Wirtschaft
In Feierlaune? Kommt auf die Perspektive an.
In Feierlaune? Kommt auf die Perspektive an.(Foto: dpa)

Reich wie nie - auf dem Papier: Krise nagt am Geldvermögen

Weltweit häufen die Menschen immer mehr Geld an, auch die Deutschen sind vermögend wie nie. Doch der Schein der vielen Nullen ist in Zeiten von Mini-Zinsen nur die halbe Wahrheit. Weil die Verbraucherpreise mittlerweile schneller steigen als der Kontostand, verliert das Vermögen von Sparern an Wert. Dramatisch nach unten entwickeln sich die Vermögen vor allem im Süden Europas.

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Die Euro-Schuldenkrise hat dem weltweiten Wachstum des privaten Geldvermögens einen kräftigen Dämpfer verpasst. Das globale Geldvermögen privater Haushalte - Bankeinlagen, Wertpapiere und Versicherungen - erreichte 2011 mit 103,3 Billionen Euro zwar einen neuen Höchstwert. Das Wachstum von 1,6 Prozent blieb aber deutlich hinter dem der beiden Vorjahre von durchschnittlich 7,3 Prozent zurück, wie aus dem "Global Wealth Report" des Versicherers Allianz ergab. "Es ist unübersehbar, dass Unsicherheit, niedrige Zinsen und Euro-Krise ihre Spuren in der Vermögensentwicklung hinterlassen", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Nach dem Einbruch durch die Finanzkrise im Jahr 2008 habe sich das Geldvermögen in den letzten Jahren erholt - dieser Trend sei nun abrupt zum Stillstand gekommen.

Westeuropa sei im vorigen Jahr die einzige Region mit schrumpfendem Geldvermögen gewesen, erläuterte Arne Holzhausen, einer der Autoren der Studie. "Hier fordert die Eurokrise ihren Tribut." Vor allem in den südeuropäischen Krisenländern mussten Sparer Vermögen abbauen, um das tägliche Leben zu finanzieren. Am deutlichsten sei diese Entwicklung in Griechenland abzulesen: Hier schmolzen die Geldvermögen um 9,1 Prozent zusammen. In Spanien lag das Minus bei 3,5 Prozent, in Italien bei 3,1 Prozent.

Gewonnen und doch verloren

In Deutschland legte das private Geldvermögen dagegen um 1,2 Prozent zu auf 4715 Mrd. Euro. Damit sind die Deutschen ungeachtet der Schuldenkrise und der Kursverluste an den Börsen so reich wie nie zuvor, Immobilienbesitz und Ansprüche auf die gesetzliche Rente noch gar nicht eingerechnet.

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Die Crux: Das Vermögen verlor dennoch an Wert, weil die Verbraucherpreise gleichzeitig um 2,3 Prozent anzogen. Die Kaufkraft des Vermögens nahm also trotz des Zuwachses bei den Bruttovermögen ab. Diese Entwicklung dürfte sich angesichts mangelnder Anlagealternativen noch fortsetzen.

"Es ist unübersehbar, dass Unsicherheit, niedrige Zinsen und Euro-Krise ihre Spuren in der Vermögensentwicklung hinterlassen", sagte Heise. Für ihn sind Sparer deshalb die Leidtragenden der ungelösten Krise im Euroraum und der zögerlichen Neuordnung der Finanzmärkte. Immerhin: Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank stieg das private Geldvermögen in Deutschland im Auftaktquartal 2012 weiter auf 4805 Mrd. Euro - ein Plus von 2,6 zum Vorjahr.

Inflation hält mit Vermögenszuwachs Schritt

Was durch sinkende Kapitalerträge im Zuge der Euro-Krise derzeit besonders augenscheinlich wird, ist jedoch global betrachtet bereits seit Jahren ein bekanntes Phänomen: Seit dem Jahr 2000 sind die weltweiten Brutto-Geldvermögen pro Kopf im Durchschnitt um 3,1 Prozent pro Jahr gewachsen. Dies entsprach aber ziemlich genau der durchschnittlichen globalen Inflation in diesem Zeitraum. "In den letzten elf Jahren konnten die Sparer weltweit keinen realen Vermögenszuwachs erzielen. Eine ernüchternde Bilanz."

Mit einem Brutto-Geldvermögen pro Kopf von 57.384 Euro belegt Deutschland im weltweiten Nationenranking des Versicherers nur Rang 19 - unter anderem weiterhin hinter Italien (58.380 Euro), aber auch hinter Österreich (60.500 Euro), Frankreich (63.390 Euro) oder Großbritannien (82.160 Euro). Weltweit errechnete die Allianz ein pro-Kopf-Vermögen von 21.500 Euro. Mit weitem Abstand am meisten Geld haben die Schweizer: Pro Kopf 214.800 Euro.

Gesamtvermögen stark gestiegen

Das Geldvermögen bildet jedoch nur einen Teil des gesamten Reichtums ab. Einem Entwurf des Arbeitsministeriums für den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zufolge hat sich das private Nettovermögen der deutschen Haushalte von Anfang 1992 bis Anfang 2012 von knapp 4,6 Billionen auf rund zehn Billionen Euro mehr als verdoppelt. Mehr als die Hälfte dieses Vermögens gehört dabei den vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte.

Das private Nettovermögen - dazu gehören etwa Immobilien, Bauland, Geldanlagen oder Ansprüche aus Betriebsrenten - erhöhte sich den Angaben zufolge allein in der "Krisenperiode" zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro. Der Anteil des obersten Zehntels sei dabei "im Zeitverlauf immer weiter gestiegen".

Quelle: n-tv.de

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