Wirtschaft
Bewaffnete Männer auf der Krim. Bei ihnen handelt es sich wohl um russische Soldaten - der Kreml spricht dagegen von "Selbstverteidigungskräften"
Bewaffnete Männer auf der Krim. Bei ihnen handelt es sich wohl um russische Soldaten - der Kreml spricht dagegen von "Selbstverteidigungskräften"(Foto: AP)

Russlands Wirtschaft leidet: Krim-Krise kommt Kreml teuer zu stehen

Russland dürfte einen hohen Preis für die Eingliederung der Krim bezahlen. Ausländer ziehen ihr Kapital ab, Volkswirte senken ihre Konjunkturprognosen spürbar. Die Weltbank hält sogar eine Rezession für wahrscheinlich.

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Kapitalabfluss, Rezession, hohe Inflation: Die Krim-Krise kommt Russland teuer zu stehen. Selbst im Fall einer Beruhigung dürften Investoren in diesem Jahr bis zu 85 Milliarden Dollar aus dem Schwellenland abziehen, sagte die Russland-Expertin der Weltbank, Birgit Hansl. Bei einer weiteren Eskalation könne sich die Summe auf bis zu 150 Milliarden Dollar erhöhen. Dem Finanzministerium in Moskau zufolge haben Anleger allein im ersten Quartal bereits 70 Milliarden Dollar abgezogen.

Die russische Wirtschaft steckt nach Einschätzung der Regierung in ernsthaften Schwierigkeiten. "Die wirtschaftliche Situation zeigt Anzeichen einer Krise", sagte Vize-Wirtschaftsminister Sergej Beljakow. Noch im Dezember hatte die Weltbank für Russland in diesem Jahr ein Wachstum der Wirtschaft um 2,2 Prozent prognostiziert. Vor dem Hintergrund der Krim-Krise malt sie nun ein weitaus düstereres Bild. Das Bruttoinlandsprodukt könne in diesem Jahr um bis zu 1,8 Prozent schrumpfen, so die Weltbank. "Wenn der Russland-Ukraine-Konflikt eskaliert, könnte die Unsicherheit angesichts drohender Sanktionen aus dem Westen und der russischen Reaktion darauf steigen." Beruhige sich die Lage wieder, sei noch ein Plus von 1,1 Prozent drin - halb so viel wie noch im Dezember erwartet. Es mangele an strukturellen Reformen, und die Stimmung von Investoren sowie Verbrauchern verschlechtere sich. Etwaige Handelssanktionen des Westens gegen Russland sind in beiden Szenarien nicht berücksichtigt.

Massive Kapitalflucht

Auch die größte russische Bank hält 2014 eine Rezession für möglich, falls Anleger weiter umfangreich Geld abziehen. Unglücklicherweise gebe es ein solches Risiko, sagte Sberbank-Chef German Gref. "Die aktuelle Lage hat negative Auswirkungen auf die weltweite Wirtschaft, auf Russland und Europa", sagte er. Sollten die Abflüsse auf 100 Milliarden Dollar ansteigen, werde die heimische Wirtschaft nicht mehr wachsen.

Denn der massive Kapitalabzug aus Russland verhindert nicht nur Investitionen. Er treibt auch die Zinsen in die Höhe - und das ist schlecht für die ohnehin schwächelnde Konjunktur. Viele Investoren ziehen sich derzeit aus Russland zurück, weil das Land zunehmend isoliert ist. Die Europäische Union und USA haben erste Sanktionen verhängt, nachdem die zuvor zur Ukraine gehörende Krim im Eilverfahren in die russische Föderation eingegliedert worden war. Handelsbeschränkungen gibt es aber noch nicht.

Eine Rezession sei kaum noch vermeidbar, hatten die Analysten von VTB Capital in der vergangenen Woche betont. Die russische Wirtschaft stehe wegen der allgemeinen Unsicherheit "unter Schock". Bei vielen Unternehmen gebe es einen Investitions- und Einstellungsstopp und auch die privaten Haushalte hielten sich bei ihren Ausgaben zurück.

Wegen des Kursverfalls des Rubel müssen sich die Russen auch auf eine höhere Inflation einstellen, weil die schwache Währung Importe verteuert. Die Inflationsrate werde in diesem Jahr bei 5,5 Prozent liegen, so die Weltbank. Die Zentralbank will sie zwischen 4 und 5 Prozent halten. Schätzungen zufolge hat sie deshalb allein im März bislang 24 Milliarden Dollar ihrer Reserven zur Stützung des Rubel ausgegeben.

Die großen Ratingagenturen haben Moskau bereits angezählt. Die Bonitätsprüfer von Standard & Poor's und Fitch drohten, die Kreditwürdigkeit zu senken. Das Risiko wirtschaftlicher Sanktionen verschlechtere den Wachstumsausblick. Bereits jetzt habe sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum abgeschwächt, die Investitionen seien rückläufig, hieß es bei Fitch.

Quelle: n-tv.de

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