Wirtschaft
Die Entscheidung von EZB-Chef Draghi am Donnerstag wird mit Spannung erwartet.
Die Entscheidung von EZB-Chef Draghi am Donnerstag wird mit Spannung erwartet.(Foto: picture alliance / dpa)

Experten warnen: Geringes Volumen: Kauft die EZB Anleihen für 50 Mrd. Euro?

Mit Spannung wird die Entscheidung der Europäische Zentralbank zu Anleihen-Käufen am Donnerstag erwartet. Rund 50 Milliarden Euro monatlich bringt ein Insider am Mittwochabend ins Spiel. Das könnte zu wenig sein, warnen Experten.

Die Europäische Zentralbank geht zur Bekämpfung der hartnäckigen Wirtschaftsflaute in die Vollen. Eine mit der Situation vertraute Person sagte der Agentur Reuters, es stehe ein Vorschlag im Raum, der Anleihen-Käufe im Umfang von 50 Milliarden Euro pro Monat vorsehe. Diese sollten ab März starten. Über den entsprechenden Vorschlag des Direktoriums werde der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt beraten.

Draghis Geldflut

An den Finanzmärkten gilt es als ausgemachte Sache, dass die EZB am Donnerstag ein milliardenschweres Kaufprogramm für Staatsanleihen nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed auf den Weg bringen wird. Wie das Programm aussehen wird, ist noch unklar. Es wird aber über ein Volumen von 500 Milliarden bis zu einer Billion Euro spekuliert. Banken könnten dann ihre Bonds abstoßen und die verfügbaren Mittel stärker für neue Darlehen verwenden. Das soll das Wachstum in der Eurozone ankurbeln und die Inflation anheizen.

Das "Wall Street Journal" und die Finanzagentur "Bloomberg" hatten zuvor bereits über die Details berichtet. Die Europäische Zentralbank wollte sich nicht äußern. Dem "Wall Street Journal" zufolge sollen die umstrittenen Käufe mindestens über ein Jahr andauern. Laut "Bloomberg" dürften sie im März starten und bis Ende 2016 laufen.

Unterdessen versuchte Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny die Märkte vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung der Währungshüter zu beruhigen. Am Aktien- und Devisenmarkt kam es dennoch zu großen Schwankungen. Der Dax drehte zum Schluss wieder ins Plus und beendete den Handel 0,41 Prozent höher bei 10.299 Punkten. Der Euro fiel unter 1,16 Dollar.

Kaufprogramm soll Deflation verhindern

Mit dem großangelegten Kaufprogramm soll eine Deflation im Keim erstickt werden, also ein Abrutschen der Wirtschaft in eine langanhaltende Schwächephase mit fallenden Preisen auf breiter Front und schrumpfenden Investitionen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt bereits die Tür für den Kauf von staatlichen Schuldtiteln - im Fachjargon "Quantitative Easing" genannt - weit aufgemacht. Über die Details des Programms wird nach Aussagen von Insidern bis zuletzt gerungen.

Nach Einschätzung des Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, wäre ein Volumen von 500 Milliarden Euro bereits eine leichte Enttäuschung.
Nach Einschätzung des Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, wäre ein Volumen von 500 Milliarden Euro bereits eine leichte Enttäuschung.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach Einschätzung des Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, wäre ein Volumen von 500 Milliarden Euro bereits eine leichte Enttäuschung. Der Markt erwarte ein Volumen von 750 Milliarden Euro. Eine Billion Euro wäre eine positive Überraschung, sagte Jain auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Das erwartete Kaufprogramm werde tiefgreifende Auswirkungen für die europäischen Geldhäuser mit sich bringen und die Stabilität in Europa insgesamt erhöhen. Es werde weniger Insolvenzen geben - die Banken müssten dann auch weniger Geld für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen. Allerdings bedeute "Quantitative Easing auch sehr niedrige Zinsen.

Nach Ansicht von OECD-Generalsekretär Angel Gurria sollte die EZB ihr Programm nicht deckeln und Draghi freie Hand lassen. "Lasst Mario so weit wie möglich gehen", sagte der Chef der Industriestaaten-Organisation in Davos. Demnach soll die EZB so viele Anleihen und für einen so langen Zeitraum kaufen, wie es für eine höhere Inflation und eine Belebung der Wirtschaft nötig ist. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an. Davon ist sie derzeit jedoch meilenweit entfernt. Zuletzt fielen die Preise in der Euro-Zone sogar um 0,2 Prozent.

Unterdessen warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor Signalen, die die Reformbemühungen der Euro-Länder bremsen könnten. Dem muss auf jeden Fall entgegengewirkt werden", so Merkel in Berlin. "Alles andere müssen wir abwarten", fügte sie unter Verweis auf die Unabhängigkeit der EZB hinzu. Der Präsident der schweizerischen Großbank UBS, Axel Weber, forderte die EZB auf, nicht das ganz große Rad zu drehen. "Sie sollten nicht zu viel machen." Damit entfalle ein Anreiz für Reformen. Europas Politiker hätten es allerdings auch versäumt, die Zeit für Reformen zu nutzen, die ihnen die EZB verschafft habe.

Für die deutsche Industrie ist es inzwischen schon ausgemachte Sache, dass EZB-Chef Draghi grünes Licht für eine weitere Geldschwemme geben wird. "Wenn das Programm nicht verkündet würde, wäre das schlecht, weil die Märkte das schon erwarten", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo. Es wäre für alle ein "großes Risiko", wenn die EZB nach all den Andeutungen nun einen Rückzieher mache.

Quelle: n-tv.de

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