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Logistikstandort mit Bahnanschluss: Der Seehafen Wismar (Archivbild) liefert Salz nach Amerika.
Logistikstandort mit Bahnanschluss: Der Seehafen Wismar (Archivbild) liefert Salz nach Amerika.(Foto: picture alliance / dpa)

Tonnenweise Tausalz für Nordamerika: K+S-Tochter beliefert New York

Das harte Winterwetter in den USA beschert einem Hafen an der deutschen Ostseeküste einen spektakulären Rekord: In Wismar nimmt ein Frachter die bislang größte dort verladene Menge an Frachtgut auf - knapp 26.000 Tonnen Streusalz.

Schnee und Eis behindern seit Wochen den Verkehr: Ein Schneepflug kratzt über das frische Eis auf der Williamsburg-Bridge zwischen Brooklyn und Manhattan.
Schnee und Eis behindern seit Wochen den Verkehr: Ein Schneepflug kratzt über das frische Eis auf der Williamsburg-Bridge zwischen Brooklyn und Manhattan.(Foto: REUTERS)

Die ungewöhnlichen Witterungsbedingungen in weiten Teilen der Vereinigten Staaten wirken sich bis nach Europa aus. In den Metropolen an der US-Ostküste steigt der Bedarf an Streumitteln sprunghaft an.

Die Frostperiode dauert mittlerweile bereits so lange, dass die Vorräte an Tausalz und Rollsplit in den US-Lagern zur Neige gehen. Die Förderkapazitäten in den USA sind der außergewöhnlichen Nachfrage offenbar nicht gewachsen. Weil jedoch der Winter noch lange nicht ausgestanden ist, müssen sich die Verantwortlichen im US-Winterdienst mittlerweile verstärkt am Weltmarkt um Nachschub bemühen.

Einen Teil der Salz-Nachfrage sollen nun Lieferanten aus Deutschland decken: Noch an diesem Abend sollte ein in Windeseile mit rund 26.000 Tonnen Tausalz beladener Frachter den Wismarer Hafen in Mecklenburg-Vorpommern mit Ziel New York verlassen.

Globalisierter Streusalz-Einsatz

Wie die Seehafen Wismar GmbH mitteilte, stammt die Ladung von Europas größtem Salzproduzenten Esco in Hannover. Esco ist eine Tochter des im deutschen Leitindex notierten Rohstoffkonzerns K+S. "Die Auftausalze der K+S Gruppe verhindern, dass im Winter verschneite und vereiste Straßen zu gefährlichen Rutschbahnen werden", heißt es dazu K+S. Das Unternehmen sei dank eines großen "Lager- und Logistik-Netzwerks" auf einen "harten Winter" eingestellt. "Wir legen Wert auf hohe Reserven."

Im Gegensatz zu den Verhältnissen in Nordamerika erweist sich der Winter hierzulande allerdings bislang noch als ungewöhnlich mild. Im europäischen Markt werden dadurch Kapazitäten frei, die nun bald auf US-Gemeindestraßen und Highways für einen ungehinderten Verkehrsfluss sorgen sollen. Die European Salt Company (Esco) habe "sehr kurzfristig" auf die Anfragen aus den USA reagiert und "innerhalb weniger Tage eine Schiffsladung an Auftausalz bereitgestellt, heißt es in einer Hafenmitteilung.

Speziell erweiterte Hafenanlagen

Die Tausalzlieferung in die USA rückt den Logistikstandort Wismar im sonst eher beschaulichen Mecklenburg-Vorpommern auf einen Schlag ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Nach Angaben des Seehafens Wismar handelt es sich bei den fast 26.000 Tonnen Tausalz um die bislang größte Tonnage, die je in Wismar in ein Seeschiff umgeschlagen wurde.

Schnelle Abhilfe auf glatten Straßen kann der Salz-Lieferant Esco allerdings nicht bieten. Das Salzschiff, die 176 Meter lange und 29 Meter breite "MS Kiwi Trader" aus Hongkong, wird den Planungen zufolge mindestens sieben bis zehn Tage unterwegs sein. Zielhafen des Massengutfrachters ist Newark an der Upper Bay unweit der Freiheitsstatue.

Tausalz aus Deutschland

Die "Kiwi Trader" ist ein im Jahre 2000 in Japan gebautes Frachtschiff, das bei einem Tiefgang von 9,56 Metern maximal knapp 32.000 Tonnen Zuladung aufnehmen kann. Der Frachter ist im Auftrag der in Hongkong ansässigen Reederei Pacific Basin Shipping unterwegs. In Wismar geht das Schiff mit der Salzladung an eine genau kalkulierte Grenze. Die "Kiwi Trader" nutzt vor Ort den zulässigen Maximaltiefgang von 8,50 Meter aus, um die neue Rekordmarke bei exakt 25.680 Tonnen aufzustellen.

Erst die vor kurzem im Seehafen Wismar in Betrieb genommene Erweiterung der Lagerkapazitäten für Salzprodukte habe den sofortige Abruf einer derart kompakten Menge innerhalb von Stunden problemlos möglich gemacht, teilte der Hafenbetreiber mit.

Bei dem nach New York verschiffte Streumitteln handelt es sich nach Angaben von Esco um Auftausalz "aus Steinsalzlagerstätten, die vor rund 230 Millionen Jahren durch das Verdunsten früherer Meere entstanden sind und sich durch ihre besondere Reinheit auszeichnen." Esco liefert dabei eine besondere Mischung aus feinen und groben Salzkristallen - unter anderem auch an öffentliche Abnehmer in Deutschland. "Während die feinen Kristalle für eine sofort einsetzende Tauwirkung sorgen", heißt es in einer Produktinformation, "garantieren die gröberen Kristalle die erforderliche Langzeitwirkung bei dickeren Eis- und Schneeschichten".

Quelle: n-tv.de

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