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Viele Mitarbeiter bangen um Jobs: Jede dritte Karstadt-Filiale in Gefahr

Die 17.000 Karstadt-Beschäftigten müssen sich auf harte Einschnitte einstellen: Insidern zufolge sieht der neue Sanierungsplan den Abbau jedes vierten Arbeitsplatzes vor. Erste Details werden Ende der Woche vom Aufsichtsrat erwartet. Verdi warnt vor den Kosten.

Im Zuge des neuen Sanierungskonzepts der Warenhauskette Karstadt sind nach Informationen der "Bild am Sonntag" bis zu 30 der 83 Warenhausfilialen von der Schließung bedroht. Sie schrieben nachhaltig rote Zahlen und hätten keine Perspektive mehr, berichtete das Blatt unter Berufung auf Insider. Die Gewerkschaft Verdi kündigte im "Tagesspiegel" Widerstand gegen einen derartigen "Kahlschlag" bei Karstadt an.

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Wie die "Bild am Sonntag" weiter berichtete, wären von den Schließungen etwa 3000 bis 4000 der insgesamt 17.000 Karstadt-Mitarbeiter betroffen. Der neue Karstadt-Aufsichtsrat will am Donnerstag erste Details dieser Sanierungspläne präsentieren. Eine endgültige Entscheidung über Schließungen soll es dann allerdings noch nicht geben. Geplant sei, "sozialverträglich mit allen Betroffenen zu verhandeln", sagte ein Insider dem Blatt.

Verdi warnt: Kahlschlag kommt teuer

Der Verdi-Fachbereichsleiter Arno Peukes, der dem Karstadt-Aufsichtsrat angehört, warnte vor hohen Kosten bei einer harten Sanierung der Warenhauskette. "Ein Haus zu schließen kostet viel Geld. Zehn bis 15 Millionen Euro allein für Sozial- und fortlaufende Immobilienverträge", sagte Peukes dem "Tagesspiegel". Das mache bei 20 bis 30 Häusern mindestens 300 Millionen Euro. "Dieses Geld steckt man besser in die Erhaltung der Standorte, statt tausende Arbeitsplätze zu vernichten." Umfangreiche Filialschließungen werde er deshalb nicht akzeptieren. "Wehrlos werden weder Verdi noch der Betriebsrat einen Kahlschlag hinnehmen."

Peukes warf der bisherigen Karstadt-Führung massive Fehler vor. "In den letzten Jahren ist bei Karstadt Missmanagement betrieben worden", sagte der Gewerkschafter. "Die Politik ging an den Bedürfnissen vorbei." Umfangreiche Filialschließungen werde er deshalb nicht akzeptieren. "Wehrlos werden weder Verdi noch der Betriebsrat einen Kahlschlag hinnehmen." Die Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko hatte Karstadt im August vom bisherigen Besitzer Nicolas Berggruen übernommen.

Filetstücke wieder integrieren?

Peukes sprach sich für eine Wiedervereinigung der traditionellen Karstadt-Filialen mit den Premium- und Sporthäusern aus. "Ich halte es aus wirtschaftlicher Sicht für sinnvoll, wenn alle an einem Strang ziehen", sagte er dem "Tagesspiegel". Berggruen hatte der Benko gehörenden Signa Holding bereits vergangenes Jahr die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns wie dem KaDeWe  in Berlin, dem Alsterhaus in Hamburg und dem Oberpollinger in München sowie den Sporthäusern übertragen.

Mit der Übernahme durch Benko leben auch Spekulationen um eine Zusammenführung mit der Metro-Tochter Kaufhof wieder auf. Der österreichische Investor hatte sich in der Vergangenheit erfolglos auch um eine Übernahme dieser Warenhauskette bemüht.

Quelle: n-tv.de

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