Wirtschaft
Es geht voran: Regierungschef Samaras stellt den Griechen eine Zukunft ohne neue Hilfsmilliarden in Aussicht - und zwar schon bald.
Es geht voran: Regierungschef Samaras stellt den Griechen eine Zukunft ohne neue Hilfsmilliarden in Aussicht - und zwar schon bald.(Foto: REUTERS)

Rückkehr an die Märkte: Griechenland sieht keinen neuen Kreditbedarf

Mitte 2014 läuft das aktuelle Hilfsprogramm für das zwischenzeitlich vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland aus. Kurz vor dem Jahreswechsel kündigt Regierungschef Samaras die Rückkehr zur Normalität an. Doch Experten zweifeln.

Griechenland will nach dem Ende der internationalen Rettungsprogramme im kommenden Jahr ohne neue Hilfskredite auskommen. 2014 werde Athen "den großen Schritt zum Verlassen" der Rettungsvereinbarungen mit Europa und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) machen und keine neuen Hilfen benötigen, sagte der griechische Regierungschef Antonis Samaras in einer Fernsehansprache an die Nation.

Griechenland werde im kommenden Jahr "wieder an die Märkte" zurückkehren und den Weg zurück zu einem "normalen Land" einschlagen, kündigte Samaras an. 2014 werde das Land keinen "Bedarf an neuen Krediten und neuen Rettungsvereinbarungen" mehr haben. Finanzminister Giannis Stournaras hatte sich am Sonntag  bereits ähnlich geäußert.

Troika prüft ab Januar wieder

Für diese Schritte müsste aber jeweils die Troika von EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) grünes Licht geben. Sie kehrt im Januar nach Athen zurück, um ihre laufende Prüfung abzuschließen. Bislang war hinter vorgehaltener Hand über einen weiteren Finanzbedarf von 2015 bis 2018 über zehn Milliarden Euro gesprochen worden.

Griechenland will in diesem Jahr einen primären Haushaltsüberschuss erwirtschaften - allerdings ohne Berücksichtigung der enormen Zinslast für den horrenden Schuldenberg. Dies wiederum muss die europäische Statistikbehörde Eurostat im April noch feststellen.

In den ersten elf Monaten hatte Griechenland nach früheren Angaben des Finanzministeriums einen sogenannten Primärüberschuss von 2,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Athen profitiert allerdings massiv davon, dass die EZB Anleihen des Euro-Krisenlandes aufgekauft hat. 1,5 Milliarden Euro des Primärüberschusses stammen den Angaben zufolge aus dem ersten Anleihekaufprogramm der EZB. Aus eigener Kraft erwirtschaftete Athen 1,2 Milliarden Euro, vor allem dank gestiegener Einnahmen aus dem Tourismussektor.

Erstes Wachstum seit sechs Jahren erwartet

Samaras stellte den griechischen Bürgern in seiner Ansprache für das kommende Jahr nach sechs Jahren Rezession eine wirtschaftliche Erholung in Aussicht. Ziel sei es, dass die Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig wird.

Zuletzt hatte sich die Notenbank für das nächste Jahr optimistisch gezeigt. "Die Hinweise, dass die Wirtschaft auf einem Stabilisierungsweg ist, haben sich verdichtet." Die Konsumflaute werde sich abschwächen und der Rückgang bei den verfügbaren Einkommen sei gestoppt. Zudem stützten die Exporte und der Tourismus die Wirtschaft. Die Notenbank sagte für 2014 ein Wachstum von 0,5 Prozent voraus, während die Regierung von einem Plus von 0,6 Prozent ausgeht.

In diesem Jahr dürfte die Wirtschaft nach Berechnung der Notenbank indes noch um 4,0 Prozent geschrumpft sein. Seit Beginn der Rezession 2008 ist die Wirtschaft damit um ein Viertel eingebrochen - zum Teil auch unter der Last der Sparforderungen der Troika. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 27 Prozent.

Streit über Höhe des Haushaltslochs

Griechenland wird mit zwei Hilfspaketen von insgesamt 240 Milliarden Euro über Wasser gehalten. Dem ersten Hilfsprogramm von EU und IWF im Umfang von 110 Milliarden Euro, folgte 2012 ein zweites im Umfang von 130 Milliarden Euro. Zusätzlich erließen private Gläubiger Athen insgesamt mehr als 100  Milliarden Euro Schulden. Das derzeit laufende zweite Hilfsprogramm endet Mitte 2014, viele Experten glauben aber, dass die angeschlagene griechische Wirtschaft auch danach Unterstützung von EU und IWF braucht.

Zwar verabschiedete das Parlament in Athen Anfang Dezember einen Sparhaushalt. Doch sieht die Gläubiger-Troika, der neben dem IWF auch Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission angehören, ein milliardengroßes Finanzierungsloch und fordert mehr Spar- und Reformanstrengungen. So ist derzeit noch unklar, wie ein Fehlbetrag von zwei Milliarden Euro im griechischen Jahresbudget für 2014 ausgeglichen werden soll.

Quelle: n-tv.de

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