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Mit sofortiger Wirkung: Karstadt-Chefin Sjöstedt wirft entnervt hin

Die frühe Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt gilt beim Amtsantritt als Hoffnungsträgerin für den schwer angeschlagenen Kaufhaus-Konzern Karstadt. Doch nach nur fünf Monaten zieht sie die Reißleine. Ihren Abschiedsworten fehlt es nicht an Deutlichkeit.

Kein gutes Signal für die deutschen Warenhauskette: Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt schmeißt hin: Die Schwedin verlässt Karstadt mit sofortiger Wirkung, wie aus einer gemeinsamen Mitteilung von Sjöstedt und der Kaufhauskette hervorgeht. Offenbar fühlt sie sich von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen ausgebremst.

Kurzes Intermezzo: Eva-Lotta Sjöstedt.
Kurzes Intermezzo: Eva-Lotta Sjöstedt.(Foto: picture alliance / dpa)

Karstadt verliert damit eine wichtige Hoffnungsträgerin. Sjösted hatte erst Ende Februar die Führung des taumelden Kaufhuas-Konzerns übernommen. Die frühere Ikea-Managerin gilt als erfahrene Führungskraft und als Expertin für erfolgreiche Strategien im Einzelhandel.

Sie habe sich im vergangenen Herbst für ein Engagement bei Karstadt entschlossen, weil sie davon ausgegangen sei, ein zwar angeschlagenes Unternehmen zu übernehmen, das sie aber entwickeln dürfe, teilte Sjöstedt mit. Eigentümer Berggruen habe ihr damals für ihre Pläne "die volle Unterstützung" zugesagt. Doch das Versprechen währte nach Sjöstedts Empfinden offenbar nicht lange: "Nach eingehender Prüfung, den Erfahrungen der letzten Monate und in genauer Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmendaten muss ich nun jedoch feststellen, dass die Voraussetzungen für den von mir angestrebten Weg nicht mehr gegeben sind", erklärte sie nun.

Zerwürfnis mir Berggruen

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Beobachter spekulieren über ein heftiges Zerwürfnis zwischen Sjöstedt und Berggruen. Der hatte kurz vor Sjöstedts Amtsantritt im Frühjahr noch eingestanden, für die Neuausrichtung der Warenhäuser "noch nicht die richtige Formel gefunden" zu haben.

Im April hatte sie noch eine erste positive Meldung verkündet: In den ersten sechs Monaten des seit Oktober laufenden Geschäftsjahrs seien bereits 28 Millionen Euro an "Einsparungen und Ertragsverbesserungen" verzeichnet worden, hatte Sjöstedt in einem Brief an die Mitarbeiter mitgeteilt. Für das gesamte Geschäftsjahr gebe es kurzfristige Einsparmöglichkeiten von 30 Millionen bis 40 Millionen Euro. Doch das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Immerhin hatte die Karstadt Warenhaus GmbH im Geschäftsjahr 2011/12 gut 158 Millionen Euro Verlust gemacht und Medienberichten zufolge auch für 2012/13 die Trendwende weit verfehlt.

Müllenbach und Weitz übernehmen

Das Unternehmen bedauerte die Entscheidung von Sjöstedt. Sie komme "überraschend und in sehr schwierigen Zeiten".Finanzvorstand Miguel Müllenbach und Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz sollen das Unternehmen nun weiterführen. Ziel sei es, "die Sanierung von Karstadt entschlossen und unverzüglich anzugehen", sagte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl.

Karstadt war im Frühjahr 2013 aus den regionalen Tarifverträgen für den Einzelhandel ausgestiegen, um Kosten zu sparen. Für die rund 20.000 Mitarbeiter des Warenhaus-Konzerns entfallen damit unter anderem bis 2015 Gehaltserhöhungen, die tarifvertraglich vereinbart sind. Der Kunsterbe, Milliardär und Immobilieninvestor bekannte Berggruen hatte Karstadt im Juni 2010 übernommen, um das Traditionsunternehmen vor dem Aus zu bewahren. Inzwischen hat er Teile des Konzerns weiterveräußert.

Seit die ehemalige Ikea-Managerin am 24. Februar offiziell das Ruder in Essen übernommen hatte, wehte Beobachtern zufolge ein frischer Wind im Konzern. Die im Jahre 1966 geborene Schwedin wirkte auf die Belegschaft offenbar ganz anders als ihr eher steifer Vorgänger Andrew Jennings. "Sie ist sehr natürlich, geht auf die Menschen zu und kommt bei den Mitarbeitern gut an. Das macht sie wunderbar", sagte zum Beispiel Karstadt-Betriebsratschef Hellmut Patzelt.

Erfahrungen an der Kasse

"Sie hat das Vertrauen der Mitarbeiter und das ist wichtig in schwierigen Zeiten." Schon vor ihrem offiziellen Amtsantritt hatte Sjöstedt in 47 Filialen selbst an der Kasse gestanden, mit den Mitarbeitern gesprochen und Kunden bedient, um sich aus erster Hand ein Bild von der Lage im Konzern zu machen.

Ihre ersten Sofortmaßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beruhten ganz wesentlich auf den damals gemachten Erfahrungen, schrieb sie kürzlich in einem Brief an die Mitarbeiter. Ihr überraschender Rücktritt dürfte im Inneren der Warenhauskette neue Sorgen wecken.

Quelle: n-tv.de

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