Wirtschaft
Wladimir Jewtuschenkow stehjt unter wegen der Verdächtigungen unter Hausarrest.
Wladimir Jewtuschenkow stehjt unter wegen der Verdächtigungen unter Hausarrest.(Foto: REUTERS)

Moskauer Börse erschüttert: Justiz ermittelt gegen Oligarch Jewtuschenkow

Hat der milliardenschwere Oligarchen Jewutschenko Geld gewaschen und Aktienbetrug begangen? Auf eines seiner Unternehmen soll ein Staatskonzern ein Auge geworfen haben. Seine Verteidiger sprechen von einem zweiten Fall Chordokowski.

Russland hat den Direktoriumschef des Mischkonzerns Sistema wegen Geldwäscheverdachts angeklagt und unter Hausarrest gestellt. Es gebe Hinweise, dass Wladimir Jewtuschenkow an der nachträglichen Legalisierung von widerrechtlich angeeignetem Besitz beteiligt gewesen sei, teilten die Ermittler mit. Er werde außerdem des Aktienbetrugs mit Papieren eines Energieunternehmens verdächtigt. Es gebe "hinreichenden Grund zu der Annahme", dass der schwerreiche Unternehmer in illegale Aktivitäten verstrickt sei. Laut einem von der staatlichen Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierten Gerichtssprecher drohen Jewtuschenkow bis zu sieben Jahre Haft.

Der einflussreiche Unternehmerverband RSPP kritisierte die Vorwürfe als politisch motiviert und verglich den Fall mit dem Schicksal des Regierungskritikers und jahrelang inhaftierten früheren Öl-Oligarchen Michail Chodorkowski. Ein Präsidialamtssprecher wies den Vorwurf umgehend zurück. Der Versuch, dem Fall einen politischen Anstrich zu geben, sei absurd. Jewtuschenkow steht in der Liste des "Forbes"-Magazin der reichsten Russen mit einem Vermögen von rund neun Milliarden Dollar an 15. Stelle.

Unternehmen kündigt Widerstand an

Herzstück von AFK Sistema ist der Mobilfunkanbieter MTS. Außerdem hält der Mischkonzern 78,8 Prozent der Anteile an der Ölgesellschaft Bashneft, die ihren Sitz in der Teilrepublik Baschkortostan im Süden des Urals hat. Auch der russische Tourismus-Marktführer Intourist und die Krankenhausgruppe Medsi gehören zum Firmenreich von AFK Sistema.

Das Unternehmen bezeichnete die nun erhobenen Vorwürfe als "vollkommen unbegründet" und kündigte an, "alle rechtmäßigen Mittel" gegen eine Verurteilung auszuschöpfen. Laut einem von der staatlichen Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierten Gerichtssprecher drohen Jewtuschenkow bis zu sieben Jahre Haft. Der Hausarrest dürfte auch den seit langem gehegten Plänen für einen Bashneft-Börsengang in London einen Rückschlag versetzen.

Sistema hatte Bashneft 2009 gekauft. Seitdem gehört das Unternehmen dank moderner Technologie zu den russischen Ölfirmen mit dem größten Produktionswachstum. Im Juni hatte die Zeitung "Vedomosti" von einem Interesse des russischen Marktführers Rosneft, der vom Putin-Vertrauten Igor Setschin geleitet wird, an Bashneft berichtet.

Aktien brechen ein

Die Festnahme Jewtuschenkows erschüttert die Börse in Moskau. Der Börsenindex Micex verliert 2,2 Prozent, der RTS 1,2 Prozent. Noch deutlicher abwärts geht es mit Aktien von Unternehmen, für die der Milliardär eine entscheidende Rolle spielt, allen voran Sistema. Der Kurs brach zu Beginn des Handels um 30 Prozent ein, ehe die Aktie bei einem Minus von 20 Prozent vorübergehend vom Handel ausgesetzt wurde. Jewtuschenkow ist mit 64 Prozent größter Aktionär der Sistema Holding. Rund 6 Prozent verliert die Aktie von Mobile Telesystems, an der Sistema wiederum mit über der Hälfte beteiligt ist. Der Bashneft-Kurs bricht um 14 Prozent ein.

Mit der Festnahme des Oligarchen dürfte es nun zu einer Änderung der Aktionärsstruktur bei Bashneft kommen, vermuten die Analysten der Sberbank. Mit in den Sog dieser Entwicklung gerieten nun auch Sistema und Unternehmen, an denen Sistema beteiligt sei. Gleichwohl sieht die Sberbank "keinen Grund für negative Implikationen für verbundene Unternehmen" wie Mobile Telesystems".

Quelle: n-tv.de

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