt im Jemen eskaliert. Nach dem militärischen Eingreifen Saudi-Arabiens schnellen die Ölpreise in die Höhe. Dabei fördert der Jemen weniger Öl als Dänemark. Für den Rohstoff-Markt ist die geografische Lage des Landes entscheidender.

Der Ölpreis ist wie aufgeschreckt in die Höhe gesprungen: Um knapp fünf Prozent verteuerte sich der Preis für Rohöl aus den USA auf 52,46 Dollar. Die europäische Sorte Brent - aus Sicht vieler die Leitwährung auf dem Ölmarkt - legte in der Spitze um mehr als vier Prozent auf 59,65 Dollar zu.

Auslöser für den Kurssprung war die Eskalation im Jemen: In der Nacht hatte Saudi-Arabien zusammen mit arabischen Verbündeten damit begonnen, die schiitische Huthi-Miliz in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa mit Kampfflugzeugen zu bombardieren. Die Rebellen kontrollieren Sanaa seit September und hatten mit ihrem weiteren Vormarsch gen Süden zuletzt Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi weiter unter Druck gesetzt. Saudi-Arabien aber will die "legitime Regierung" von Hadi schützen: Nun droht sogar eine Invasion mit Bodentruppen aus dem Königreich.

Aber warum beeinflusst die Intervention der Saudis im Jemen den Ölpreis in dieser Weise? Schließlich ist der kleinere Nachbar am südwestlichem Zipfel der arabischen Halbinsel ein vergleichsweise unbedeutender Ölproduzent. 2013 wurden im Jemen gerade mal 160.000 Fass (je 159 Liter) Rohöl am Tag gefördert, weniger als in der Nordsee vor Dänemark. Jemen hatte damit einen Anteil von weniger als 0,2 Prozent an der gesamten Rohölproduktion auf der Welt. Saudi-Arabien hingegen förderte im selben Jahr 11,5 Millionen Barrel pro Tag.

Jemen liegt an bedeutender Transportroute

Schiffsterminal im jemenitsche Aden - der arabische Staat liegt an einer für den Transport von Rohöl bedeutenden Meerenge.
Schiffsterminal im jemenitsche Aden - der arabische Staat liegt an einer für den Transport von Rohöl bedeutenden Meerenge.(Foto: REUTERS)

Der Grund für die Kursreaktion ist weniger die Bedeutung Jemens als Ölproduzent, als vielmehr seine geografische Lage: Der bereits seit Längerem von bewaffneten Konflikten geschüttelte Staat ist nicht nur Nachbar des weltgrößten Ölproduzenten Saudi-Arabien, er liegt zusätzlich noch am Bab al-Mandab, dem "Tor der Tränen" - eine gerade mal 27 Kilometer breite Meeresstraße, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet.

Laut der US Energy Information Administration (EIA) ist der Bab al-Mandab die viertbedeutendste Route für Rohöl-Transporte in der Welt: Im Jahr 2013 wurden 3,8 Millionen Barrel Rohöl per Tanker durch das Nadelöhr transportiert. Sollte es blockiert werden - etwa durch eine Saudi-Arabien feindlich gesinnte Regierung aus Huthi-Rebellen - könnten Öltanker aus dem persischen Golf davon abgehalten werden, den Suez-Kanal und die Sumed-Pipeline (die vom Roten Meer nach Alexandria führt) zu erreichen. In diesem Fall müssten Öltanker die wesentlich längere und damit teurere Ausweichroute um das Horn von Afrika nehmen. Laut EIA würde eine - auch kurzzeitige - Blockade des Bab al-Mandab daher zu einem "beträchtlichen Anstieg der Energiekosten und der Energiepreise auf der ganzen Welt" führen, so die Energieagentur.

Öl immer noch halb so teuer wie vergangenes Jahr

"Die eskalierende Situation im Jemen wird in erster Linie als Bedrohung für den internationalen Schiffsverkehr und die Rohöl-Transporte gesehen", zitiert die Agentur Bloomberg den geopolitischen Analysten Theodore Karasik. Seiner Meinung nach gebe es vor allem die Sorge, ein chaotischer Jemen könne zu einer Basis für Piraten werden, welche die Öltanker im "Tor der Tränen" zum Ziel haben könnten.

Angesichts dieser potenziellen Gefahr ist der jetzige Preisanstieg des Rohöls womöglich nur ein Vorgeschmack. Doch bei aller Sorge: Öl ist derzeit immer noch vergleichsweise günstig. Die Nordsee-Sorte Brent etwa hat im vergangenen Sommer in der Spitze noch 115 Dollar das Fass gekostet - fast doppelt so viel wie heute.

Quelle: n-tv.de

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