Wirtschaft
Abschied von der Bundesbank: Axel Weber.
Abschied von der Bundesbank: Axel Weber.(Foto: picture alliance / dpa)

Wechsel an der Bundesbank-Spitze: Jens Weidmann übernimmt

Mit dem letzten Werktag im April steht an der Spitze der Bundesbank ein lang geplanter Wechsel an: Bundespräsident Wulff überreicht dem scheidenden Währungshüter Weber die Entlassungsurkunde. Für seinen Nachfolger Jens Weidmann wird es nun ernst.

Neues Amt, neues Glück: Jens Weidmann.
Neues Amt, neues Glück: Jens Weidmann.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wechsel an der Spitze der Deutschen Bundesbank: Bundespräsident Christian Wulff überreicht dem früheren Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Jens Weidmann, am letzten Arbeitstag im April die Ernennungsurkunde zum Präsidenten der Notenbank. Gleichzeitig erhält Axel Weber seine Entlassungsurkunde. Weber führte die Bundesbank seit 2004. Er war lange als Kandidat für die Nachfolge von EZB-Chef Jean-Claude Trichet gehandelt worden. Mit seiner Kritik am EZB-Krisenmanagement in der Staatsschuldenkrise hatte er sich jedoch international isoliert und kündigte schließlich seinen Rückzug an. Weidmann tritt den Spitzenposten offiziell am kommenden Montag bei einem Festakt in Frankfurt an.

Für Weidmann wird es damit ernst: Er rückt als neuer Bundesbank-Präsident aus dem Schatten des Kanzleramts ins Rampenlicht. Als Abteilungsleiter für Geldpolitik war er 2006 von den Frankfurter Notenbankern an Kanzlerin Angela Merkel ausgeliehen worden. Nun nimmt er in Schloss Bellevue von Bundespräsident Christian Wulff seine Ernennungsurkunde als neue Nummer eins der Bundesbank entgegen.

Für die Bundeskanzlerin ist der 29. April wohl eher kein Festtag. Dass sie so rasch auf ihren bewährten Chefberater in Wirtschafts- und Finanzfragen verzichten muss, traf sie unvorbereitet. Und so richtig gefüllt hat sie die durch den Weggang Weidmanns gerissene Lücke auch gut zwei Monate danach noch nicht. Das ist umso schmerzhafter, als es die Kanzlerin nicht nur wegen der Energiewende nach der Atomkatastrophe in Japan mit der Wirtschaft momentan alles andere als leicht hat.

Geldpolitische Fußstapfen

Seinen 43. Geburtstag feierte Weidmann erst vor wenigen Tagen. Damit wird er der mit Abstand jüngste Mann, der je an der Spitze der Deutschen Bundesbank stand. Seit er Mitte Februar zum Nachfolger seines alten wissenschaftlichen Mentors und nunmehrigen Amtsvorgängers Axel Weber gekürt wurde, ist der immer akkurat gekleidete und gescheitelte Spitzenbeamte, den bisher nur die Insider im Gefolge von Merkel wahrnahmen, wie vom Erdboden verschwunden.

Wechsel in unsicheren Zeiten: Die Bundesbank hat einen Ruf als Stabilitätsgarant zu verteidigen.
Wechsel in unsicheren Zeiten: Die Bundesbank hat einen Ruf als Stabilitätsgarant zu verteidigen.(Foto: dapd)

Vermutlich bereitete sich der freundliche, jungendlich wirkende Familienvater gewissenhaft auf sein schwieriges Amt vor. Ab Montag dann, nach der feierlichen Amtseinführung, steht er im Feuer: ohne Netz und doppelten Boden und in schwierigen Zeiten für Europas gemeinsame Währung.

Weidmann werde ein ausgezeichneter Präsident der Bundesbank, hatte ihm Merkel schon vor Wochen einen Kranz von Vorschusslorbeeren gewunden. Und Weber, der Merkel mit seinem so misstönenden wie überraschenden Abschiedsakkord erst in diese missliche Lage und Weidmann damit indirekt ins Amt gebracht hatte, nannte ihn einen "hervorragenden Ökonomen".

Doch es gab auch kritische Stimmen - etwa von dem Ex-Notenbankchef Ernst Welteke und aus der Wissenschaft. Zu jung, unerfahren, wissenschaftlich zu farblos - lauteten Vorwürfe. Weidmann wird das verschmerzen können. Er kann für sich in Anspruch nehmen, was kaum einer seiner Kritiker kann: Er war einer der entscheidenden Leute, die Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern die tiefste Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten steuerte.

Die Ex-Chefin zur Ordnung rufen?

Seine Rolle wird nun ganz anders aussehen als die an Merkels Seite. Er wird nicht in ihrem Schatten als ihr "Super-Sherpa" G8- und G20-Gipfel inhaltlich vorbereiten, nicht mehr ihr Mann sein, den sie ins Feuer schicken konnte, wenn es in der Wirtschaft wieder einmal brannte - sei es bei Opel, beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS oder vielem anderen Firmen.

Weidmann muss vielmehr künftig als Bundesbank-Präsident den bissigen Wachhund der Deutschen abgeben, der mit Zähnen und Klauen die Stabilität des Euros und des Währungsraums verteidigt - etwa im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Und er muss dabei im Zweifel auch seine Ex-Chefin und ihrer Regierung zur Ordnung rufen, sogar gegebenenfalls den offenen Konflikt mit ihr riskieren.

Als Wachhund zu freundlich?

Selbst Wohlwollenden fällt schwer, sich den oft lächelnden, parteilosen Weidmann als bissigen, gefährlichen Wachhund vorzustellen. Da scheint ihm Weber - den Beweis hat er geliefert - einiges vorauszuhaben. Weidmann könnte immerhin an den neuen Aufgaben wachsen. Andererseits: im Gegensatz zu Weber in seinen Anfängen weiß Weidmann zur Genüge aus dem Effeff, wie Politik funktioniert. Mit dem Pfund kann er wuchern.

Dass Veränderungen Weidmann nicht schrecken, hat er in seinem Berufsleben zur Genüge bewiesen. Ob im akademischen Raum, ob im Sachverständigenrat, im Internationalen Währungsfonds oder in der Politik - vor Neuem zuckt er nicht zurück.

Und im Gipfel-Geschäft bleibt er ja weiter aktiv: schließlich treffen sich die auch Notenbank-Chefs der G7 und der G20 - parallel zu den Finanzministern - regelmäßig und bereiten dabei unter anderem die "großen Gipfel" der Staats- und Regierungschefs mit vor. Hinzu kommt, dass der Wechsel von Berlin zurück nach Frankfurt Weidmann auch ganz persönlich einen Mehrwert bringt: Er hat wieder seine Familie, die im Rhein-Main-Raum lebt, um sich.

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Quelle: n-tv.de

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