Wirtschaft
Gesellschaftliches Missverhältnis an der Führungsspitze: Nur 10 von 30 Dax-Unternehmen können im Aufsichtsrat eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent vorweisen.
Gesellschaftliches Missverhältnis an der Führungsspitze: Nur 10 von 30 Dax-Unternehmen können im Aufsichtsrat eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent vorweisen.(Foto: picture alliance / dpa)

Fast 80 Prozent rein männlich: Konzernelite verliert Frauen

Der Vormarsch der Frauen an die Spitze deutscher Großunternehmen gerät ins Stocken. Das zumindest deuten die jüngsten Zahlen aus den Vorstandsetagen an. Eine Expertin glaubt nicht an eine Rolle rückwärts.

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Die Zahl der Frauen in den Vorständen der größten Konzerne Deutschlands ist im Laufe der vergangenen zwölf Monate gesunken. Zum 30. Juni dieses Jahres hatten lediglich 38 Frauen einen Vorstandsposten in einem der 160 deutschen Dax-, MDax-, SDax- oder TecDax-Unternehmen inne, wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervorgeht.

Ein Jahr zuvor hätten noch 42 Frauen auf einem der Führungsposten gesessen. Weil in diesem Zeitraum die Gesamtzahl aller Vorstände in den untersuchten Konzernen von 668 auf 651 zurückging, liegt die Frauenquote in der Führungsebene den Berechnungen der Wirtschaftsprüfer zufolge weiter bei 6 Prozent.

Wie groß die Schieflage gemessen an den gesellschaftlichen Verhältnissen noch immer ist, zeigt folgendes Teilergebnis: In 78 Prozent der Unternehmen ist der Vorstand laut EY komplett mit Männern besetzt. Unternehmen mit mehr als einer Frau in der Führungsriege oder gar einer Frau als Vorstandschefin bleiben im Kreis der prominenten Börsenschwergewichte rar gesät: In 2 Prozent der untersuchten Konzerne arbeiteten mindestens zwei Frauen im Vorstand. Lediglich zwei Unternehmen hätten eine Vorstandschefin, was einer Quote von 1,25 Prozent entspricht.

Bemerkenswert ist die unterschiedliche Verteilung in einzelnen Wirtschaftszweigen: In der Telekommunikationsbranche (19 Prozent) sowie im Sektor Transport und Logistik (17 Prozent) gab es viel mehr Vorstandsfrauen als in der Industrie (3 Prozent), der Rohstoffbranche oder der Informationstechnologie (jeweils 2 Prozent).

Mehr Frauen als Männer

Beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht Forschungsdirektorin Elke Holst von einem nur vorübergehenden Tief beim Frauenanteil in deutschen Führungsetagen aus. Sie sei zuversichtlich, dass es sich "nicht um einen generellen Rückwärtstrend handelt", sagte die DIW-Expertin. In zwei Dax-Unternehmen dürften demnächst wieder zwei Vorstandsposten an Frauen vergeben werden, fügte sie hinzu.

Die von der Bundesregierung geplante Geschlechterquote mit einem Frauenanteil in Aufsichtsräten von mindestens 30 Prozent haben demnach erst 10 der 30 Dax-Unternehmen erreicht: Commerzbank, Adidas, Allianz, Deutsche Bank, Deutsche Post, Telekom, Lufthansa, Merck, Münchner Rück und Henkel.

In der Gesamtbevölkerung sind die Geschlechterrollen nahezu gleich verteilt: Experten des Statistischen Bundesamts beziffern die Zahl der in Deutschland lebenden Frauen auf rund 41 Millionen bei rund 39 Millionen Männern. Bei den Bildungsabschlüssen beobachten Forscher seit Jahren einen klaren Trend: Je höher die Qualifikation, desto größer der Anteil der Frauen.

Personal war gestern

In den Vorstandsgremien seien Frauen mittlerweile meist mit dem Finanzbereich oder mit dem operativen Geschäft betraut, heißt es in den Studien von Ernst & Young. Jeweils 29 Prozent der weiblichen Vorstände betreuten eines dieser beiden Ressorts. Eine zuvor beobachtete "Fixierung aufs Personal" gehöre offenbar der Vergangenheit an, schreiben die Autoren der Studie. Lediglich noch 18 Prozent der weiblichen Vorstände arbeiteten als Personalchefin. Ein Jahr zuvor seien es noch 24 Prozent gewesen.

In den Aufsichtsräten fällt die gesellschaftliche Rolle der Frauen bereits deutlich stärker ins Gewicht als bei den Vorständen. Einer Studie der Wirtschaftsdatenbank Bürgel kommt das weibliche Geschlecht hier insgesamt auf eine Quote von 17,1 Prozent. In der engeren Auswahl der Dax-30-Unternehmen sind derzeit immerhin 24,7 Prozent der Kontrolleure Frauen.

Quelle: n-tv.de

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