Wirtschaft
Sex sells: Auf einer Messe in Berlin.
Sex sells: Auf einer Messe in Berlin.(Foto: REUTERS)

Los Angeles erzwingt Safer Sex: Kondome erzürnen Pornobranche

Die Pornoindustrie in und um Los Angeles trägt sich mit Abwanderungsgedanken. Die Pflicht, künftig Kondome zu benutzen, stößt in der Branche auf wenig Gegenliebe. Die Produzenten warnen vor den wirtschaftlichen Folgen - und ziehen vor Gericht.

Los Angeles ist das Zentrum der US-amerikanischen Pornoindustrie, doch das könnte sich bald ändern. Denn künftig müssen Darsteller beim Sex Kondome tragen – die Branche hält das für eine so schlechte Idee, dass sie damit droht, die Stadt zu verlassen und künftig anderswo zu drehen.

Im Zuge der Präsidentschaftswahlen hatten die Einwohner der größten Stadt Kaliforniens sehr zum Unwillen der Porno-Lobby auch für ein Gesetz gestimmt, das Kondome beim Dreh von Sexfilmen zur Pflicht macht. Damit sollen die Darsteller vor Krankheiten geschützt werden, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden können.

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Vertreter der Pornoindustrie wehren sich und ziehen vor Gericht, um das Inkrafttreten des Gesetzes zu verhindern. Sie gründeten die Initiative "Koalition für freie Meinungsäußerung", die nun Klage eingereicht hat. Schließlich verstoße das Gesetz gegen die Verfassung. "Es ist unamerikanisch. Wir sind Erwachsene", erregt sich Pornodarstellerin Anikka Albrite, die in Filmen wie "Sag Papi nicht, dass ich es mit Schwarzen treibe" und "Schlürfende Schlampen" mitgespielt hat. "Wir sollten nicht gezwungen werden, Kondome zu benutzen".

Das sieht die Porno-Legende Ron Jeremy ähnlich. "Das ist der letzte Nagel im Sarg der Filmindustrie in Los Angeles", stöhnt auch er in einem Interview mit der Website "The Daily Beast". "Wie können wir uns so gegen Europa und gegen Amateure behaupten? Die benutzen keine Gummis."

Branche verweist auf Selbstverpflichtung

Die US-Pornoindustrie, die vor allem im San Fernando Valley nordwestlich von Los Angeles angesiedelt ist, fürchtet große Umsatzeinbußen. Ihre Begründung: Konsumenten wollen keine Filme sehen, in denen Kondome benutzt werden. Es gehe bei Pornografie doch um Fantasien, seufzt Pornodarsteller Valentino. "Die Leute wollen etwas sehen, das sie zu Hause nicht erfahren."

Um ihre Klage zu untermauern, verweist die Pornobranche auf die bereits vorhandenen Gesundheitsbestimmungen. Demnach müssen sich Darsteller alle vier Wochen nicht nur einem Aids-Test unterziehen, sondern sich auch regelmäßig auf Tripper und Syphilis untersuchen lassen.

Das reicht Aids-Aktivisten, die das Gesetz auf den Weg gebracht haben, aber nicht aus. Das von der Branche praktizierte System sei lückenhaft. Schließlich liegen zwischen Ansteckung und der Möglichkeit, die Infektion nachzuweisen, mehrere Tage. Pornodarsteller könnten sich daher zwischen den Tests anstecken – und die Krankheit auch außerhalb der Branche verbreiten. "Es ist nicht fair, dass Menschen an zum Teil lebensgefährlichen Infektionen erkranken, nur um über die Runden zu kommen", heißt es in einem Informationsblatt. "Die Pornobranche sollte nicht von den grundlegenden Regeln ausgenommen werden, die jeden anderen schützen."

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Doch nicht nur die Pornoindustrie stemmt sich gegen die Kondompflicht, auch die angesehene "Los Angeles Times" hatte ihren Lesern empfohlen, gegen das Gesetz zu stimmen. Es würde den Darstellern kaum helfen – und der Wirtschaft rund um Los Angeles schaden. Die Branche beschäftige nicht nur ein paar hundert Darsteller, sondern schaffe tausende Jobs in Südkalifornien. Sie sei ein integraler Bestandteil der Film- und Unterhaltungsindustrie. Der Handelskammer zufolge sorgt die Pornobranche im San Fernando Valley für einen jährlichen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar. "Die Maßnahme wird einen dramatischen Effekt auf unsere Wirtschaft haben", fürchtet Stuart Waldman, Chef der Kammer.

Die Branche trägt sich bereits mit Abwanderungsgedanken. "Die Sache wird nichts ändern – wir werden einfach in Hawaii, Mexiko oder in der Wüste drehen", sagte "Hustler"-Verleger Larry Flint der Nachrichtenagentur "Bloomberg". "Wir fliegen für eine Woche oder zehn Tage weg. Das ist keine große Sache." Steven Hirsch, Chef der Produktionsfirma Vivid Entertainment stößt in das gleiche Horn und vermutet, dass einige Produzenten künftig in Las Vegas drehen werden. "Wir werden am Ende eine Lösung finden. Die Darsteller wollen nicht gezwungen werden, Kondome zu tragen. Die Produzenten und die Konsumenten wollen das auch nicht."

Pornoqueen Amber Lynn ("Pförtner kommen immer zweimal") regte via Twitter an, die Darsteller sollten fleischfarbene Kondome benutzen. "Die Industrie wird überleben. Das hat sie schon immer."

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Quelle: n-tv.de

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