Wirtschaft

"Fauler Grieche" und "deutsche Panzer"Krise belebt alte Vorurteile

22.10.2011, 11:41 Uhr

In Europa kochen durch die Schuldenkrise wieder Antipathien hoch. Der Wirtschaftspsychologe Witte spricht von einer "enormen Sprengkraft, was den europäischen Gedanken angeht". Die europäische Idee sei sehr abstrakt. Die Menschen könnten damit nicht gut umgehen.

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Der Euro hat derzeit einen schweren Stand. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Finanzkrise lässt nach Ansicht des Wirtschaftspsychologen

Erich H. Witte alte Vorurteile zwischen den europäischen Ländern wieder aufflammen.

"Durch den Streit um die Verschuldung von Ländern kommen plötzlich wieder alte

Vorurteile nach oben - wie etwa das von den 'faulen Griechen'", sagte

der Hamburger Psychologieprofessor. "Das hat eine enorme Sprengkraft, was den

europäischen Gedanken angeht."

Plötzlich kochten zwischen den Ländern wieder Antipathien

hoch, die durch die europäische Bewegung überwunden schienen. Witte hält diese "neuen

alten Vorurteile" für eine große Gefahr der Finanzkrise. "Die Verschuldung

von Ländern hat eine katastrophale Folge - nicht weil es um Geld geht, sondern um

diese Vorurteile. Man betont damit die Differenzen in Europa."

Als Beispiel nannte der 65-Jährige Berichte in griechischen

Medien mit harschen Vorwürfen an Deutschland - etwa dass Deutschland die Euro-Krise

dazu nutze, Entlassungen und Lohnkürzungen in Griechenland zu forcieren. "Dann

heißt es: Früher haben die Deutschen es mit Soldaten und Panzern gemacht, heute

mit dem Euro", sagte Witte. In Deutschland wiederum schimpften manche angesichts

der Schuldenkrise: "Wir müssen wieder zahlen, wir wollen die D-Mark zurück."

"Niemand schaut wirklich durch"

Wenn es Konflikte gebe, betonte der Psychologe, entstünden

auch gleich Vorurteile. Allerdings habe die europäische Idee auch einen großen Nachteil:

"Sie ist eine sehr abstrakte Idee - und damit können Menschen überhaupt nicht

gut umgehen."

Dass der politische Umgang

mit der Euro-Krise mitunter kopflos wirke, hänge vor allem damit zusammen, "dass

niemand das wirklich durchschauen kann": "Fachleute nicht, und Politiker

erst recht nicht." Nicht einmal die Wirtschaftswissenschaftler wüssten, was

genau an den Märkten passiere, kritisierte Witte. "Es gibt keine wirklich guten

Modelle und Theorien, um das zu verstehen. Die Politiker können aber nicht schlauer

sein als die Wissenschaftler."

Quelle: dpa